Bildhauer Jürgen Knubben will Wesentliches sichtbar machen

Lesedauer: 5 Min

Bildhauer Jürgen Knubben (rechts) stellt in seinen Werken Urformen wie diese Linse heraus.
Bildhauer Jürgen Knubben (rechts) stellt in seinen Werken Urformen wie diese Linse heraus. (Foto: Barbara Baur)

Der Bildhauer Jürgen Knubben stellt zur Zeit einen Teil seines Werks in Hagnau aus. Elf Kunstwerke sind im Ort verteilt. Außerdem sind zwölf kleinere und mittelgroße Arbeiten im Rathaus zu sehen. Die Ausstellung, die am Sonntag mit einer Vernissage eröffnet wurde, ist bis 30. November zu sehen. Herzstück der Ausstellung, die auch die Seegfrörne vor 55 Jahren zum Thema hat, ist die Skulptur eines Schiffs, das beim Landungssteg hochkant im Wasser steht. Eine zweite Skulptur, die genauso aussieht, steht am gegenüberliegenden Ufer in Altnau.

Seine Säulen, Türme, Obelisken, Linsen und Schiffe stellt Knubben aus Cortenstahl her, der nur an der Oberfläche eine rostige Patina bekommt. Auffallend im Werk des Künstlers sei die Idee des Vertikalen und des Emporstrebenden, sagte Kunsthistoriker Herbert Köhler in seiner Laudatio. Freistehende Türme, Säulen und Obelisken seien wie Positionsmarken oder Stecknadeln im Ortsplan. „Das Vertikale verbindet oben und unten, Himmel und Hölle“, sagte Köhler. Knubbens Skulpturen basierten auf metrischen Grundformen. Die Irritation des Blicks sei dabei beabsichtigt.

Bei einem kleinem Rundgang am Rathaus und im Uferpark erläuterte der aus Rottweil stammende Bildhauer einige seiner Skulpturen. Direkt am Rathaus etwa steht ein Obelisk mit dreieckiger Grundfläche, der sich spiralförmig nach oben zu schrauben scheint. „Er erweckt den Eindruck, als würde die Länge der Seiten nach oben hin zunehmen“, sagte er. „Das ist aber eine optische Täuschung.“ Vielmehr habe er für das Kunstwerk lauter Teile mit einer gleichen Seitenlänge verwendet.

Halbkreis und Linse

Zwischen Torkel und Minigolf befinden sich zwei überdimensionale Linsen. Bei einer davon handelt es sich um einen Halbkreis, der in der Erde zu stecken scheint. Die andere Linse liegt flach auf dem Boden. Solche Skulpturen könne man banal oder lapidar finden, sagte der Bildhauer. Doch die Welt sei sehr komplex geworden. „Deswegen geht es mir darum, die Formen zu reduzieren und das Wesentliche sichtbar zu machen“, sagte Knubben. Die Linse sei eine Urform, die nicht nur als Nahrungsmittel schon seit Tausenden von Jahren im Leben der Menschen präsent sei, sondern etwa auch beim Diskuswerfen. Die Linse aus Stahl sei hohl und habe eine Wandstärke von etwa zwölf Millimetern. Wenn man darauf klopfe, erzeuge das schöne Töne. „Musiker haben die Linse schon bei Konzerten eingesetzt“, sagte der Künstler.

Bürgermeister Volker Frede freute sich, die Ausstellung nach 18 Monaten Vorbereitungszeit zu eröffnen. „Zweimal neun Monate stehen symbolisch für entstehendes Leben“, sagte er. Zweimal neun passe auch gut, weil Knubben mit Blick auf die Seegfrörne vor 55 Jahren die Idee der verbindenden Schiffe aufgegriffen habe. Damit spielte er auf die beiden identischen schiffförmigen Kunstwerke an, die auf beiden Seiten des Bodensees aufgestellt wurden. Passend dazu hatte der Künstler ein kleines Schiffchen zersägt und den Gemeinden Hagnau und Altnau als Geschenk mitgebracht. „Es soll sie daran erinnern, ihre Freundschaft über das Wasser hinweg zu pflegen“, sagte er zu Frede und dem Gemeindepräsident von Altnau, Hans Feuz. Brass 4U, eine Gruppe des Musikvereins Hagnau, begleitete die Ausstellungseröffnung musikalisch.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen