Zweifache Mutter meistert ihre Lehre bei ZF

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Technik ist ihr Ding: Angelina Wiest kümmert sich im Forschungs- und Entwicklungszentrum um die Elektronik im Fahrversuch.
Technik ist ihr Ding: Angelina Wiest kümmert sich im Forschungs- und Entwicklungszentrum um die Elektronik im Fahrversuch. (Foto: zf)
Schwäbische Zeitung

Für die meisten Auszubildenden ist der Start ins Berufsleben der endgültige Eintritt in die Welt der Erwachsenen. Bei Angelina Wiest war das anders. Denn als sie 2017 bei ZF ihre Lehre zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik begann, hatte sie schon zwei Kinder geboren.

Die Doppelbelastung hat die 27-Jährige mit Bravour gemeistert – und zählt jetzt zu den 71 Absolventen, die der Konzern als Jungfachkräfte übernommen hat, wie ZF in einer Pressemitteilung schreibt.

Für Angelina Wiest war es der zweite Versuch bei ZF. Denn kurz nachdem sie 2008 eine Ausbildung als Mechatronikerin begonnen hatte, wurde sie mit ihrer heute elf Jahre alten Tochter schwanger. „Meine Lebensumstände waren damals ungünstig, ich musste die Lehre abbrechen“, erinnert sich die gebürtige Häflerin.

Es folgte eine längere Pause, in der sie eine zweite Tochter zur Welt brachte. 2015 dann nahm sie einen zweiten Anlauf ins Berufsleben, besuchte an der Elektronikschule Tettnang das zweijährige Berufskolleg. Eine erneute Bewerbung bei ZF traute sie selbst sich nicht zu – „ich dachte, die nehmen mich sowieso nicht“.

Doch ihre Mutter überredete sie, und zu Wiests eigener Überraschung galten die einzigen persönliche Nachfragen im Bewerbungsgespräch nicht ihrem Durchhaltevermögen, sondern dem Wohl der Kinder, wie ZF schreibt. Zwei Stunden nach dem Gespräch hatte sie die Zusage. „Ich war der glücklichste Mensch auf Erden“, sagt sie.

Noten-Challenge mit der Tochter

Was folgte, war ein Kraftakt. Sich noch einmal zum Lernen hinzusetzen, nachdem sie die Kinder ins Bett gebracht hatte, erforderte viel Disziplin und Selbstorganisation. Aber Wiest wollte die zweite Chance unbedingt nutzen, übernahm in der Berufsschule als Klassensprecherin sogar noch zusätzliche Verantwortung „Ich war schon die ‚Mutti‘ – habe diese Rolle aber auch gerne angenommen“, berichtet sie.

Unterstützung erhielt Wiest von ihren Eltern und nicht zuletzt von ihren Töchtern. Mit der Großen lieferte sie sich sogar eine regelrechte „Challenge“: Wer bringt die besseren Noten heim? Das Ergebnis: unentschieden. Die große Tochter geht inzwischen aufs Gymnasium, Wiest hat bei ihrem IHK-Abschluss satte 88 Punkte erzielt.

Damit zählt sie zu den 28 der 71 ZF-Absolventen dieses Sommers, die eine Auszeichnung erhalten haben. Kilian Biesenberger, Steven Sahinoglu, Mona Kunkel und Verena Linsenboll erhielten für ihren Abschluss von mindestens 92 Punkten (das entspricht der Schulnote 1,5) sogar einen IHK-Preis, teilt ZF weiter mit.

Angelina Wiest ist dort als Jungfachkraft angestellt worden, wo auch ihre letzte Ausbildungsstation war: im Fahrversuch im Forschungs- und Entwicklungszentrum. Dass sie als Elektronikerin für Automatisierungstechnik in ihrem Bereich ziemlich allein unter Männern ist, stört sie nicht. „Da muss man sich eben manchmal durchboxen“, sagt sie und lacht. Aber Sie ist mit vier Brüdern aufgewachsen – und hat schon ganz andere Herausforderungen gemeistert.

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