Zwei Chöre jubilieren zur Ehre Gottes
Zwei Chöre jubilieren zur Ehre Gottes (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Helmut Voith

Ein Hotspot des Geistigen sei der Bodenseeraum vor tausend Jahren gewesen, hat Pfarrer Bernd Herbinger am Sonntagabend zur Begrüßung der vielen Besucher des Festkonzertes zum Abschluss des diesjährigen Columbanfests gesagt. Besonders begrüßte er den 250 Jahre alten Kolumbans-Chor aus Rorschach zum gemeinsamen Konzert mit dem Jungen Chor St. Columban, der erst 51 Jahre zählt. Herbinger kündigte ein anspruchsvolles, nicht ganz einfaches Konzert an. Wie glänzend es aufgenommen wurde, zeigten die Standing Ovations am Ende.

War die Zugabe gewagt? Händels Halleluja ist ein Werk, das selbst diejenigen kennen, die mit klassischer Musik nicht viel anzufangen wissen, ein Werk, das die Liebhaber der Kirchenmusik unzählige Male gehört haben und vergleichen können. Unter dem Dirigat von Marita Hasenmüller sangen die vereinten Chöre den berühmten Chor aus dem „Messias“ so ergreifend, dass einem ein Schauer über den Rücken lief: unmittelbar ansprechend, packend, bewegend. Ein würdiger Abschluss des Festkonzerts, das diesen Titel zu Recht trug.

Begonnen hat es mit dem gregorianischen „Salve Regina“ des Mönchs von Salzburg aus dem 10. Jahrhundert. Eine Rückbesinnung auf Kirchenmusik, die jahrhundertelang bestimmend war – schlicht und eindrucksvoll und überzeugt von der Herrlichkeit des Himmels. Ein weiter Sprung war es zum Salve Regina V von Michael Haydn. Herrlich war hier das Solo des Bassisten Clemens Morgenthaler im Zusammenspiel mit dem Schweizer Chor unter der Leitung von Franz Pfab und der Sinfonietta Rhenania aus Vorarlberg. In Mozarts festlichem „Regina Coeli“ KV 276 glänzten alle vier Solisten – die Sopranistin Alexa Vogel, die Altistin Victoria Türtscher, Tenor Benjamin Berweger und der Bassist – in ständigem Wechsel mit dem Chor. Ein Mozart, der die Weiterentwicklung der Musik bis zur Gründungszeit des Rorschacher Chores erleben ließ. Unter sehr subtilem Dirigat schloss sich Mozarts Kirchensonate KV 263 für zwei Trompeten, Streicher und Basso continuo an.

Dann wechselten die Chöre und der Junge Chor St. Columban sang unter Marita Hasenmüller. Jauchzend erklang das Graduale “Dominus regnavit“, lieblich und voller Ehrfurcht das berühmte „Ave verum“ von Mozart. Für Mendelssohns in überzeugender Pianokultur a cappella gesungene Motette „Jauchzet dem Herrn alle Welt“ wechselte Georg Hasenmüller schnell von der Orgel zu den Sängern. Im ersten Satz aus Haydns Konzert für Orgel und Orchester Nr. 2 war er wieder zurück an der Truhenorgel.

Zeitgenosse von Haydn und Mozart

Voll war der Raum hinter dem Altar, als beide Chöre sich vereinten für das Magnificat in D-Dur und die Missa brevis in g-Moll von Nikolaus Betscher, dem letzten Abt von Kloster Rot, zu dessen Tod Michael von Jung dichtete: „Mit welcher Seligkeit erfüllte sein Instrument oft unser Herz. Mit süßen Harmonien stillte er aller Leiden bittren Schmerz!“ Der Zeitgenosse von Haydn und Mozart ist in letzter Zeit wieder öfter zu hören. Ein herrliches Jubilieren war sein Magnificat, sehr schön die Messe. Eine weitere Steigerung brachte zuletzt das oben erwähnte Halleluja.

Standing Ovations und von Herzen kommende Dankesworte galten allen Mitwirkenden für ein großartiges Konzert. Und das, wo Marita Hasenmüller schon am Tag vorher mit dem Kindermusical zu Luther begeistert hatte.

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