„Zukunft Pflege“: Die Personalsituation spitzt sich zu

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ARCHIV - Eine Bewohnerin der Seniorenwohnanlage Ludwigstift bekommt am 11.02.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) den Blutdruck
ARCHIV - Eine Bewohnerin der Seniorenwohnanlage Ludwigstift bekommt am 11.02.2015 in Stuttgart (Baden-Württemberg) den Blutdruck gemessen. (Foto: archiv Marijan Murat/dpa)
Schwäbische Zeitung

Zum sechsten Mal haben Landrat Lothar Wölfle und Sozialdezernent Ignaz Wetzel Fachleute aus stationären Einrichtungen zur Heimkonferenz ins Landratsamt Bodenseekreis eingeladen. Ein Hauptthema war die Personalsituation in der pflegerischen Versorgung, wie das Landratsamt mitteilt.

„Wir haben eine gute stationäre Versorgung im Bodenseekreis, sowohl was die Qualität als auch die Anzahl der Pflegeplätze angeht“, stellte Wetzel fest. Besorgt sei er aber wegen des drohenden Fachkräftemangels, der im Bodenseekreis wie andernorts auch in Anfängen bereits spürbar sei. In der Heimkonferenz vereinbarten die Behörden des Landkreises daher Maßnahmen, um neue Pflegekräfte zu gewinnen und die bereits Pflegenden gesund zu erhalten.

Die Grundlage für die Diskussion lieferten Achim Lange von der Heimaufsicht und Wiltrud Bolien von der Sozialplanung des Landkreises. Lange konstatierte: „Im Bodenseekreis gibt es aktuell ausreichend stationäre Dauerpflegeplätze. Allerdings hören wir bei unseren Begehungen immer häufiger von einer angespannten Personalsituation, insbesondere, wenn Stellen neu besetzt werden sollen.“ Die Kreispflegeplanung weise darüber hinaus für den Zeitraum bis 2025 einen steigenden Bedarf an Heimplätzen aus, ergänzte Wiltrud Bolien. „Dies zieht auch einen steigenden Personalbedarf nach sich.“ Umso wichtiger sei es, jetzt Menschen für Pflegeberufe zu interessieren, um den Bedarf an Nachwuchskräften zu decken.

Bolien stellte dazu die Pläne für eine Ausbildungsoffensive vor, mit der im Landkreis bei jungen Menschen für Pflegeberufe geworben werden soll. Mehrere Pflegeanbieter und Ausbildungsinstitutionen haben dazu gemeinsam mit dem Landratsamt eine Projektgruppe „Fachkräftegewinnung“ ins Leben gerufen. Start der Aktivitäten ist am 1. Oktober mit einem Informationstag für Schülerinnen und Schüler unter dem Motto „Zukunft Pflege – ein Beruf mit Sinn. Auch für dich?“.

Landrat Lothar Wölfle unterstützt diese gemeinsame Initiative ausdrücklich: „Es ist unser großes Anliegen, die Pflegezukunft im Bodenseekreis zusammen mit den Pflegeanbietern zu gestalten und sicherzustellen. Dabei müssen zum einen natürlich die Bedürfnisse der pflegebedürftigen Menschen im Mittelpunkt stehen.“ Aber auch die in der Pflege Beschäftigten müssten besonders in den Blick genommen werden, so der Landrat.

„Die Kooperation hier im Bodenseekreis ist bundesweit einzigartig. Zusammen mit den Heimen sind alle versammelt, die sich sowohl für gute Pflege als auch für gesunde Pflegende einsetzen. Beides gehört zusammen.“, sagte Erhard Weiß von der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Als neuer Partner war auch die AOK bei der Heimkonferenz dabei. Gemeinsam mit der BGW und der Unfallkasse Baden-Württemberg (UKBW) hat die Krankenkasse ein neues Angebot für den Landkreis entwickelt. Armin Briesemeister von der AOK Bodensee-Oberschwaben und Karin Töpsch für die Unfallversicherungsträger warben für einen Strategietag „Gesunde Führung“, in dem Führungskräfte eine Standortbestimmung ihrer Einrichtung vornehmen können, aber auch Unterstützung bei der Ausübung ihrer Führungsaufgabe erfahren: „Führungskräfte tragen Verantwortung für gesundes und sicheres Arbeiten, gestalten Arbeitsverhältnisse mit und sind – gewollt oder ungewollt – Vorbild für ihre Mitarbeitenden“. Solch ein Strategietag im Unternehmen könne ein Startpunkt für mehr Gesundheit bei den Beschäftigten sein, heißt es weiter.

Neue Qualitätsprüfungen

Neben der Situation der Pflegenden widmete sich die Heimkonferenz auch der Pflegequalität. Eine Neuerung stellte Waltraud Hannes vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) Baden-Württemberg vor. Der MDK überprüft einmal jährlich die Pflegequalität in jedem Pflegeheim. Ab November erfolgt dies in der stationären Pflege nach einer neuen Qualitätsprüfungsrichtlinie, heißt es in der Pressemitteilung des Landratsamtes. Die MDK-Prüfungen heben dann stärker auf die Prüfung der Versorgungsqualität ab, Fragestellungen der Dokumentation treten im Vergleich dazu in den Hintergrund. „Unsere Qualitätsprüfungen bilden eine Einheit aus Prüfung, Beratung und Empfehlung von Maßnahmen zur Qualitätsverbesserung“, betonte Hannes. „Wir verfolgen damit einen beratungsorientierten Ansatz, der bei Auffälligkeiten auch Lösungsmöglichkeiten aufzeigen kann und die Einrichtungen in der eigenen Weiterentwicklung unterstützt.“ Wichtige Bestandteile des Ansatzes seien daher das Fachgespräch mit den Pflegekräften und das Abschlussgespräch mit der Leitung. Die Prüfer beurteilen darüber hinaus anhand einer Stichprobe die Versorgungssituation der Bewohner. Sie achten dabei unter anderem auf Maßnahmen zur Unterstützung bei Mobilität und Selbstversorgung, bei der Bewältigung von krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie bei der Gestaltung des Alltagslebens und der sozialen Kontakte.

Die jährlichen Heimkonferenzen im Bodenseekreis sind Teil einer Kooperation der Aufsichtsbehörden des Landkreises mit den Unfallversicherungsträgern und dem Medizinischen Dienst. Seit Ende 2013 arbeiten im Bodenseekreis alle betroffenen Institutionen zusammen, um die Versorgung weiterzuentwickeln.

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