Gunnar M. Flotow

Mit 1500 Gästen aus Automobilindustrie, Wirtschaft und Gesellschaft hat die ZF Friedrichshafen AG am Mittwochabend ihren 100. Geburtstag gefeiert. Es wurden nicht nur Glückwünsche formuliert, sondern auch Forderungen an die Politik. Die war übrigens nicht hochrangig vertreten, weil die Bundesregierung die Ministerpräsidenten zu einem Treffen nach Berlin eingeladen hatte.

Stefan Sommer, Vorstandsvorsitzender des Unternehmens, blickte beim großen Festakt nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft. Er stellte in seiner Ansprache klar, dass ZF auch 100 Jahre nach der Gründung immer noch von dem Anspruch geleitet wird, „neue Technologien zu erfinden und bekannte zu verfeinern“. Mit Zahnrädern und Getrieben wolle sich ZF nicht mehr begnügen, vielmehr gehe es um „Hybridisierung, adaptive Dämpfer, Assistenzsysteme, Sensoren sowie Elektromotoren und deren Steuerung. Der Schlüssel für die Anwendung von verschiedenen Komponenten liege in der intelligenten Verknüpfung von Mechanik, Elektronik und Big Data, sagte Sommer.

Natürlich ging der ZF-Chef auch auf den Deal ein, der in den vergangenen zwölf Monaten die Branche elektrisierte – und am 15. Mai endgültig vollzogen wurde: die Übernahme von TRW. „Es ist unsere Aufgabe, unter dem Motto ,The Power of 2’ all jene Bereiche zusammenzuführen, in denen wir schlagkräftiger werden und neue Lösungen für unsere Kunden entwickeln können.“ Mithelfen müsse dabei auch die Politik, ließ der ZF-Chef wissen. Um zum Beispiel den Rückstand bei Batterietechnik oder Digitaltechnik auf die USA oder China aufzuholen, bedürfe es nicht nur deutschen Erfindergeists, sondern einer Politik, „die die Investitionsbereitschaft in Deutschland stärkt“.

Einer, der immer noch gute Verbindungen in die Politik hat und sicher an einem guten Investitionsklima arbeitet, ist Matthias Wissmann. Der Präsident des Verbands der deutschen Automobilindustrie lobte ZF als „einen Leuchtturm der Innovation“ und unterstrich in seiner Rede die Bedeutung seiner Branche. „Unser gemeinsames Ziel muss es sein, innovative Wertschöpfungsstrukturen so zu knüpfen, dass wir dort wachsen, wo unsere Märkte wachsen – und zugleich am Standort Deutschland stark bleiben.“ Wettbewerbsfähigkeit sei weder statischer Zustand noch Selbstläufer. „Die Politik muss wieder verstärkt an den vielen Themen der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Derzeit ist es wohl nicht leicht, politische Mehrheiten dafür zu finden, aber es ist absolut unerlässlich“, betonte Wissmann.

Glückwünsche zum 100. übermittelten auch Aufsichtsrat, Arbeitnehmervertretung und der Eigentümer, die Zeppelin-Stiftung. Giorgio Behr, oberster Aufseher, ließ per Video-Botschaft wissen, dass er die „überdurchschnittliche Identifikation“ von ZF-Mitarbeitern mit ihrem Unternehmen schätzt. Er wünschte ZF „Mut und Kraft, weiterhin vorausschauend zu handeln“. Betriebsratschef Achim Dietrich-Stephan sagte, dass ZF von Menschen geprägt sei, „die ihr Handeln nicht nur am kurzfristigen Erfolg orientieren“ und dankte Generationen von ZF-Mitarbeitern für die tolle Basis, die sie geschaffen haben. Eine klare Ansage schickte Friedrichshafens Oberbürgermeister Andreas Brand über die Großbildleinwand. Er hofft, dass ZF „nicht erst in 100 Jahren die Nummer eins der weltweiten Automobilzuliefererindustrie sein wird“.

Im Journal von Regio TV sehen Sie heute ab 18 Uhr einen Fernsehbeitrag über den ZF-Festakt.

Friedrichshafen (shy) - Am Mittwoch war es genau 100 Jahre her, dass die „Zahnradfabrik Gmbh“ eingetragen wurde im Handelsregister in Tettnang am Bodensee. Deshalb beging die ZF Friedrichshafen AG, wie das Unternehmen heute heißt, auch seinen 100. Geburtstag an einem Tag unter der Woche. Michael Scheyer war bei der Geburtstagsparty in der Häfler Messe mit dabei.
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