Divisionsitz Schweinfurt? Noch sind bei ZF keine Entscheidungen gefallen.
(Foto: Felix Kästle)
Martin Hennings

Fünf große Standorte hat ZF in Deutschland: Friedrichshafen, Dielingen, Saarbrücken, Passau, Schweinfurt. Vier davon sind Sitz einer Division, nur Schweinfurt ist beim Projekt „Go4ZF“, der Reform der Konzernstrukturen, leer ausgegangen. Das könnte sich bald ändern, denn offenbar gibt es Überlegungen, in Unterfranken eine neue Division „Elektromobilität“ anzusiedeln.

Offiziell gibt sich die ZF zugeknöpft: „Am Standort Schweinfurt werden seit 2008 elektrische Maschinen gefertigt. Inwieweit diese Aktivitäten in eine größere Einheit münden und mit anderen Konzern-Aktivitäten im Bereich der Elektromobilität verbunden werden, ist noch nicht entschieden. Dazu braucht es Gremienbeschlüsse, die nicht vorliegen.“ Mehr ist der ZF-Pressestelle nicht zu entlocken.

Gesprächiger waren ZF-Vorstandsmitglied Michael Hankel und der Schweinfurter ZF-Betriebsratschef Oliver Moll offenbar am Montag bei einer Betriebsversammlung am Main, über die die „Mainpost“ berichtet. Demnach will ZF weite Teile seiner Stoßdämpferproduktion aus Kostengründen ins Ausland verlagern. Wohl betroffen: die Standorte Schweinfurt, Ahrweiler und Eitorf. Zumindest für Schweinfurt, wo rund 9000 ZFler arbeiten, sind sich Konzern und Betriebsrat schon über das weitere Vorgehen einig. Dort soll die Dämpferproduktion, in der 1400 Menschen beschäftigt sind, zurückgefahren werden. Es gilt dem Vernehmen nach eine Beschäftigungssicherung bis zum Jahr 2022.

Auch um Arbeitsplätze am Standort zu halten, gibt es wohl die Überlegung, in Schweinfurt eine neu zuschaffende Division Elektromobilität anzusiedeln. Die Konzernleitung habe „Umbau statt Abbau“ versprochen, zitiert die „Mainpost“ Gewerkschafter Moll. In Unterfranken werden unter anderem Elektromotoren für Hybrid-Getriebe gefertigt. Wie man hört, sind auch andere ZF-Standorte an der neuen Division interessiert, darunter Friedrichshafen.

Weil MAN künftig Lkw-Getriebe von Scania kaufen will, wird am Konzernsitz seit längerem überlegt, wie die betroffenen 1200 Stellen zu halten sind. In dem Zusammenhang war oft das Schlagwort „Elektromobilität“ zu hören. Sollte Schweinfurt den Divisionszuschlag erhalten, könnten trotzdem Teile einer künftigen Fertigung von Elektroteilen an den See wandern. Denn am Sitz einer Division müssen nicht zwingend alle Fertigungseinheiten gebündelt werden.

Für Schweinfurt spricht, dass Friedrichshafen (Nutzfahrzeugtechnik), Saarbrücken (Pkw-Antrieb), Dielingen (Pkw-Fahrwerk) und Passau (Industrietechnik) bereits Divisionsstandorte sind.

Betriebsrat begrüßt Einigung

Achim Dietrich-Stephan, Vorsitzender des Gesamt- und des Häfler ZF-Betriebsrats, begrüßte die Einigung in Schweinfurt. „Traditionelle Produktion abzugeben, um neue Produkte am Standort Schweinfurt anzusiedeln, erfordert Mut und Veränderungsbereitschaft.“ Wichtig sei die vereinbarte Beschäftigungssicherung. Diesen „ZF-Weg“ wünsche er sich „auch für andere Standorte, zum Beispiel Friedrichshafen“.

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