Zertifikat für die Rettung bei Herzstillstand

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Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin (links), und Volker Wenzel, Chef
Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin (links), und Volker Wenzel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie, freuen sich über die erfolgreiche Zertifizierung. (Foto: MCB)
Schwäbische Zeitung

Das Herzstillstand-Zentrum am Medizin-Campus Bodensee (MCB) in Friedrichshafen ist als erstes im Südwesten Baden-Württembergs zertifiziert worden, wie die dortige Pressestelle mitteilt. Anhand eines Beispiels zeigen die Verantwortlichen, warum Erste Hilfe bei Herzstillstand so wichtig ist

Alle fünf Minuten bricht in Deutschland ein Mensch zusammen, weil sein Herz aussetzt, berichtet der MCB. Der plötzliche Herztod droht. Ursache ist meist eine koronare Herzkrankheit, bei der eine Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße vorliegt. Rund 75 000 Patienten werden reanimiert, bevor sie in eine Klinik kommen, das sind etwa 40 Prozent aller Fälle.

Externe Auditoren stellten dem Klinikum Friedrichshafen ein exzellentes Zeugnis aus und zertifizierten das „Cardiac Arrest Center“ (Herzstillstand-Zentrum) als erstes im Südwesten Baden-Württembergs. Volker Wenzel, Chefarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin, Notfallmedizin und Schmerztherapie des Klinikums, sowie Jochen Wöhrle, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie, Pneumologie und Intensivmedizin, befassen sich jeweils seit einem Vierteljahrhundert mit der Herzlungen-Wiederbelebung: Wenzel klinisch-wissenschaftlich und Wöhrle als Kardiologie bei der Therapie von Patienten mit Herzstillstand. Diese gemeinsame Expertise und die langjährige alltägliche klinische Praxis im Klinikum Friedrichshafen mit den etablierten Standards fließen im „Cardiac Arrest Center“ zusammen. Die erforderlichen „Zutaten“ fasst Wenzel so zusammen: erfahrenes Personal im Schockraum, ein „rund-um-die-Uhr“ einsatzbereites Herzkatheterlabor, eine Intensivstation, zwei Linksherzkatheterlabore, ein Rettungshubschrauber und ein Notarztwagen.

„Man geht bei 1000 Einwohnern von einer Reanimation pro Jahr aus“, erklärt Wöhrle. Im Bodenseekreis leben rund 215 000 Menschen, dazu kommen ein Teil der Einwohner der angrenzenden Landkreise sowie die vielen Touristen und Urlauber. Am Notfallort erfolgreich reanimierte Patienten werden in das Klinikum Friedrichshafen transportiert und dort analog zu den zahlreichen Standards therapiert, was in einem Überlebensvorteil resultiert.

Von der Etablierung und Zertifizierung des „Cardiac Arrest“-Zentrums am Klinikum Friedrichshafen profitieren laut Mitteilung sowohl die Patienten als auch die Rettungsdienste, weil das Klinikum sich als professionelles Glied in der Rettungs- und Therapiekette nach erfolgreicher vorklinischer Reanimation anbietet, und die Rettungsdienste betroffene Patienten zielsicher in das überprüfbar spezialisierte Krankenhaus zuweisen können. Die Patienten profitieren, weil Fehltransporte zu weniger oder gar nicht spezialisierten Kliniken vermieden werden und damit wertvolle Zeit gespart wird, die von erheblicher prognostischer Bedeutung bezüglich des Überlebens ist.

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