Am König-Wihlem-Platz entsteht ein Museumshaus. (Foto: Felix Kästle)
Anton Fuchsloch
Redakteur

Die Idee, ein Haus im Zeppelindorf in einen möglichst authentischen Zustand zu versetzen und als Museums-, beziehungsweise Schauhaus der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, gibt es schon lange. Am König-Wilhelm-Platz 12 ist es nun bald so weit. Ein Reihenhaus aus dem Jahr 1916 wird derzeit von Grund auf saniert. Zur 100-Jahr-Feier der Zeppelin Wohlfahrt GmbH am 7./8. September 2013 soll es fertiggestellt sein.

Rund 260 000 Euro investiert die Zeppelin Wohlfahrt in das Projekt. 40 000 Euro schießt der Bund zu, weitere 40 000 Euro kommen von der Stiftung Denkmalschutz und von der Landesdenkmalpflege rund 30000 Euro. Für die Ausgestaltung der Schauräume und das museumspädagogische Konzept ist Heike Vogel, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Zeppelin Museums, verantwortlich. Sie hat sich intensiv mit der Geschichte des Zeppelindorfs beschäftigt und 1997 anlässlich einer Ausstellung ein Buch darüber verfasst.

Schon damals habe sie zusammen mit der Zeppelin Wohlfahrt nach einem Haus Ausschau gehalten, das baulich weitgehend im Originalzustand erhalten geblieben war. „So viele gibt es nicht“, sagt Vogel, denn im Lauf von fast 100 Jahren sei überall etwas dazugebaut, verändert, erweitert worden. Das Haus König-Wilhelm-Platz 12 sei seit seiner Fertigstellung 1916 von einer Familie bewohnt worden. Als die letzte Mieterin 2009 verstarb, habe es die Zeppelin Wohlfahrt nicht mehr auf den Markt gebracht, sondern für ein Museumshaus zurückbehalten.

Was sich bald als glückliche Entscheidung herausstellte. Die originale Einrichtung der Spülküche mit Spülstein war noch vorhanden, sagt Vogel. Unter Tapeten kam die ursprüngliche Wandfarbe zu Tage, und die Fenster stammten aus den Jahren vor dem Krieg. Eine originale Haustür, ein Herd, eine Bank und andere alte Einrichtungsgegenstände kamen bei der Sanierung anderer Häuser zu Tage und wurden von der Zeppelin Wohlfahrt aufbewahrt. Bei dem Stiftungsunternehmen sieht man sich der Geschichte verpflichtet, wie Geschäftsführer Jörg Bischof sagt, zumal das ganze Zeppelindorf seit 1991 unter Denkmalschutz steht.

Die Zimmer erhalten zwar ihre alten Farbanstriche, doch werden sogenannte Zeitfenster freigehalten, durch die der Besucher die Wandverkleidungen der verschiedenen Epochen sehen kann. Durch Möbelstücke aus den 50er- und 70er-Jahren soll gezeigt werden, wie sich Stil und Geschmack veränderte.

Was mit dem rund 800 Quadratmeter großen Garten geschieht, bleibt noch offen. Er diente den Bewohnern ursprünglich zur Selbstversorgung. Obst und Gemüse wurden hier angebaut, aber auch Futter für die Tiere. Im rückwärtigen Teil des Hauses befindet sich nämlich ein Stall für Ziegen, Schweine und Hühner. Eine Tierhaltung zu Museumszwecken wird wohl kaum möglich sein, und ein so großer Nutzgarten braucht regelmäßige Pflege.

Das Dachgeschoss des Hauses, in dem nur ein Zimmer für Kinder ausgebaut war, wird zu einem Ausstellungsraum. Hier soll die Geschichte der Familie Zeller/Theiss, die hier fast 100 Jahre gelebt hat, dokumentiert werden. Außerdem gibt es Schautafeln und Fotos zur Geschichte der Zeppelin Wohlfahrt, zur Stadt- und Industriegeschichte sowie Vitrinen, in denen die unterschiedlichen Hausmodelle im Zeppelindorf gezeigt werden.

Das Zeppelindorf wurde nach Plänen der Stuttgarter Architekten Paul Bonatz und Friedrich Eugen Scholer zwischen 1914 und 1919 von der Zeppelin Wohlfahrt GmbH errichtet. Die Siedlung bestand aus Einzel-, Doppel- und Reihenhäusern mit großen Gärten; die zur Selbstversorgung und Kleintierhaltung dienten. Durch die Verbindungsstraße war das Dorf an das Zeppelin-Werftgelände angeschlossen. Am Dorfplatz gegenüber vom Gasthof „Dorfkrug“ befand sich die "Konsum-Anstalt", die Artikel für den täglichen Bedarf bereithielt. In unmittelbarer Nähe war auch die Zeppelin-Metzgerei mit Schlachthaus beheimatet. Die Anlage steht seit Mai 1991 unter Denkmalschutz. Sie umfasst heute 33 Einzelhäuser sowie 79 Reihen- und Doppelhäuser. (af)

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen