Vom Zeppelin aus erspäht Flugbegleiter Dietmar Beulke den 40 mal 100 Meter großen Ölteppich auf dem Bodensee.
Vom Zeppelin aus erspäht Flugbegleiter Dietmar Beulke den 40 mal 100 Meter großen Ölteppich auf dem Bodensee. (Foto: Dietmar Beulke)
Schwäbische Zeitung
Larissa Rusche

Aufregender als erwartet war ein 60-minütiger „Mainau-Rundflug“ am Sonntag für Fluggäste und Crew: Etwa einen Kilometer vor dem Strandbad „Hörnle“ in Konstanz sichtete Flugbegleiter Dietmar Beulke einen etwa 40 mal 100 Meter großen Ölfleck auf dem Bodensee.

„Normalerweise sehen wir gerade vor der Insel Mainau nur massenweise Pollen auf dem See,“ sagte Katharine Board, Pilotin des Zeppelins. Öl oder andere Verschmutzungen habe sie sonst noch nie gesehen.

Das einzige, was sie einmal melden musste, waren herzförmige Heliumballons, die in die Flugbahn geraten waren. Der Bodensee sei dank der strengen Kontrollen immer sehr sauber und klar, betont die Pilotin. Genau darum sei dem Flugbegleiter das Öl auch direkt aufgefallen.

Nach der Entdeckung des Flecks informierte Board sofort den zuständigen Tower. Dieser gab die geografischen Daten an die Wasserschutzpolizei Konstanz weiter.

Umweg für die Polizei

Ein Ölfleck ist aus der Luft allerdings leichter zu sehen als vom Boden aus, also bat die Polizei Board um Unterstützung. „Wir waren gerade in der Luft auf dem Meersburg-Flug, als der Tower anrief und fragte, ob wir die Polizei zum Ölfleck lotsen könnten.“ Auf dieser Route überfliegt der Zeppelin den Fundort des Ölfleckes nicht, doch da genug Treibstoff im Tank des Zeppelins war, machte Board einen kleinen Umweg. Für die Fluggäste wäre es ein kleines Extra gewesen, da der Flug eigentlich kürzer sei.

„Ich hatte den Eindruck, dass die Polizei die Angelegenheit so schnell wie möglich klären und den See sofort reinigen wollte. Außerdem war es ein schönes Gefühl, zu helfen und mit dafür zu sorgen, dass der Bodensee sauber bleibt“, erklärt sie.

Die Polizei beschrieb den Ölfleck als ungefährlich. Es sei von keinerlei Gefährdung für Seebewohner oder Trinkwasser auszugehen. Für Board war es dennoch eine traurige Entdeckung: „Ich war überrascht, als ich den Fleck gesehen habe. Hoffentlich war es nicht vorsätzlich. Ich wäre sehr enttäuscht, wenn jemand den See absichtlich verschmutzen würde.“

Bei ihrem nächsten Mainau-Rundflug gegen 18 Uhr war der Ölfleck bereits verschwunden. „Glücklicherweise war der Fleck sehr dünn“, erklärt Roland Fleischer, Sprecher der Wasserschutzpolizei Göppingen. Er habe sich von selbst aufgelöst. Natürlich sei die Polizei wegen dieses Umstands erleichtert, doch diese Tatsache erschwere auch die weiteren Ermittlungen.

Verschmutzungen sind Ausnahme

Zum jetzigen Zeitpunkt gehe die Polizei davon aus, dass es sich um Getriebeöl oder Dieseltreibstoff handele. Wahrscheinlich sei das Öl fahrlässig in den Bodensee geraten. Derartige Verschmutzungen seien überhaupt ein absoluter Ausnahmefall. Fleischer ist nicht bekannt, dass jemand den See schon einmal böswillig in einem solchen Ausmaß verschmutzt habe.

„Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Öl bewusst in den See geleitet wurde, kann dem Umweltverschmutzer eine Geldstrafe drohen. Bei gefährlich großen Mengen Öl kann auch eine Gefängnisstrafe verhängt werden. Über das Strafmaß entscheidet aber der Richter. Kann ein vorsätzliches Umweltdelikt nicht nachgewiesen werden, wird es als fahrlässig behandelt. Meistens werden solche Verfahren dann eingestellt“, sagte Fleischer.

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