Zeppelin-Förderpreise gehen an vier junge Künstler

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Bürgermeister Andreas Köster (rechts) holt die Künstler Maria Hegele, Elisa Jule Braun, Felix Birnbaum und Matthias König (von l
Bürgermeister Andreas Köster (rechts) holt die Künstler Maria Hegele, Elisa Jule Braun, Felix Birnbaum und Matthias König (von links) zur Ehrung auf die Bühne. (Foto: Annette Rösler)
Annette Rösler

Ihre außergewöhnlichen Werke haben zwei Künstler der bildenden Kunst und zwei aus dem Bereich Musik, am Freitagabend im Kiesel in Friedrichshafen präsentiert. Sie wurden dieses Jahr von der Stadt Friedrichshafen mit dem Preis der Zeppelin-Stiftung zur Förderung junger Künstler ausgezeichnet. Bürgermeister Andreas Köster begrüßte die zahlreichen Gäste und dankte den Unterstützern und Mitarbeitern für den Verdienst, „das umfangreiche Kulturangebot der Stadt Friedrichshafen am Leben zu erhalten.“

Die wunderbare Stimme von Mezzosopranistin Maria Hegele, gepaart mit ihrer anmutigen Ausstrahlung, ließ es still im Raum werden. Leicht und beschwingt sang sie zu Beginn zwei Lieder von Wolfgang Amadeus Mozart. Das dunkle Timbre ihrer Stimme und ihre enorme Wendigkeit ließen sich bei „Traum durch die Dämmerung“ und „Heimkehr“ von Richard Strauss erkennen. In ihrer Laudatio sagte Sabine Hermann-Wüster von der Musikschule Friedrichshafen: „Maria Hegele ist außergewöhnlich begabt, sie war die beste Sängerin am Mozarteum in Salzburg und setzt nun ihr Studium an der Opera School des Royal College of Music in London fort. „Wenn ich Kunst sehe, möchte ich, dass der Boden unter meinen Füßen wegsackt. So soll es auch dem Publikum gehen – ich möchte es zum Denken anregen“: Matthias König startete seine Präsentation mit Bildern und Tönen eines Windparks aus dem niederländischen Friesland. Ein originelles Wohnmobil fährt vorbei, laute, schrille Töne erzeugend. Verzerrte Stimmen, Kostümwechsel auf der Bühne, Zeichnungen wie „Männersache“ mit zwei Kampfhähnen, die Snackbar „The Ambassador“, die Menschen aus allen Schichten anzieht, seine Musik, die kurzzeitig die Schmerzgrenze erreicht, dann wieder zum Mitklatschen animiert – fast war man überfordert. „Matthias König präsentiert „die Feier des ausgelassenen Lebens.“, sagte Caroline Wind vom Zeppelin Museum in ihrer Laudatio. „Er will ein neues Licht auf unsere Welt werfen und eröffnet den Kanal der Performance“, erläuterte sie. Matthias König stammt aus Friedrichshafen, hat in Enschede in den Niederlanden studiert und lebt und arbeitet in Den Haag.

Elisa Jule Brauns Videos irritierten. Ein großes Bild zeigt einen Saugroboter, der ständig die gleiche Strecke eines Raumes abfährt. Parallel sieht man auf einem kleinen Video einen gefangenen Ameisenbär, der sein Gehege nach demselben Muster abläuft. Ähnlich die nächsten Bilder, Drohne und Käfigvogel, die auf und ab hüpfen, eine ferngesteuerter Trolley und ein Nashorn im Zoo, die beide ständig den gleichen Weg nehmen. Durch die Eintönigkeit fühlte man sich als Zuschauer erst etwas gelangweilt, dann verstört.

„Elisa Jule Braun stellt Technik und Natur gegenüber. Das gestörte Verhalten der Tiere in Gefangenschaft zeigt die Auswirkungen der immer gleichen Bewegungsmuster, erklärte Laudatorin Caroline Wind. Elisa Jule Braun ist in Meßkirch aufgewachsen und studiert Kunst in Berlin.

Geplant hat sie ein Videoprojekt, das sich mit den Auswirkungen auf Friedrichshafen und dem Bodensee als potenzielles Silicon Valley beschäftigt. „Felix Birnbaum ist ein ,taktvoller’ junger Mann, der mit sportlichen Hochleistungen Geräusche in Musik verwandelt, sechs Stunden täglich übt und immer das Beste gibt“, sagte Laudatorin Sabine Hermann-Wüster über den nächsten Preisträger. Mit blitzschnellen Wirbeln und rasender Geschwindigkeit auf Schlagzeug und Marimba begeisterte er das Publikum.

Felix Birnbaum stammt aus der Region, hat schon als kleines Kind auf den Kochtöpfen seiner Mutter getrommelt und ist seit September an der begehrten Philharmonia Zürich Akademist. Zum Schluss der Präsentationen belohnte das Publikum die jungen Künstler mit großen Beifall. Andreas Köster überreichte den strahlenden Gewinnern ihre Preise und lud zum Stehempfang ein.

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