Zeitfresser am Werk: „Momo“ eröffnet das Seehasenfest

Lesedauer: 6 Min
Lydia Schäfer

Sie ist da und doch kann man sie nicht anfassen, man kann sie nicht festhalten, obwohl sie stets vorbeigeht – und sie ist wertvoll: die Zeit. Um sie dreht sich das Stück „Momo“, dass die Gemeinschaftsschule Graf Soden (GGS), im Graf-Zeppelin-Haus zur Eröffnung aufführte. Oberbürgermeister Andreas Brand bedankte sich für die „wundervolle und einprägsame“ Aufführung, die viel Tiefgang gezeigt habe und machte es offiziell: „Das Seehasenfest ist eröffnet!“

Seehasenpräsident Robert Ackermann begrüßte das Publikum, und Iris Engelmann, Schulleiterin der Gemeinschaftsschule Graf Soden (GGS), sagt zu der Leistung ihrer Schüler und des Kollegiums: „Ich bin sprachlos und das heißt was. Und ich bin stolz und zu Tränen gerührt“. Mehr Lob geht nicht.

Jedes Jahr erstaunt es aufs Neue, was Schule leisten kann. Neben dem normalen Schulbetrieb noch eine Theaterproduktion mit Musik auf die Beine zu stellen, die intensive Probearbeiten erfordern, deren Lieder und Melodien von den Lehrern der Fachschaft Musik komponiert wurde, den Chor einzustimmen, ein Bühnenbild zu entwerfen und selbst zu bauen, wie es hier die Lehrer der GGS gemeinsam gestemmt haben, und das Ganze zu einer runden Geschichte aufzubauen, samt Ton- und Lichttechnik – das zeigt das enorme Engagement der Lehrer und Schüler.

Belohnt werden die Zuschauer mit einem einfühlsamen Spiel, tragenden Kompositionen, lautstarkem Chor und starken Bühnenbildern. Die bunte Welt der Momo, die ihre Freunde in das Land der Fantasie holt, stürmische Zeiten auf hoher See meistert und im Kontrast dazu die fast schon starren Bilder, wenn die grauen Herren über das Schicksal der Menschen beraten, ist eindrucksvoll umgesetzt. Vor über 40 Jahren hat Autor Michael Ende das Stück geschrieben. Durch die modernen „Zeitfresser“ der digitalen Technik ist es aktueller denn je.

OB in einer „Gastrolle“

Lehrer Oliver Dentler, Gesamtleiter der Produktion und sein Kollege Michael Clauss haben das Stück in die heutige Zeit versetzt und dem Ganzen ein wenig Lokalkolorit hinzugefügt. Momo (Lara Apfelbacher) lebt in einer alten Ruine. „Sie war einfach da“, wie Straßenfeger Beppo (Elias Lossin), einmal feststellte. Er, Gigi (Alexander Miller) und Restaurantbesitzer Nino (Paul Schuh) gehören zu Momos Freunden. Sie spielen miteinander, reden miteinander und jeder schüttet sein Herz bei Momo aus, denn sie kann so richtig gut zuhören. Doch die Zeiten ändern sich. Die grauen Herren treten auf. Sie wollen für ihre Zeitsparkasse die wertvolle Zeit der Menschen stehlen. Als erstes ziehen sie den Oberbürgermeister Andreas Brand auf ihre Seite, der natürlich von einem Schüler gespielt wird. Die grauen Herren verstehen es, Menschen zu manipulieren, sie überzeugen sie von der Notwendigkeit, ihre Zeit mit Arbeit zu verbringen und weniger mit Freunden, der Familie oder den eigenen Kindern. Die Kinder werden überschüttet mit modernen Medien, damit die Eltern sich dem hektisch werdenden Alltag widmen können. Nino scheucht die „Alten“ aus seinem Restaurant und will jetzt richtig Kasse machen und Gigi ist Jurymitglied der Castingshow „Gigi sucht den Superstar“ und – wie im richtigen Leben – treten dort Menschen an, um ihre Talente zu zeigen, nur um mit beleidigenden Kommentaren von der Filmbühne komplementiert zu werden. Nur Momo bleibt der Ruhepol auf der Bühne, die letztendlich ihre Freunde rettet und die wertvolle, aber verlorene Zeit, den grauen Herren wieder abluchsen kann.

Momo ist immer noch ein berührendes Stück, und Oliver Dentler und seinem Team gelingt es, die Stärken der Schüler auf der Bühne herauszukitzeln. Akrobatische Einlagen, Zauberei, wunderschön choreographierte Tanzeinlagen – das engagierte Spiel der Schüler und ein eindrucks- und gefühlvoller Sologesang der Schülerin Alberina Jupa verzaubern das Publikum.

250 Schüler haben an dem Werk mitgearbeitet. 14 „Baumeister“ haben die variable Bühne gezimmert, Die Schüler- und die Lehrerband der Schule spielen live bei den Aufführungen, und der Chor der Jahrgangsstufe fünf ist ebenfalls mit dabei.

Viel Arbeit und Detailliebe steckt in der Produktion. Ein Stück, für das man sich in die Zeit nehmen sollte, es sich anzuschauen. Es ist wertvolle Zeit. Versprochen!

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen