Zehn Ehrenamtliche gehen für ihr Engagement mit dem Zeppelin in die Luft

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Schüler, Lehrer und das Betreuungsteam der Grundschule Fischbach haben sich beworben, um Eugen Rainer in die Luft gehen zu lassen. Mit großem Bedauern sehen Groß und Klein dem endenden Berufsleben ihres Hausmeisters entgegen. Der Zeppelinflug war für für sie „eine wunderbare Möglichkeit, Herrn Rainer zu zeigen, wie sehr wir ihn schätzen“. Der scheidende Hausmeister sei die gute Seele der Schule und habe bei allem Stress nie seine gute Laune verloren.

Erna Zoll kümmert sich täglich um ihre behinderte Tochter Sandra. Um dafür „Danke“ zu sagen hat ihre zweite Tochter Jenny sie für den Charity-Flug vorgeschlagen: „Meine Mama ist täglich für meine Schwester da“, berichtete Jenny der „Schwäbischen Zeitung“. Als das Los auf Mama Erna fiel, überraschte Jenny sie mit dem Zeppelin-Flug zu Weihnachten.

Eine Freundin hat Renate Fahr vorgeschlagen, die sich seit vielen Jahren in den unterschiedlichsten Bereichen ehrenamtlich engagiert: Als Lesepatin in der Sprachheilschule Friedrichshafen liest sie, um den Kindern die Freude an der Sprache und Büchern näherzubringen. Zudem absolvierte sie beim Kinderhospizdienst Amalie eine Ausbildung und kümmert sich einmal pro Woche um ein kleines Kind in einer Nachbargemeinde, das vor zwei Jahren seine Mama verloren hat. Außerdem begleitet Renate Fahr für die Kinderstiftung Bodensee bedürftige Kinder und deren Eltern zum Kleidungskauf.

Für ihr Engagement als Ersatzoma stieg Erika Fritz in den Zeppelin. Familie Kohler aus Meckenbeuren wollte „Danke“ sagen für das, was Erika und ihr Mann Bernd in den vergangenen 18 Jahren geleistet haben. Erika Fritz und Annegret Kohler waren Arbeitskolleginnen. Scherzhaft bot sich Erika Fritz der jüngeren Annegret als Ersatzoma für die Kinder an, da sowohl ihre Mutter und ihre Schwiegereltern bereits gestorben und der Vater ein Pflegefall war. Als Annegret Kohler dann Zwillinge erwartete, war sie sich sicher: ein normaler Mensch, der selber Enkel hat, kümmert sich doch nicht freiwillig als Ersatzoma um Zwillinge. Aber Erika und ihr Mann Bernd Fritz standen zu ihrem Wort: „Die beiden sind das Beste, was uns passieren konnte“, erklärt Annegret Kohler aus tiefstem Herzen. „Sie lieben unsere mittlerweile fast 18-jährigen Zwillinge wie ihre eigenen Enkel.“

Ins Rampenlicht gehoben wurde Uta Reinholz von ihrer Tochter Viola: „Neben der Erziehung von sechs Kindern, Haushalt und Arbeit, ging meine Mutter immer kranke und sterbende Menschen besuchen.“ Uta Reinholz baute das Lindauer Hospiz „Haus Brög zum Engel“ mit auf und arbeitete dort 20 Jahre lang als Pflegedienst- und Heimleiterin. Trotz schwerer und schmerzhafter Rheuma-Erkrankung habe sie nie aufgegeben, sei immer für alle da: sei es für ihre sechs Kinder, elf Enkelkinder, ihre Urenkelin, ihre Freunde und für alle, die Hilfe brauchen.

In jungen Jahren bereits hat er als Pastoralreferent mit Herzblut Jugendarbeit gemacht: Konrad Fluhr. In der Lebensmitte war er viele Jahre Klinikseelsorger im Krankenhaus Tettnang. Diese Erfahrungen haben ihn dazu bewogen, vor 25 Jahren eine Hospizgruppe aufzubauen. Aus dieser Gruppe ist ein Hospizverein geworden. Anfang der 90er Jahre reduzierte der fünffache Vater seinen Dienstumfang, um seiner Frau den beruflichen Wiedereinstieg zu ermöglichen. Dass man zu Konrad Fluhr kommen kann, wenn man in Not ist, habe sich inzwischen in Tettnang/Kressbronn und Friedrichshafen herumgesprochen, die Hilfe brauchen. Dafür hat er sich in sein Auto eine mobile Werkstatt eingerichtet.

Die Krankenschwester Claudia Sengenhoff-Neitz betreut ältere und bedürftige Menschen in Kluftern. Zusätzlich kümmert sie sich an sieben Tagen pro Woche um einen Herrn, dessen versicherungstechnischen Verhältnisse eine reguläre Versorgung und Pflege unmöglich machen. Diesen Mann versorgt sie ohne Bezahlung. „Mir hat das Leben mehr Glück und Versorgung gegeben, da will ich etwas zurückgeben“, ist das Credo von Sengenhoff-Neitz. Wenn es der Zustand erlaubt, macht sie auch Ausflüge mit ihm, um ihm etwas Abwechslung zu ermöglichen.

Gelebte Nachbarschaftshilfe ist der Grund, weshalb Susanne Christ ihren Lebensgefährten Robert Welz vorgeschlagen hat. Welz sei die „gute Seele“ der älteren Herrschaften in der Nachbarschaft. Im Winter übernimmt er seit vielen Jahren für alle Nachbarn das Schneeschippen. Welz ist stets zur Stelle: Sei in einer Wohnung der Abfluss verstopft, ein Keller wegen Starkregens überschwemmt oder ein Baum zu fällen. Auch Taxi-Dienste zum Arzt, Renovierarbeiten oder Einkaufen – Robert Welz ist da, wo es klemmt.

„Es gibt Menschen, die vergessen sich selbst. Schwester Baptista Ebenhoch ist so jemand.“ Mit diesen Worten haben Margarethe Bergen, Doris Schwarzkopf und Monika Bartholmeß vom Team der Teestube in Friedrichshafen „ihre Schwester“ für den Zeppelinflug vorgeschlagen. Vor mehr als zehn Jahren gründete die Franziskanerin die Teestube. Zudem ist die Schwester mit ihren 85 Jahren jeden Tag für die Armen der Stadt Friedrichshafen unterwegs.

Auch wenn sie nicht mehr zu Hause wohnt, ist Verena Simmler immer für ihre Mutter da, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt ist. Wenn sie am Wochenende und in den Ferien nach Friedrichshafen kommt, ist die junge Lehrerin gefragt: sie backt, wäscht, kauft ein, kümmert sich um den Garten, fährt die Mutter zu Terminen und erledigt alles, was an Arbeit anfällt. „Für mich ist es ein ganz großes Glück, dass ich eine liebe und fleißige Tochter habe“, lobt Mutter Renate Simmler.

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