Zauberspiegel mit einem zauberhaften Stück

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„Die Schneekönigin“ im digitalen Zeitalter. Mit der modernen Interpretation des Märchens hat die russische Theatergruppe "Zauber
„Die Schneekönigin“ im digitalen Zeitalter. Mit der modernen Interpretation des Märchens hat die russische Theatergruppe "Zauberspiegel" das Schultheaterfestival des Goethe Instituts in St. Petersburg gewonnen. (Foto: Lydia Schäfer)
Lydia Schäfer

Die Theatergruppe Zauberspiegel der St. Petersburger Schule 636 hat Andersens Märchen „Die Schneekönigin“ in einer modernen Interpretation auf die Bühne gebracht. Sie nennen sie auch die Geschichte von Kai und Gerda. Die Gruppe Zauberspiegel führt Stücke auf Russisch, Englisch und Deutsch auf, um über den üblichen Unterricht hinaus Fremdsprachen zu vertiefen. Mit ihrer charmanten und witzigen Inszenierung haben sie die Schneekönigin ins digitale Zeitalter katapultiert.

Die Kerngeschichte ist bekannt: Die Geschwister Gerda und Kai wachsen bei ihrer Großmutter auf. Arm, aber glücklich. Bis das Herz Kais erkaltet und er von der Schneekönigin gefangen gehalten wird. Seine Schwester Gerda macht sich auf, ihn zu suchen, überwindet Hindernisse und schafft es schließlich, ihn zurückzugewinnen. In der Version der russischen Gruppe, wird ein Virus via Handy auf die Menschen übertragen. Auch Kai ist nicht dagegen gewappnet. Er erliegt der Schneekönigin, die ihn mit den modernsten Handys, Tablets, X-Box und Smartphones versorgt. Alles, was das digitale Herz begehrt wird ihm zur Verfügung gestellt. Sein Leben und seine Gedanken drehen sich nur noch um „Pokemon Go“ und wie er das nächste Level erreicht.

Mit animierten Hintergründen auf einer Leinwand wird dem Zuschauer das Umfeld vermittelt: die Wiese, auf der die jungen Menschen weniger nach Schmetterlingen, sondern dem besten Selfie hinterherjagen, der Wald, in dem die Räuber hausen, die ebenfalls dem Handy-Virus erlegen sind oder aber im Palast, in dem auch die Kinder nicht so ganz ohne digitales Spiel auskommen. Letztendlich kann Gerda ihren Bruder davon überzeugen, dass die reale Welt auch so einiges zu bieten hat. In der Abschlussszene verdeutlichen die Schüler, dass Handys ihre Vorteile haben und man sie nicht gänzlich verteufeln kann. Aber auch, dass eine App keine Schneeballschlacht mit Freunden ersetzt.

Ein charmantes Stück, das die Akteure auf Deutsch vorgetragen haben und das von der Situationskomik lebt. Kichernde Mädchen im Blumenoutfit mit Handy in Glitzerkostümchen oder aber „böse“ Räuber, deren Lebensinhalt darin besteht, Figuren auf dem Handy zu jagen, sorgten für Szenenapplaus. Ihnen gegenüber steht die „veraltete“ Welt von Gerda und Kai, die digitallos im Alltag mit der Großmutter spielen. Diese sich gegenüberstehenden Kontraste verschmelzen am Ende zu einem homogenen Bild. Denn, wenn man ehrlich ist – so ganz ohne Handy geht es heute nicht mehr.

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