Angekommen – doch wie geht es weiter? Zum Amt zu gehen und sich Hilfe zu holen, ist für Flüchtlingsfamilien nicht selbstverstän
Angekommen – doch wie geht es weiter? Zum Amt zu gehen und sich Hilfe zu holen, ist für Flüchtlingsfamilien nicht selbstverständlich. Das Archivbild zeigt ein Begegnungsfest in Kressbronn. (Foto: Siegfried Großkopf)
Siegfried Großkopf

Der Bodenseekreis muss sich mit seiner Unterstützung in Sachen Kindertagesbetreuung nicht verstecken. Das wurde am Montag in den Ausschüssen für Soziales und Gesundheit sowie im Jugendhilfeausschuss des Kreistags deutlich.

Wie die Vertreterinnen von Caritasverband Bodensee-Oberschwaben und des Dekanats Linzgau am Montag über die Arbeit in den Psychologischen Beratungsstellen Friedrichshafen und Überlingen berichteten, scheuen sich allein Menschen mit Flüchtlingshintergrund, selbständig zu ihnen zu kommen.

Damit sich nicht Missbrauchsfälle wie in Stauffen entwickeln, appellierte Landrat Lothar Wölfle an Ämter und Mitarbeiter, „in besonderer Weise aufmerksam zu sein“, um eventuelle Schwachstellen frühzeitig zu erkennen und Katastrophen gar nicht erst entstehen zu lassen. Hintergrund der Diskussion ist der Fall eines Missbrauchsverdachts gegen den Vater seines sechsjährigen Mädchens, der lange beim Gericht liegt und nicht zeitnah aufgeklärt wird.

Viel Arbeit im Jugendamt

Sowohl den Hilfsorganisationen als auch dem Kreisjugendamt machen die Flüchtlingsfamilien viel Arbeit. Religiöse Vorbehalte gegenüber der Caritas gibt es im Dekanat Linzgau nicht. Zwar hingen bei ihnen „keine Kreuze an den Wänden“, als Hilfsorganisation mit den Schwerpunkten Trennung und Scheidung sei man aber über alle religiöse Unterschiede im Bilde. Viel Arbeit mit Flüchtlingsfamilien hat man im Jugendamt, wie dessen Leiterin Simone Schilling erlebt. Gegenüber dem Amt habe man große Vorbehalte, müsse man die Familien wie ein Lotse an die Hand nehmen.

Zur Quantität und Qualität der Kindertagesbetreuung im Bodenseekreis sagte Barbara Horneffer von der im September 2017 eingerichteten Fachstelle (mit einem Stellenumfang von 60 Prozent), dass sich die Zahl der Geburten von 2013 bis 2017 im Kreis um 16,3 Prozent erhöht hat. Der Anstieg von 2015 auf 2016 betrug allein 7,2 Prozent. Der Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung ab dem ersten Lebensjahr besteht seit 2013.

Die Zahl der betreuten Kinder in Tageseinrichtungen unter drei Jahren hat sich sukzessive von 2013 bis 2017 um 23,3 Prozent erhöht. Auch die Zahl der betreuten Kinder über drei Jahren ist in diesem Zeitraum um 5,6 Prozent gestiegen. Auch als Folge der steigenden Inanspruchnahme von Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren, die dann in der Regel direkt mit dem dritten Geburtstag in eine Tageseinrichtung wechseln, zusätzlich zu den Kindern, die mit drei Jahren erstmals in einer Einrichtung betreut werden.

Insgesamt stieg im Bodenseekreis die Zahl der betreuten Kinder in Tageseinrichtungen zwischen 2013 und 2017 um 8,6 Prozent. Die Zahl der Tageseinrichtungen hat sich in diesem Zeitraum um elf Einrichtungen erhöht, die Anzahl der Gruppen um 58. Die Zahl der Betreuungsplätze stieg um 729 Plätze. Im Jahr 2017 wurden 643 Kinder mehr betreut als 2013.

Zwischen den genehmigten Plätzen und den betreuten Kindern gibt es eine Differenz von 1298 nicht belegten Plätzen.

Danach sind nicht alle Tageseinrichtungen im Bodenseekreis voll belegt. Im Jahr 2017 wurden im Kreis insgesamt 208 Kinder in Kindertagespflege betreut. 94 Kinder sind über drei Jahre (45,20 Prozent) und 114 Kinder unter drei Jahre alt (54,8 Prozent). Dies entspricht einer Zunahme von 9,6 Prozent bei den Kindern unter drei Jahren.

Den Abwärtstrend in der Kindertagespflege gibt es seit 2013. Damals wurden noch 293 Kinder in der Kindertagespflege betreut. 2014 waren es noch 250, 2015: 223 und 2016: 262. Betreute Kinder in Tageseinrichtungen bis zum Schuleintritt gab es 2017 im Kreis 8092.

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