„Yôkoso“: Japan-Zeppelin kehrt stückchenweise heim

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Schwäbische Zeitung

„Yôkoso“ ist Japanisch und heißt „Willkommen“. Als der Zeppelin NT ins Land der aufgehenden Sonne aufbrach, trug er den verheißungsvollen Namen „Yôkoso Japan“. Jetzt, sechs Jahre später, kehrt das Luftschiff in die Gegend heim, an deren Himmel es seine ersten Runden drehte und nach der es ursprünglich benannt worden war: an den „Bodensee“. „Die Japaner haben den Flugbetrieb im Mai eingestellt, und wir haben den Zeppelin zurück gekauft“, sagt dazu ZLT-Geschäftsführer Thomas Brandt. Was das Luftschiff, das am 2. März 2004 für sieben Millionen Euro an die Nippon Airship Corporation (NAC) verkauft worden ist, seine Firma gekostet hat, will er zwar nicht verraten. Aber: „Es war günstig.“

Klingt nach Schnäppchen. Das wollte und konnte die ZLT nur machen, weil sich das Geschäft für das japanische Unternehmen, das den Zeppelin anfangs für Werbeflüge und Sondermissionen nutzte und 2007 auch die Genehmigung für den Passagierbetrieb erhielt, nicht mehr lohnte. Thomas Brandt nennt zwei Gründe für die Pleite: Da die weltweite Wirtschaftskrise Japan besonders stark getroffen hat, habe die NAC zum einen keine Werbepartner mehr gefunden. Und zum anderen: „Der Zeppelin muss in ein Gesamtkonzept eingebaut werden. Das ist den Japanern nicht gelungen.“ So habe sich beispielsweise der Landeplatz eine Stunde außerhalb Tokios befunden – ein zu weiter Weg für potenzielle Fluggäste. Zudem hatte das Luftschiff kein Dach über dem Kopf: Eine Halle, in der Wartungsarbeiten vorgenommen werden konnten, sei zwei bis drei Tagesreisen entfernt im Süden des Landes gewesen.

Die Folge: 15 Japaner und vier ZLT-Mitarbeiter zerlegten den Zeppelin innerhalb von drei Tagen. Und das geschah, wie Geschäftsführer Brandt betont, „erstmals auf freiem Feld“. Von Juli bis November waren die Teile erst drei Wochen lang mit dem Schiff von Yokohama nach Hamburg unterwegs und fanden dann per Lastwagen nach und nach in den Hangar in Friedrichshafen zurück. Gondel und Leitwerke kommen ob ihrer Größe in zwei Wochen nach.

Neue Struktur, neue Hülle

Zurzeit wird das Puzzle, das ein Luftschiff war, inspiziert. Im Anschluss heißt es: Aufbauarbeit leisten. Zwischen Juli 2011 und Mai 2012 wird der Zeppelin zusammengesetzt, allerdings nicht wie er vorher war. „Er bekommt eine neue Struktur, eine neue Hülle, und wir nehmen technische Verbesserungen vor, so dass wir am Ende ein hochwertigeres Schiff haben“, erklärt der ZLT-Chef. Unter anderem wird der Zeppelin 4oo Kilogramm mehr tragen können, was für den Passagierbetrieb, aber auch für Sondermissionen bedeutend ist.

Für Letzteres soll der zweite Zeppelin vor allem eingesetzt werden. „Wir haben so viele Anfragen, die sind mit unserem einen Luftschiff gar nicht mehr abzuarbeiten“, sagt Thomas Brandt. Ein Job, der bereits fest steht, wird den Neuen zum Beispiel im Auftrag des Forschungszentrums Jülich mehrere Monate lang zum Zwecke der Klima-Analyse bis nach Finnland und Italien führen. Das Fazit des ZLT-Chefs lautet deshalb: „Das ist natürlich eine positive Sache.“ Einzige kleine Einschränkung: „Es ist auch traurig. Denn es war spannend, einen Zeppelin in Japan zu haben.“

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