Sind glücklich, in Friedrichshafen eine zweite Heimat gefunden zu haben: Arnaud und Valentine Vincent zusammen mit Sohn Arthur –
Sind glücklich, in Friedrichshafen eine zweite Heimat gefunden zu haben: Arnaud und Valentine Vincent zusammen mit Sohn Arthur – hier vor ihrem Haus im Schreieneschgebiet. (Foto: big)
Schwäbische Zeitung
Brigitte Geiselhart

Menschen aus rund 120 Nationen leben laut aktueller Statistik in Friedrichshafen und tragen zur kulturellen Vielfalt in unserer Stadt bei. Viele von ihnen sind längst am See zu Hause und identifizieren sich mit ihrer neuen Heimatstadt. In unserer Serie „Häfler aus aller Welt“ stellen wir Männer und Frauen vor, die uns an ihrem Lebensweg teilhaben lassen und erzählen, warum sie sich im Hafen so wohlfühlen. Heute: ein junges Paar aus Frankreich, das eigentlich nur ein paar Jahre bleiben wollte.

Ein wenig Auslandserfahrung zu sammeln, Land und Leute kennenzulernen, sich dabei auch beruflich weiterzuentwickeln – wem könnte das nicht gefallen. Vor allem, wenn man jung ist. Dieser Herausforderung wollten sich auch Valentine und Arnaud Vincent stellen, als sie sich entschlossen, für eine Zeit nach Friedrichshafen zu kommen. „Wenn man die Chance bekommt, in der ZF arbeiten und am schönen Bodensee leben zu dürfen, dann sollte man diese auch nutzen“, dachte sich das junge Paar, das zunächst in Waggershausen eine Wohnung bezog. „Vielleicht werden fünf Jahre daraus? Mal sehen.“ Das war im Jahr 2006. Inzwischen hat sich für die beiden Franzosen vieles, wenn nicht alles verändert. Sie haben im Hafen Wurzeln geschlagen. „Nein, wir wollen nicht mehr weg, dazu gefällt es uns viel zu gut. Wir durften hier eine zweite Heimat finden“, sagt die 33-jährige Valentine Vincent heute. Vor sechs Jahren haben ihr Mann und sie im Schreieneschgebiet ein Haus aus den 1950ern gekauft, es mit viel Eigeninitiative grundlegend saniert und umgebaut. Ein Jahr später wurde geheiratet und 2016 kam Söhnchen Arthur auf die Welt.

Sie kommt aus Sarreguemines in Lothringen, er aus Soisy in der Nähe von Paris. Beide studierten zunächst in Paris – sie Maschinenbau, er Fahrzeugtechnik. Kennen und lieben gelernt haben sich Valentine und Arnaud allerdings erst, als sie an der Hochschule Esslingen ihr Studium zum Abschluss brachten. Doch wie würden sie sich in der Bodenseestadt zurechtfinden? Noch nicht perfekt deutsch zu sprechen, wenig Leute zu kennen – Sorgen, die sich für Valentine und Arnaud Vincent schnell in Luft aufgelöst haben. „Wir haben inzwischen so viele Freunde gefunden, treiben aktiv Volleyball in der ZF-Gruppe des TSV Fischbach oder klettern in der DAV-Halle, privat und beruflich passt alles“, verraten die beiden. Dass Arnaud und seine Hobby-Mannschaft bei der ersten Auflage der Stadtmeisterschaft im Beachvolleyball vor zwei Jahren als Sieger hervorgingen, darauf ist er mit Recht stolz. Glücklich ist seine Frau darüber, dass ihr kleiner Arthur seit ein paar Monaten einen Platz im Kinderhaus Habakuk in der nahe gelegenen Kitzenwiese gefunden hat und sie sich nach dem Ende ihrer Babypause dem beruflichen Wiedereinstieg widmen konnte. Und wie klappt eigentlich die Sache mit der Sprache? Wenn man hört, dass Valentine sich mittlerweile einen charmanten, leicht schwäbischen Akzent zugelegt hat, ist diese Frage wohl überflüssig geworden. In einer ruhigen und doch stadtnahen Lage mit guter Infrastruktur zu wohnen, das ist nur die eine Seite der Medaille. „Unser Wohngebiet ist so etwas wie eine grüne Insel, mit einer Art von ganz speziellem ‚Dorfleben‘, das mir so gut gefällt“, erzählt Valentine Vincent. Vor allem die gutnachbarschaftlichen Beziehungen seien ein ganz wichtiger Aspekt. „Wir sind ganz selbstverständlich aufgenommen worden, haben sofort dazugehört, fühlen uns aufgehoben, kennen jeden in der Straße und haben zu allen Leuten freundschaftlichen Kontakt“, sagt sie, um lachend hinzuzufügen: „Wenn mir mal die Butter ausgehen sollte, würde mir jeder Nachbar sofort aushelfen. Ich könnte mir sogar die Marke aussuchen.“

Ob unter ihren Bekannten mehr Deutsche oder Franzosen sind? Darüber wird nicht einmal nachgedacht. „Wir mögen einfach die Menschen“, so die schlüssige Begründung. Kirchliche Hochzeit wurde 2013 in der Häfler Columbankirche gefeiert. In diesem Frühjahr wird Sohn Arthur getauft – in Valentine Vincents erster Heimat, Lothringen. Unter den Festgästen werden natürlich auch Freunde aus Friedrichshafen sein.

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