Wo Schuhe schweben und Pudel posieren

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Christoph Dierking

Wenn die Valentinos im Kleinen Zelt auftreten, ist es für sie ein Heimspiel: Denn das Zelt ist ihr eigenes. Vor 15 Jahren hatten sich die Veranstalter des Kulturufers bei der Familie gemeldet, weil sie noch ein Zelt brauchten. Hieraus entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit. Die Valentinos kommen jedes Jahr an den Bodensee. Am Sonntag hieß es wieder: Manege frei für den „Familienvarieté Lachmittag“.

Trotz der Hitze sind viele Menschen ins Zelt gekommen, vor allem Familien mit kleinen Kindern. Einige haben einen Fächer dabei. Wer keinen hat, wedelt sich mit dem Programmheft frische Luft zu. Und dann geht es los: Valentino, der durch das Programm führt, begrüßt seine Gäste. „Weltweit gibt es nur vier Schwarze Theater“, erzählt er. In New York, Paris und Prag. Und heute auch in Friedrichshafen.

Atemberaubende Illusionen

Eine in Schwarz gekleidete Frau präsentiert sich dem Publikum. Nur ihre Clownsmaske, die blauen Handschuhe und die Schuhe mit den rosafarbenen Streifen erstrahlen im Scheinwerferlicht. Dann geht das Licht aus und die Frau wird vor dem schwarzen Hintergrund unsichtbar. Bis auf Maske, Handschuhe und Schuhe ist nichts mehr zu sehen. Plötzlich wandert der eine Handschuh ganz nach links, der andere nach rechts. Die Darstellerin kann unmöglich die Arme so weit ausbreiten. Die Illusionen, die sie auf mysteriöse Art und Weise erzeugt, sind beeindruckend. Mal schweben die Schuhe über der Maske umher. Mal ruhen sie zwischen Maske und Handschuhen. Die Kinder schauen fasziniert zu.

Maja Reznicek balanciert Weingläser auf einem Messer, das sie mit dem Mund festhält. Und nicht nur das: Ein Weinglas stellt sie auf ein kleines Katapult, das vor ihr auf dem Boden steht. Dann löst sie den Mechanismus aus, das Glas wirbelt durch die Luft und landet auf der Messerklinge. Als ob es ein Eigenleben entwickelt hat.

Quicklebendig sind die Hunde, die Corinna Reznicek mit auf die Bühne bringt. Sie laufen auf den Hinterpfoten, springen durch Reifen und machen Turnübungen. Gemeinsam mit ihrer Dompteurin. Zur Belohnung gibt es Leckerlis. „Die Hunde sind auf mich fixiert“, verrät Reznicek nach der Show. Das Publikum würden sie kaum wahrnehmen. Anders verhält es sich mit Diego, einem riesigen Kater, der auf einer schmalen Planke balanciert. Dem Tier ist anzumerken, dass es sensibler auf die vielen Menschen reagiert. Seine Kunststücke meistert Diego trotzdem mit Bravour.

Eine Frau, zehn Reifen

Corinna Reznicek ist nicht nur Dompteurin, sondern auch eine Meisterin der Hula-Hoop-Reifen. Es spielt keine Rolle, ob sie auf einem Bein steht, mit dem Rücken auf dem Boden liegt oder seilspringt: Souverän lässt sie die Reifen um Arme, Beine oder auch um den Hals kreisen. Aus den Lautsprechern tönt die Melodie von „It’s a Sin“. Als Valentino der Artistin einen Reifen nach dem anderen zuwirft, erreicht die Stimmung im Zelt ihren Höhepunkt. Am Ende sind es zehn Reifen, die wie Satelliten um ihren Körper kreisen.

Nach einer Stunde ist die Show vorbei. Die Valentinos stehen am Ausgang und verabschieden sich persönlich von ihren Gästen. Mit Handschlag. Sie sind immer wieder gerne am Kulturufer. „Das Besondere ist die familiäre Atmosphäre“ – da sind sich die Künstler einig.

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