Knietief in der amerikanischen Musiktradition: Quiet Lane.
Knietief in der amerikanischen Musiktradition: Quiet Lane. (Foto: Harald Ruppert)

„Ich sage euch jetzt eine Wahrheit: Wir werden alle wir unsere Väter.“ Jakob Bruckner muss lachen. Und erzählt, dass mittlerweile auch er, wie sein Vater, tief in Gedanken versunken ist. Wer ihm eine Frage stellt, bekommt etwa drei Minuten später eine Antwort darauf. Bei seinem Vater habe ihn das immer aufgeregt. Aber jetzt…

In Sekundenschnelle wickelt die Band Bruckner das groß und größer werdende Laufpublikum vor der Musikmuschel um den Finger. Das Quartett schaut gelassen aufs Leben und insbesondere auf Familienangelegenheiten: Wäre es anders, gäbe es Bruckner nicht, denn Jakob Bruckner und sein Bruder Matti sind Brüder und der Kern der Band. Im letzten Jahr haben sie eine irrsinnige Weltreise gemacht, sind 60 000 Kilometer zusammen im Auto gefahren. Eine Brüder-Freundschaft, die sowas überlebt, bringt nichts mehr aus der Spur. Verewigt haben sie ihr Verhältnis denn auch in einem Lied: „Wenn ich hinter uns blicke, liegt da unendlich viel Streit. Mussten unseren Weg finden; jetzt ist das vorbei.“

Bruckner rollen ihren Pop so mühelos ab, wie unsereiner ein- und ausatmet. Verspannungsfrei, unprätentiös, am wahren Leben orientiert sind ihre Lieder. Kein Wunder, dass Gregor Meyle sie regelmäßig als Vorband engagiert – wie beim Kulturufer 2017 im großen Zelt. Die Melodien schütteln Bruckner aus dem Ärmel. Matti pfeift ein Motiv, aus dem andere einen ganzen Song stricken würden – und belässt es dabei. Mit Bruckner hat das Jugendzentrum Molke am Samstag seinen ersten Coup bei diesem Kulturufer gelandet.

Aber auch die erste Band des Tages hat es in sich: Das Quartett Quiet Lane verbindet den zweistimmigen Gesang der Everly Brothers mit Country, Folk und Gospel. Akustische Gitarren, Banjo, Mandoline und sogar eine waschechte Lapsteel-Gitarre verankert die Songs von Quiet Lane ganz tief in der amerikanischen Musiktradition. Kein Wunder, dass sogar ein Coversong von Hank Williams im Programm ist.

Nach Staub, nach Steppe, nach schwerwiegenden Erfahrungen klingt diese Musik; manchmal so zeitlos, als hätten Quiet Lane ihre selbst geschriebenen Lieder schon zur Zeit des amerikanischen Sezessionskriegs gespielt. Oder doch in der Ära des Goldrauschs? Immerhin kommen Quiet Lane aus Pforzheim, der „Goldstadt“, die ohne diesen Beinamen ziemlich hässlich ist. „Die Leute lachen immer, wenn wir sagen, dass wir aus Pforzheim sind“, sagt Hannes Liewald mit einem Grinsen. Deshalb hat er sich für die ganze Dauer des Kulturufers in Friedrichshafen eingemietet. Willkommen, kann man da nur sagen. Songwriter dieses Formats sind in Friedrichshafen immer willkommen.

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