„Wir haben gelacht, gejubelt, geweint“

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Die Abschlussveranstaltung am Sonntag im Manegentheater zeigt auch Ergebnisse aus Workshops, hier Improvisation.
Die Abschlussveranstaltung am Sonntag im Manegentheater zeigt auch Ergebnisse aus Workshops, hier Improvisation. (Foto: Lena Reiner)
Schwäbische Zeitung
Lena Reiner

Die 33. Theatertage am See haben von Dienstagabend bis Freitagvormittag mit „JustSee“ und „wir ...hier“ Jugendlichen und Schülern und von Freitagabend bis Sonntagnachmittag dem Amateurtheater Raum gegeben. Neun Aufführungen, ebenso viele Rückspiele, Workshops und ein gemeinsames Finale am Sonntag bildeten das bunte, mal komische und mal nachdenkliche Programm, das wie die gesamten Theatertage unter dem Titel „grenzenlos“ stattfand. Insgesamt 17 Aufführungen und rund 4000 Zuschauer machten die Theatertage am See zu einem vollen Erfolg und Grenzen wurden im vielfachen Sinne überwunden.

Christoph Daigl ergriff stellvertretend für die Jury das Wort, die auch in diesem Jahr einen Theaterpreis ans beste Amateurtheater zu vergeben hatte. „Wir haben gelacht, gejubelt, geweint“, fasste er die theaterreiche Zeit zusammen. Und so sei es der Jury auch nicht leicht gefallen, einen Preisträger auszuwählen. Der erste Preis sei daher in diesem Jahr gleich zweimal belegt, verriet er und so erhielten die Universitätstheatergruppe „Art“ aus Polozk und die Kunstwerkstatt Akzent aus Südtirol jeweils 800 Euro Preisgeld.

Die Stücke haben auf ganz unterschiedliche Art und Weise überzeugt. „Stille und Langsamkeit – das ist die Königsdisziplin“, erklärte Daigl, wieso die Wahl auf das Südtiroler Ensemble gefallen ist, das in seinem Stück Gefühle ganz behutsam auf die Bühne gebracht hatte. Die Kunst sei zu machen, nicht zu spielen, erklärte er außerdem und schilderte seine Lieblingsszene aus dem Stück „voll im Leben... neu verspielt“, das die Gruppe im Rahmen der Theatertage vorgeführt hatte. „Das war nicht gespielt, sondern einfach getan.“

Preis für einen Neuling

Mit „Art“ erhielt ein Neuling einen der ersten Preise. Die Polozker Kompagnie ist nämlich zum ersten Mal bei den Theatertagen dabei gewesen. Dass sie aus Weißrussland stammen und kein Wort Deutsch auf der Bühne sprechen, hatte der Begeisterung über ihre Arbeit keinen Abbruch getan. „Hier zeigt sich, dass die Theatersprache universell ist“, urteilte die Jury und war begeistert von der politischen Komponente im Stück der weit hergereisten Gäste.

Auch sonst ging es unter dem Motto „grenzenlos“ multikulturell zu. 46 Nationen waren insgesamt bei den Darstellern vertreten. Daigl sieht hierin einen wichtigen Beitrag zur emotionalen und sozialen Bildung junger Menschen und betont, dass man hier der Politik auf die Füße stehen müsse, denn eine solche Bildung sei wichtig „damit die jungen Menschen nicht den politischen Rattenfängern auf den Leim gehen.“

So endeten die 33. Theatertage am See mit Begeisterung, Lob und Freudentränen, aber auch einer starken politischen Botschaft. Grenzenlos? Das kann bestens funktionieren, wie die Woche der internationalen, generationenübergreifenden und barrierefreien Zusammenarbeit bewiesen hat. Und wie die Rückschau auf die gezeigten Stücke eindrucksvoll beweist, bestanden auch keine Hemmschwellen, was Intimität, direkte Sprache, Berührungsängste mit älteren, jüngeren, behinderten oder sonstig „anderen“ Mitmenschen anging. Grenzenlos grenzenlos könnte man urteilen – und das erfolgreich.

Mehr Bilder von den Theatertagen am See gibt’s auf der Internetseite der Schwäbischen Zeitung

www.schwaebische.de

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