Konzertmeister Matthias Honeck und Adela Frasineanu als Solisten im Konzert von Antonio Vivaldi.
Konzertmeister Matthias Honeck und Adela Frasineanu als Solisten im Konzert von Antonio Vivaldi. (Foto: Christian Lewang)
Gerd Kurat

Mit einem ansprechenden, abwechslungsreichen Programm haben die Wiener Streichersolisten im Graf-Zeppelin-Haus gastiert. Drei Frauen und acht Männer, sonst an den Pulten der berühmten Wiener Philharmoniker und Wiener Symphoniker zu Hause, präsentierten mit ansteckender Spielfreude kammermusikalische Raffinessen vom Barock bis zur Neuen Musik.

Gleich in der 1. Sinfonie D-Dur von Giuseppe Antonio Brescianello, Hofkapellmeister unter Herzog Karl Eugen in Stuttgart, waren alle Feinheiten der barocken italienischen und französischen Orchestersprache zu hören. Adela Frasineanu und Konzertmeister Matthias Honeck stellten sich im Konzert für zwei Violinen und Streicher a-Moll von Antonio Vivaldi als versierte Solisten vor. Nach dem kompakten Tutti-Thema, mit großem Wiedererkennungswert beim Publikum, glänzten die beiden Geiger mit virtuosen Solostellen, einnehmender Zweistimmigkeit in farbigen dynamischen Abstufungen. Hellwach reagierten die Mitspieler auf die schnellen Wechsel zwischen Solisten und Tutti. Sehr intensiv, wunderschön ausmusiziert, der Solopart im langsamen „Larghetto espirituoso“.

Dass der englische Komponist Edward Elgar nicht auf seine „Pomp and Circumstances Marches“ reduziert werden sollte, war den Wiener Gästen ein großes Anliegen in ihrem Programm. In einem klangvollen Arrangement der kleinen Melodie „Salut d’amour“ konnte Matthias Honeck sein emphatisches Solo des „Liebesgrußes“ mit stimmigem Rubato über federnder Begleitung legen. Vor seinem echten Durchbruch mit den Enigma-Variationen hatte Elgar die Serenade für Streichorchester e-Moll komponiert. Gut aufeinander einspielt, immer im Blickkontakt untereinander und mit Konzertmeister Honeck, bekamen die feinen Melodielinien pastorale Züge, elegischen Ausdruck oder heitere-spielerische Nuancen. Dichtes Spiel in langen Phrasierungsbögen, perfektes An- und Abschwellen verzauberten das Publikum im Satz „Nimrod“ aus den Enigma-Variationen.

In den drei Sätzen des Divertimentos D-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart fügten sich Agogik, Klang, Rhythmik und Dynamik des Streicherensembles zu einem faszinierenden Ganzen zusammen. Schön zu beobachten, wie sich die Spieler nach gelungener Themenübernahme immer wieder zulächelten. Nochmals hervortreten durften die beiden Solisten Honeck und Frasineanu mit starken Kontrasten in der heiter aufgehellten, folkloristisch angehauchten Bagatelle Nr. 5 von Antonin Dvorak.

Die Suite „Antiche Danze ed Arie“ von Ottorino Respighi konnten die Musikern alle Klangmöglichkeiten der Streichinstrumente auszuspielen. Stilistisch perfekt der erste italienische Tanz aus dem 16. Jahrhundert. Mit Pizzicato, Espressivo und Vivacissimo dann die Arien des Giovanni Battista Besardo. Eine heiter schwingende „Siciliana“ als Zwischenspiel führte zum pathetischen Finale über einem Passacaglia Thema. Nach der letzten, voll klingenden Fermate gab es begeisterten Applaus im Ludwig-Dürr-Saal. Selbst schuld, wenn man dann den Strauß-Walzer „Rosen aus dem Süden“ mit Wiener Charme als Zugabe so erfrischend aufspielt. Für den nochmals gesteigerten Applaus gab es dann zur Beruhigung den 2. Satz aus dem Divertimento von Leonard Bernstein.

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