Ein wunderbar kultiviertes und inniges Adventskonzert hat die „Camerata Serena“ unter der Leitung von Nikolaus Henseler am Sonnt
Ein wunderbar kultiviertes und inniges Adventskonzert hat die „Camerata Serena“ unter der Leitung von Nikolaus Henseler am Sonntag in Friedrichshafen-Fischbach und im Augustinum Meersburg gesungen (hier das Konzert in St. Magnus). (Foto: Helmut Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Nicht nur musikalischen Hochgenuss, sondern zugleich besonderen inhaltlichen Tiefgang hat am Sonntag das Adventskonzert geboten, das die „Camerata Serena“ unter der Leitung von Nikolaus Henseler am Nachmittag in St. Magnus in Friedrichshafen-Fischbach und am Abend im Augustinum Meersburg gesungen hat.

Elf Sänger haben bei diesem Adventskonzert in gewohnter Stimmkultur a cappella gesungen. Zwar waren die neun Frauenstimmen in der Überzahl, doch die vier Männer vermochten sich durchzusetzen, so dass die Balance stimmte. Erfreulich gut war zudem die Wortverständlichkeit, die es den Zuhörern ermöglichte, die Texte zusammen mit ihrer musikalischen Umsetzung zu erfassen.

Vom 17. bis 20. Jahrhundert

Henseler hat Komponisten vom 17. bis zum 20. Jahrhundert ausgewählt und dabei ganz bewusst von der Erwartung des Erlösers zur Krippe hingeführt und den Blick zuletzt auf die vom Weihnachtsgeschehen nicht loszulösende Passion gerichtet.

Mit Georg Friedrich Händels festlichem Choral „Tochter Zion“ eröffneten die Sänger das Konzert, das Henseler mit erklärenden Bemerkungen begleitete. Dreistimmig besang danach der Chorsatz „Gelobt sei, der da kommt“ des etwas älteren Constantin Christian Dedekind die Erwartung des Herrn.

Mit Hugo Distler erfolgte ein Zeitsprung von rund 300 Jahren. Hatten sich zuvor die Stimmen im Nacheinander profiliert, beeindruckte bei Distlers Bitte „Nun komm der Heiden Heiland“ der volle Klang der Mehrstimmigkeit. In sehr großer Ruhe hat Mendelssohn den alten Choral „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ in sein Oratorium „Paulus“ aufgenommen. Dieser bildete die Brücke zur Krippe, zum neugeborenen Jesuskind, das Max Reger hier mit drei schlichten, innigen Liedern besang. Henseler ließ auf Regers „O Jesulein süß“ Johann Sebastian Bachs Frage „Wie soll ich dich empfangen?“ aus dem Weihnachtsoratorium folgen. Zeichen einer Verunsicherung angesichts des Weihnachtswunders, der er die Antwort des Renaissance-Komponisten Thomas Tallis „If ye love me“ gegenüberstellte. Von der Liebe zum Jesuskind, das in diesem Konzert im Mittelpunkt stand, erzählte Regers zärtliche Bitte, das Kind in inniger Ruh schlafen zu lassen, wie auch Max Bruchs Wiegenlied der Hirten. Nun war Zeit, die Geburt jubelnd zu verkünden mit Hans Leo Haßlers freudigem „Vom Himmel hoch, da komm ich her“ und Michael Praetorius’ ebenso freudigem „Der Morgenstern ist aufgedrungen“. Wie dieser Choral blickt auch Mendelssohn mit „Dir, Herr, will ich mich ergeben“ bereits auf den Tod und Max Reger im schlichten Wiegenlied „Schlaf wohl, du Himmelsknabe“ auf das Kreuz.

Traditionell endete das innige Adventskonzert mit dem Choral „Ich steh an deiner Krippen hier“ aus dem Weihnachtoratorium.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen