Wie schön und entfesselnd portugiesische Musik sein kann

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„Hotel Bossa Nova“ besticht durch eine Mischung aus Fado und anderen Musikstilen wie dem Bossa Nova.
„Hotel Bossa Nova“ besticht durch eine Mischung aus Fado und anderen Musikstilen wie dem Bossa Nova. (Foto: mt)
Michael Tschek

„Hotel Bossa Nova“ – ein Quartett aus vier Vollblutjazzern hat mit ihren beschwingten Rhythmen, einer Mischung aus Fado (portugiesischer Nationalgesang), Bossa Nova, Cool Jazz und Samba, für einen heißen, quirligen und mitreißenden Abend im Kleinen Zelt gesorgt.

Liza da Costa, die sowohl portugiesisches als auch indisches Blut in sich trägt, gelang es, sich auf der Oktavenleiter mühelos rauf und runter zu bewegen, Gefühle aus ihrer portugiesischen Heimat von Meer, Liebe und Geschichten rund um ihre Familie und Freunde auf das Publikum zu übertragen. Das musikalische Kaleidoskop fühlte sich an wie eine Busreise durch portugiesische Landschaften und reichte dabei von Titeln aus ihrer CD „Bossanomia“ aus dem Jahr 2011, bis hin zur aktuellsten „Little Fish“ von 2017. Dem gesanglichen Wirbelwind standen mit Wolfgang Stamm (Schlagzeug), Alexander Sonntag (Kontrabass) und Tilmann Höhn (Akustikgitarre) drei Vollblutmusiker zur Seite, die improvisationsstark jeder für sich ihre eigene musikalische Fantasie im Laufe des Konzertes auskosten durften, aber in den entscheidenden Momenten doch immer harmonisch zueinander fanden. Paradebeispiel dafür war das fast 15-minütige Zusammenspiel „Bossanomia“, das sie gleich in der ersten Hälfte ihres zweistündigen Konzertes präsentierten.

Da fehlte dann nur noch die Kulisse zum Konzert von „Hotel Bossa Nova“ im Kleinen Zelt am Kulturufer. Es passte einfach: Eine warme Sommernacht, ein leichtes Lüftchen vom See – genau die Szenerie, die Lisa da Costa und ihre Bandkollegen auch in ihren Liedern begleitete.

In der temperamentvollen Mixtur durchlebte und transportierte die Band Momente des portugiesischen Lebens in die Sitzreihen, so wie bei „No tapete escaldante“ (übersetzt: „Auf dem glühenden Teppich“), das die Geschichte einer Frau erzählte, die nach langer Abwesenheit in ihr Heimatdorf zurück kehrt und dort eine Rechnung zu begleichen hat. Dazwischen ließ sich das Publikum immer wieder zu Beifall hinreißen durch die Performance von Schlagzeuger Wolfgang Stamm, dem herrlich gestrichenen Kontrabass von Alexander Sonntag und natürlich durch den Gitarristen Tilmann Höhn, dem Virtuosen schlechthin. Seine Soli gehörten sicherlich zu den Höhepunkten des Abends, weil er, atemberaubend sicher in den Riffs, sowohl südamerikanische temperamentvolle als auch besinnliche Klänge seiner Akustikgitarre entlockte. Und bei „Voicé“ versetzte er mit seinem Spiel auf der Aliquot-Gitarre die Zuhörer ins Staunen.

Nach dem beschwingten Titeltrack „Peixinho“ aus der aktuellen CD „Little Fish“ verabschiedete sich das Quartett zunächst einmal mit „Cancao a Maia Noite“ (Mitternachtssong), wobei Lisa das Publikum zum Mitsingen aufforderte.

Bei der Zugabe hatte sich die Band mit dem Song „Onda De Calor“ (Hitzewelle) den passenden hochsommerlichen Temperaturen angepasst. Fazit: Dem Kulturuferveranstalter ist es einmal mehr gelungen, mit „Hotel Bossa Nova“ erneut Künstler in den Kultuferhafen zu holen, die bereits 2011 einen bleibenden musikalischen Eindruck hinterlassen hatten.

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