Wie Eurowings Friedrichshafen nach Italien verlegt hat

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Schwäbische Zeitung
Regionaler Online-Redakteur

Eurowings hat in einem Werbeclip für Friedrichshafen völlig falsche Bilder verwendet und die Stadt prompt in ein anderes Land verlegt. Auch die Insel Mainau bekommt in dem Video ganz neue Seiten.

Am Dienstag hatte Friedrichshafen in einem Internet-Wettbewerb um eine neue Flugverbindung mit Eurowings haushoch verloren. Im Vorfeld der Wahl wurde die Stadt in einem von der Airline herausgegebenen Werbeclip vorgestellt. Dabei sind ganz offensichtlich Pannen passiert.

In dem kurzen Clip werden „drei Gründe nach Friedrichshafen zu fliegen“ vorgestellt - so sollte den Wettbewerbsteilnehmern Lust darauf gemacht werden, Friedrichshafen ihre Stimme zu geben.

Zunächst werden dann einige Sekunden lang schöne Fotos von Friedrichshafen am Bodensee gezeigt.

Eurowings stellt Friedrichshafen vor

Sanft fliegt die Kamera zum Beispiel über eine Kirche, die in einen welligen, in den See reichenden Berghang hineingebaut ist – während rundherum Terrakottatöne die Häuser in einer von Waldstreifen durchzogenen Stadt zieren.

Friedrichshafen: Berge, Waldstreifen, Terrakotta?

Ähh, Moment: Berghang? Waldstreifen? Mediterwas? Die Redaktion von Schwäbische.de ist sich sicher, dass die gezeigt Stadt auf gar keinen Fall Friedrichshafen ist. Der Kirchturm und die Landschaft erinnern eher an eine italienische Stadt an einem See inmitten von Bergen. Ähnlich sehen zum Beispiel Städte am Lago Maggiore oder Gardasee aus.

In der nächsten Einstellung haben die Ersteller des Videos schließlich den echten Bodensee gefunden, preisen eine Fahrt zur Insel Mainau für potentielle Touristen an – während im Bild ein Motorboot auf die Türme der Schlosskirche von Friedrichshafen zurast. An der Richtung der Fahrt muss dann wohl noch gearbeitet werden.

Doch als die angebliche Insel Mainau dann wirklich eingeblendet wird, wird das Video vollends absurd. Zwar wird eine Insel gezeigt, die in einem See zu liegen scheint. Aber es ist nicht die Mainau.

Es ist die nahegelegene Insel Reichenau.

Falls Sie sich jetzt unangenehm an diese Geschichte erinnert fühlen, bei der ein Pilot den Bodensee mit einem anderen See verwechselt hat, dann geht es Ihnen wie uns. Liebe Eurowings: Friedrichshafen wollte diesen Flug eigentlich schon gewinnen. Aber wären die Passagiere eigentlich sicher gewesen, dass sie am Ende nicht am Titicacasee landen.

Gesellschaft räumt Fehler ein

Auf Anfrage von Schwäbische.de räumte Eurowings den Fehler am Mittwoch ein. "In der Tat ist unserem Dienstleister bei der Erstellung des Videos ein Fehler unterlaufen, für den wir uns entschuldigen möchten", teilte eine Sprecherin mit. 

Zum Verlust des Wettbewerbs habe das aber sicherlich nicht beigetragen. Immerhin habe es Friedrichshafen auf Platz drei geschafft. 

40 000 User hatten am Dienstag beim Live-Finale auf Facebook für ihre Lieblingsdestination abgestimmt. Insgesamt hat die Werbekampagne laut Eurowings bereits vor dem Finale 10 Millionen User erreicht.

12 Prozent aller Stimmen fielen am Ende auf Friedrichshafen.

Leser helfen bei der Suche

Dank der Hilfe der Leser hat Schwäbische.de herausgefunden, welche Stadt das Eurowings-Video tatsächlich zeigt. Facebook-Nutzerin Stöffi Kremer fand das verwendete Videomaterial frei im Internet unter diesem Link (und mit offensichtlich falscher Beschriftung).

Nutzerin "Tanja Hansen" vermutete zunächst, die gezeigte Stadt sei "Limone" am Gardasee - und landete damit fast einen Treffer: Recherchen von Schwäbische.de haben nun ergeben: Die Stadt im Video heißt Gargnano und liegt direkt neben Limone am Westufer des Gardasees. Die im Bild zu sehende Kirche ist damit die Parrocchia Di San Martino im selben Ort.

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