Welche der beiden Damen übernimmt die Rolle von Jims Ersatzehefrau: Buchhalterin Terri Pringle (Blair Russell, links) oder Putzf
Welche der beiden Damen übernimmt die Rolle von Jims Ersatzehefrau: Buchhalterin Terri Pringle (Blair Russell, links) oder Putzfrau Edna Chapman (Stephanie Kretschmer)? (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
Gudrun Schäfer-Burmeister

Großartige Unterhaltung bietet die englischsprachige Theatertruppe Bodensee-Players mit der Komödie „No Dinner for Sinners“ von Edward Taylor, ein Titel, der mit „Kein Abendessen für Sünder“ nur hölzern übersetzt werden kann. Schwungvoll und witzig war die Premiere des Stückes am Mittwochabend. Wer „No Dinners for Sinner“ noch sehen möchte, hat am Freitag und Samstag, 24. und 25. Mai, Gelegenheit dazu.

Das Theaterstück handelt von Jim Watt, Anfang 30, und Leiter der Londoner Niederlassung einer amerikanischen Börsenfirma. Jim hat ein Problem. Sein Boss Bill McGregor ist erzkonservativ, fanatisch religiös und auf Besuchstour in den europäischen Büros seines Unternehmens. Gemeinsam mit Ehefrau Nancy hat er sich bei Jim und dessen Gattin zum häuslichen Abendessen angesagt. Genau das ist das Problem. Jim ist nicht verheiratet, seine Freundin Helen weigert sich, so zu tun als ob, und auf die Schnelle ist keine Vorzeige-Ehefrau aufzutreiben. Oder vielleicht doch?

Denn da ist Edna Chapman, seit vielen Jahren Zugehfrau bei Jim. Bei entsprechender Bezahlung verspricht sie, die Rolle für einen Abend zu übernehmen, um Jim vor der drohenden Entlassung zu bewahren. Stephanie Kretschmer spielt die Edna, als wäre sie ihr auf den Leib geschrieben und macht ihre Figur zum Star des Abends. Ob sie den Staubsauger geräuschvoll über die Bühne schiebt, die Möbelpolitur beherzt mit ein wenig Spucke ersetzt oder in deftigem Cockney mit Tipps aus ihrer zwielichtigen Verwandtschaft aufwartet: Edna weiß Rat und jeder ihrer Auftritte wird zum Genuss.

Jim hat Bedenken wegen Ednas Ausdrucksweise, ihrer Klassenzugehörigkeit und wegen ihres reifen Alters. Doch Edna kontert, dass der Altersunterschied mittels Styling und Make-up nicht mehr zu sehen sein werde: „Sie werden denken, dass Sie mit Madonna verheiratet sind.“

Tim Sowa spielt die Rolle des Jim mit sanfter Verzweiflung und bubenhaftem Charme. Er ist keiner, der anecken möchte – weder bei seinem Boss noch bei Freundin Helen, weshalb er sich auch gerne um die Wahrheit herumdrückt. Bevor er Ednas Angebot notgedrungen annimmt, versucht er noch, verflossene Freundinnen an den Kochtopf zu locken. Alles vergeblich. Nicht einmal Buchhalterin Terri Pringle, hinreißend verkörpert von Blair Russell, die bei seinen Worten eigentlich dahinschmilzt und sowohl gerne schauspielert als auch kocht, kann ihm aushelfen, wobei sie schließlich doch noch auftaucht und zwar völlig unerwartet. Das gilt auch für Helen, anmutig gespielt von Francisca Weber, die Jim nun doch nicht im Stich lassen möchte.

Wie es sich für eine Komödie gehört, hat Jim schließlich zu viele Ehefrauen auf einmal und kommt kaum noch nach, gleichzeitig Verstecke für sie und Ausreden für seinen Boss Bill und dessen Frau Nancy zu finden, denen er jeweils eine andere als Gattin präsentiert hat. Robbie Russell mimt den amerikanischen Unternehmer in edlem Zwirn und Cowboystiefeln, mit angeklebter Frisur und nie ohne frisch gefülltes Scotchglas in der Hand, stets seine Vorstellungen von kirchlicher Moral gemäß der heiligen Schrift deklamierend. Allerdings kann es der Broker auch nicht lassen, immer wieder den Raum zu verlassen, um spekulative Käufe zu tätigen. Seine Frau Nancy ist mitfühlend an seiner Seite. Maren Mattes schlüpft charmant in die Rolle seiner unscheinbaren, hilfsbereiten Angetrauten. Ednas Börsentipps erweisen sich als unschlagbar, ihre Kochkünste als explosiv und ihr Party-Outfit stiehlt gar den sexy Dessous von Helen die Schau. Eine tolle Inszenierung hat Mathias von Alberti als Regiedebüt kurzweilig auf die Bühne gebracht. Alle Rollen sind klasse besetzt. Dramaturgischer Höhepunkt ist nicht die Lösung von Jims Problem, sondern Ednas Verwandlung. Beides zu verraten verbietet sich an dieser Stelle. Sowohl Edna als auch das Stück lohnen sich als echte Hingucker.

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