Zeigt, wie's funktioniert: Claudia Linnhoff von der Virality GmbH. (Foto: li)
Jens Lindenmüller

Coupons sind eigentlich ein alter Hut, und die Zeiten, als Rabattmarken noch aus der Zeitung ausgeschnitten wurden, sind im digitalen Zeitalter allmählich auch passé. Der Schnäppchenjäger von heute scannt Coupons in Form von so genannten QR-Codes mit dem Handy ein. Noch einen Schritt weiter als dieses mobile Couponing geht nun aber ein T-City-Pilotprojekt, das die Firma Virality mit sechs Häfler Firmen und dem Zeppelin Museum nach Friedrichshafen bringt.

Facebook ist die größte offene Community der Welt. Welches Potenzial dahintersteckt, sieht man gerade im Zusammenhang mit dem geplanten Börsengang. Wir haben uns deshalb die Frage gestellt, wie man das für Marketingzwecke nutzen kann“, sagt Andreas Droste vom Projektpartner T-Systems. Die Antwort lautet virales Couponing und funktioniert so, dass der mit dem Handy eingescannte Coupon vor dem Einlösen weitergegeben werden kann. Zum Beispiel, indem man ihn an seiner Pinnwand bei Facebook postet. Sobald ihn dort ein anderer Nutzer einscannt, steigert das den Wert des ursprünglichen Coupons. Mit jeder weiteren Weitergabe – auch von Handy zu Handy möglich – ist eine weitere Wertsteigerung verbunden. Das Prinzip ist dasselbe wie beim Schneeballsystem, es endet allerdings bei einer Obergrenze, die vorher entweder in Prozent oder als Euro-Betrag definiert worden ist. Größe und Anzahl der einzelnen Wertsteigerungsschritte werden ebenfalls vorher festgelegt.

Profitieren sollen letztlich beide Seiten: Der Kunde, indem er einen möglichst hohen Rabatt bekommt, der Händler oder Dienstleister, indem der Kunde für ihn durch die Weitergabe quasi das Marketing übernimmt. „Wir bieten etwas an, das die Leute in Friedrichshafen begeistern wird“, ist Claudia Linnhoff, Geschäftsführerin der Firma Virality, überzeugt. In Friedrichshafen soll das Projekt zunächst drei Monate getestet werden. „Für mich ist das die Zukunft“, sagt André Kloos, der mit seiner Bäckerei einer der Projektpartner ist. Kundenkarten seien ihm schon immer ein Dorn im Auge gewesen – zum einen, weil sie den Geldbeutel aufblähen, zum anderen, weil der Kunde dafür persönliche Daten weitergeben muss. Was beim viralen Couponing entfällt. Der Weg jedes einzelnen Coupons ist für den Händler zwar komplett nachvollziehbar und lässt dadurch Rückschlüsse auf die Reichweite zu, das Ganze allerdings komplett anonym, wie Andreas Droste betont.

Ein weiterer Effekt für die Händler, der Florian Sedlmeier dazu bewogen hat, mit seiner Boutique Cecil am Projekt teilzunehmen: „Wir befruchten uns gegenseitig.“ Denn wer sich die Virality-App, die zum Scannen der Coupons erforderlich ist, auf sein Handy lädt, der erhält dort einen Überblick über alle aktuellen Rabattaktionen und kann die Coupons dort auch ohne QR-Code direkt laden und gegebenenfalls weitergeben. Frank Zender von Empen Optik, einem weiteren Partnergeschäft, will sich darauf lieber nicht verlassen und kündigt schon mal an: „Wir werden unsere Schaufenster mit QR-Codes vollpflastern“ Na denn: Auf zur fröhlichen Schnäppchenjagd.

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