Generationenübergreifende Begeisterung für Jazzmusik teilen (von links) Christoph Neuhaus, Jens Loh und Phileas Loh bei ihrem er
Generationenübergreifende Begeisterung für Jazzmusik teilen (von links) Christoph Neuhaus, Jens Loh und Phileas Loh bei ihrem ersten gemeinsamen Gig als Phileas Loh Trio (Foto: Gudrun Schäfer-Burmeister)
gsb und Gudrun Schäfer-Burmeister

Überschaubar ist die Anzahl der Musikliebhaber am Mittwochabend im Alfred-Colsman-Saal, was der Qualität des Konzerts keinen Abbruch tut. Phileas Loh und sein gleichnamiges Trio zeigen das Talent und die Begeisterung eines jungen Jazzmusikers, der den Mut hat, seine berufliche Zukunft als Schlagzeuger zu gestalten.

Dem 16-jährigen Stuttgarter wurde die Musikin die Wiege gelegt. Er teilt die Begeisterung für Jazz mit seinem Vater Jens Loh, der als Kontrabassist ebenfalls zum Trio gehört und europaweit als Jazzmusiker unterwegs ist. Jens Loh wuchs am Bodensee auf, dem Friedrichshafener Publikum wurde er vor allem durch seine Konzertreihe „speak LOH“ bekannt. Als dritter Musiker war Gitarrist Lorenzo Petrocca vorgesehen, der jedoch kurzfristig absagen musste. Seinen Platz im Trio nimmt Christoph Neuhaus ein, der im wahrsten Sinne des Wortes einspringt, denn erst bei der gemeinsamen Autofahrt von Stuttgart nach Friedrichshafen wird mit Bleistift auf Papier die Playlist des Abends festgelegt und ohne vorherige Probe gespielt. Neun Titel sind vorgesehen, „Chitlins con Carne", „Green Dolphin“, „Body and Soul“, „Chicken“, „All the Things You Are“, „There Is No Greater Love“, „I Remember You“, „My Ideal“ und „Anthropology.“

Der Jazzgitarrist Neuhaus spielt in unterschiedlichen Formationen. Er versteht es, sein Instrument weich, sanft und voller Gefühl sprechen zu lassen. Im Phileas Loh-Trio ersetzen und imitieren seine Klänge den Gesang, formen Worte und Sätze, mit denen Jens Loh in Dialog tritt. Den nicht minder am musikalischen Gespräch beteiligten Ruhepol, der das Ganze untermalt, bildet Phileas Loh am Schlagzeug.

Im Blick hat er dabei ständig seine beiden Kollegen. Jeder Moment des Konzerts steht im Zeichen von aufmerksamer Wahrnehmung und ergänzendem Ausdruck, bildet eine musikalische Kommunikation des Hörens und Spielens, eine permanente, fortgesetzte Abstimmung der Unterhaltung. Hier entsteht kein Wettstreit, sondern eine harmonische Weiterentwicklung der Themen, die die Standards vorgeben, geprägt von hoher Konzentration und feinem gegenseitigem Gespür. Vorlagen zum Ablesen brauchen sie dafür keine, die Musiker tragen die Noten in sich und geben aus dem persönlichen Speicher dazu, was den gemeinsamen Klang des Phileas Loh Trios an diesem Abend ausmacht. Während Neuhaus der Schmerz des Blues ins Gesicht geschrieben steht und er in tiefem Gefühl die Augen schließt um seine Hände dieses Empfinden in Gitarrenklängen wiedergeben zu lassen, gibt sich Jens Loh mit murmelnden Worten seinem Instrument hin, zupft mit den Fingern, gleitet über die Saiten und widmet sich jedem Ton mit eigener Intensität. Phileas Loh gibt den Rhythmus vor, hält sozusagen die Geschichte zusammen, während die anderen ihre Versionen erzählen. Er setzt Drumsticks und Jazzbesen ein, setzt sich auch schon mal drauf, wenn er sie gerade nicht braucht.

Der junge Musiker, der seit seinem siebten Lebensjahr Schlagzeug spielt, mag die Musik der alten Jazzmeister besonders gerne. Zu seinen Vorbildern zählen Miles Davis, John Coltrane und Horace Silver. Neben der Schule besucht er als Jungstudent die Musikhochschule Stuttgart, spielt bei den Jazz Juniors, in der Amateur Big Band der Uni und wird sich bei Lajazzo, dem Landesjungendjazzorchester Baden-Württemberg bewerben.

Zweimal war er auch schon beim Donnerstagsjazz im „Amicus“ in Friedrichshafen zu hören und zu sehen. Vielleicht klappt es ja auch 2020 wieder, so wie es in der Zugabe des Phileas Loh-Trios versprochen wird: „I’ll Be Seeing You“

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