Was von T-City übrig bleibt (Foto: pr)

Nach fünf Jahren endet heute die erste Phase des T-City-Projektes mit einer Tagung im Graf-Zeppelin-Haus. Am Freitag ziehen Oberbürgermeister Andreas Brand, Telekom-Markenchef Stefan Althoff und Franz-Reinhard Habbel vom Deutschen Städte- und Gemeindebund Berlin Bilanz. Außerdem wird heute in Buchform präsentiert, was Wissenschaftler über T-City herausgefunden haben. Nicht umsonst ist das Projekt von einer Arbeitsgruppe Stadt- und Regionalforschung des Geographischen Instituts der Universität Bonn im Rahmen einer unabhängigen sozialwissenschaftlichen Untersuchung im Auftrag der Deutschen Telekom AG begleitet worden.

Michael Lobeck, Leiter des Forschungsprojektes, gibt eine Zusammenfassung. Zunächst einmal ist ihm wichtig, dass die Uni Bonn keine Beratungen, sondern nur eine Überprüfung, eine Evaluation vorgenommen hat. Als wichtigster Punkt im Bericht steht die Feststellung, dass sich T-City von vielen anderen Projekten, die derzeit weltweit angestoßen werden, unterscheidet. „Im Gegensatz zu anderen Projekten hat die Deutsche Telekom tatsächlich etwas getan und nicht nur zwei Wochen in einer Stadt gesessen und Ideen diskutiert“, sagt Lobeck.

T-City sei mit dem Anspruch angetreten, die Lebensqualität in Friedrichshafen durch Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien zu verbessern. Laut einer Umfrage des Bonner Institutes hätten 36 Prozent aller Befragten das Erreichen einer erhöhten Lebensqualität bejaht. „Berücksichtigen wir, dass nach einer Studie des Sinus Institutes Heidelberg 40 Prozent aller Menschen dem Medium Internet reserviert gegenüber stehen, so sind die 36 Prozent ein beachtlicher Erfolg.“ Vor allem – und da gelten die Häfler als Pioniere – im Seniorenbereich habe sich eine ganze Menge entwickelt. Die Ansprache der Senioren habe sehr gut funktioniert, das Projekt sei ein Selbstläufer und werde als höchst erfolgreich bewertet. Auch die Arbeitsqualität sei im Seniorenbereich sehr hoch, sagt Lobeck.

Strukturprobleme

Ein „schlecht funktionierendes Projekt“ sei Edunex gewesen, das Bildungsnetzwerk, das neben seinen Startschwierigkeiten auch strukturellen Problemen gegenüberstand. Da Bildung nicht kommunale Aufgabe ist, sondern Ländersache, seien auch die Entscheider in diesem Themenfeld in Stuttgart zu suchen gewesen, nicht in Friedrichshafen. Die Ansprechpartner vor Ort hatten wenig zu sagen. Zudem gab es in Baden-Württemberg schon ein System, das zwar weit weniger könne, das aber als Open Source-Software kostenlos sei. Zum Dritten sei der Inhalt des Systems nicht so von den Verlagen geliefert worden, wie man sich das vorgestellt hatte. Und zuletzt sei das Phänomen auf Telekom-Seite nicht zu unterschätzen, dass es während der Projektphase mehrere Personalwechsel gegeben habe. Das sei bei einem Konzern wie der Telekom normal. Jedoch habe ein Lehrer der Uni gegenüber geklagt: „Das ist jetzt das dritte Team von T-Systems, mit dem ich arbeiten muss.

Ein weiteres Phänomen von T-City sei schon in der Anlage des Projektes enthalten gewesen. Hier begegneten sich eine Stadt und ein Großkonzern. „Die mussten erst einmal lernen, sich auf gleicher Augenhöhe zu treffen. Sie hatten dafür zu sorgen, dass die Dinge laufen und es ist schon eine große Herausforderung, wenn ein Konzern mit einer Stadtgesellschaft kooperieren soll.“

Michael Lobeck spricht hier vor allem die auf Seiten der Stadt mögliche Intervention verschiedener Partner an. Hier konnten sich Lehrer, Eltern, Bürger, Unternehmen und Vertreter der Stadt gleichermaßen an dem Prozess beteiligen. Und das ist auch geschehen. Eine zentrale Feststellung im wissenschaftlichen Schlussbericht bezieht sich auf die Intention, mit der die Telekom bei T-City angetreten ist. Es ging um die besagte Erhöhung der Lebensqualität durch Einführung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Uni Bonn hat dazu eine repräsentative Studie vorgelegt, zu der sie Menschen der anderen Bewerberstädte zu deren Zufriedenheit und Lebensqualität befragt und diese Antworten dann mit denen aus Friedrichshafen verglichen hat.

Besser geht es kaum

„Da stellte sich schnell die Frage, was es heißt, die Lebensqualität in einer Stadt zu verbessern, in der sie ohnehin schon überdurchschnittlich hoch ist“, stellt Michael Lobeck fest.

In allen befragten Punkten, sei es die Attraktivität des Arbeitsplatzes, die Innovationsfreude, die Qualität von Lebens- und Wohnraum oder das Engagement, etwas selbst in die Hand zu nehmen und sich für das eigene Wohlbefinden zu engagieren, lag die positive Bewertung bei den Häflern dabei um zehn bis 30 Prozent höher. Während beispielsweise in den Vergleichsstädten 66 Prozent mit ihrem Wohnumfeld zufrieden waren, sind das in Friedrichshafen 81 Prozent. Die Zufriedenheit der Menschen in Friedrichshafen ist damit ungleich höher als in anderen vergleichbaren Städten Deutschlands.

Die Prognose von Michael Lobeck für die kommenden drei Jahre T-City oder wie immer diese Projektphase dann heißen wird: „Es wird deutlich besser laufen können.“ Grund für diese Aussage ist die neue Struktur des Projektes. Jetzt geht es nicht mehr um die Verbesserung der Lebensqualität, sondern um konkrete Weiterentwicklungen. Die fünf zurückliegenden Jahre haben 31 Projekte hervorgebracht, die neben den nicht genannten internen Projekten, die innerhalb der Unternehmen gelaufen sind und noch laufen, weder als erfolgreich oder nicht erfolgreich bewertet werden können.

„Nach welchen Kriterien soll ein Labor die Experimente werten?“, fragt Ferdinand Tempel, Leiter der T-City-Repräsentanz in Friedrichshafen. Jedes vollzogene Experiment bringe Erkenntnis und sei damit erfolgreich.

Für Michael Lobeck ist eine Annahme ausschlaggebend für den großen Erfolg von T-City: „Die vier großen Unternehmen, das haben wir in den Befragungen festgestellt, reden jetzt weit mehr miteinander, als sie dies vorher getan haben.“

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