Digitalredakteur

Mitte der 2000er hat in England ein Prozess Einzug gehalten, der die Medienwelt revolutionieren sollte: das Online-First-Prinzip. Beim „Guardian“ und der „Times“ in London galt ab diesem Zeitpunkt, dass auch Exklusivinhalte im Netz erscheinen, noch bevor die Printausgabe gedruckt ist. In Deutschland zogen erst „Der Spiegel“ und „Die Welt“ nach - und kurz darauf viele weitere Medien.

Dieses Prinzip findet auch heute noch vielfältig Anwendung. Die Nutzer sind es gewohnt, Nachrichten möglichst schnell zu erfahren. Allerdings haben die Medien auch aus Fehlern gelernt, die in den Aufbruchsjahren des Online-First gemacht wurden. Bei tödlichen Unfällen etwa ist es wichtig, dass Autofahrer schnell erfahren, wo Strecken gesperrt sind und ob Gefahr besteht. Diese Nachrichten schicken wir auch heute möglichst schnell online. Allerdings so lange ohne Bild, bis die Polizei bestätigt hat, dass die Angehörigen der Unfallopfer informiert sind. Es gab Fälle, in denen Menschen zuerst über Medien vom Tod ihrer Angehörigen erfahren haben.

Sofort online gehen Eilmeldungen. Das können Nachrichten in Katastrophenfällen sein oder auch aktuelle politische Entwicklungen. Hier besteht kein Grund abzuwarten. Das gleiche gilt meist für „harte Nachrichten“, also eher kurze Berichte, in denen über aktuelles Geschehen informiert wird. Allerdings gelten für uns online die gleichen Standards wie für Print. Das heißt: Die Nachrichten müssen verlässlich sein, die Quellen geprüft.

Nicht jeder Text wird sofort nach Fertigstellung und Überprüfung im Internet publiziert. Lange Lesegeschichten, Hintergrundanalysen, Reportagen oder Porträts sind oft in gewissem Rahmen zeitlos. Wir spielen solche Stücke gerne am Abend aus, wenn die Nutzer sich Zeit zum Lesen nehmen können. Insgesamt ist es uns ein Anliegen, über den Tag verteilt möglichst viele relevante Texte zu publizieren. Dabei ist es wichtig, dass solche Texte sich nicht überschneiden. Auf der Webseite kann schließlich nur ein Artikel ganz oben stehen.

Manchmal ist es notwendig, einen Text mit einer Sperrfrist zu versehen, um Quellen zu schützen. Schon ein Erscheinungszeitpunkt kann Rückschlüsse auf Hinweisgeber zulassen.

In allen Fällen liegt einer Verzögerung eine journalistische Abwägung zu Grunde. Allerdings halten wir relevante Nachrichten nicht aus politischem oder ähnlichem Kalkül zurück. Das wäre ein Verrat an unserer Aufgabe.

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