Waldvogel präsentiert seine 16 Variationen von Brestling

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Autor Rolf Waldvogel plaudert im Gemeindesaal St. Nikolaus über die Sprache, ihre Herkunft und Schreibweisen. Letztgenanntes fäl
Autor Rolf Waldvogel plaudert im Gemeindesaal St. Nikolaus über die Sprache, ihre Herkunft und Schreibweisen. Letztgenanntes fällt im Schwäbischen durchaus varianatenreich aus. chen schwer ist, letztgenanntes man (Foto: Lydia Schäfer)
Schwäbische Zeitung
Lydia Schäfer

Die Gemeinschaft katholischer Männer und Frauen hat den Journalisten und Autor Rolf Waldvogel in den Gemeindesaal St. Nikolaus eingeladen. Ein Abend, in dessen Mittelpunkt die Sprache stand: die Schwäbische als solche und die Deutsche insbesondere.

Rolf Waldvogel, ehemaliger Chef der Kulturredaktion der Schwäbischen Zeitung, ist für seine „Sprachplaudereien“ bekannt. Preschtling, Bretschling? Oder doch Präschtling? Wie wird es denn nun geschrieben? „Ich habe bei meinen Recherchen 16 Varianten gefunden“, sagt Rolf Waldvogel, der sich aufgrund der E-Mail eines Lesers auf die Suche nach den Schreibmöglichkeiten der schwäbischen Erdbeere gemacht hat.

Seit 2002 gibt es die Sprachplaudereien in der SZ. Mittlerweile ist Waldvogel zwar im Ruhestand, aber die Sprachplaudereien lassen ihn nicht los. Seine Glossen füllen ganze Bücher. Nachdem „Wortsalat mit Wurstersoße“ im Jahr 2009 erschien, gibt es „Des Pudels Kern“ seit Oktober vergangenen Jahres. Ein unterhaltsames Lehrwerk, in dem der Autor auf humorvolle und tiefgründige Weise der deutschen Sprache nachgeht und den Blick vor allem auf die Feinheiten legt.

Er bezeichnet sich als neugierig und sagt von sich: „Ich mag meine Sprache“. Er möchte wissen, woher ein Wort kommt, auf wessen Ursprung es zurückgreift und welche Bedeutung es hat. „Ich verspüre auch einen gewissen pädagogischen Auftrag“, bekennt er. In der heutigen Zeit, sei die Sprache oft überlastet. Als Ursachen benennt er zum einen die digitalen Medien, die die Schriftlichkeit verändere. Bei Kurzmitteilungen würde oft nur in Abkürzungen geschrieben und die Interpunktion werde völlig vernachlässigt. „Wir leben nicht nur in einer post-faktischen Zeit, sondern auch in einer post-orthografischen“. Zum anderen stifte die Rechtschreibreform mehr Verwirrungen, als das sie für Klarheit sorge und drittens würden Anglizismen verwendet, die in vielerlei Hinsicht im Sprachgebrauch nicht richtig seien.

Er nahm Sprichwörter und Todesanzeigen unter die sprachliche Lupe. Letztere mit dem Appell an Bestattungsunternehmen auf ihre Anzeigenvorschläge doch ein kritisches Auge zu werfen. Denn wenn „nach langer schwerer Krankheit nehmen wir Abschied von unserem geleibten Vater“ zu lesen sei, sollte sich der Leser schon fragen, wer denn hier krank gewesen sei. Eben diese Feinheiten sind es, die Waldvogels Texte auszeichnen.

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