Vor dem Frühstück „mal kurz“ über den See

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40 Teilnehmer zwängen sich frühmorgens in Neoprenanzüge und machen sich auf zur Bodensee-Querung.
40 Teilnehmer zwängen sich frühmorgens in Neoprenanzüge und machen sich auf zur Bodensee-Querung. (Foto: kathrin adamski)
Schwäbische Zeitung

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Der Mond glitzert noch auf dem spiegelglatten Bodensee, ein leichter Dunstschleier liegt über dem Wasser. Es ist 5:30 Uhr am Bodensee. Die Stadt schläft noch. Nur an der Mole der Friedrichshafener Schlosskirche herrscht an diesem Samstagmorgen bereits reges Treiben. Aufregung liegt in der frischen Morgenluft und das aus gutem Grund: 40 Schwimmer wollen den Bodensee überqueren – von Freidrichshafen nach Romanshorn.

Die Teilnehmer zwängen sich in Neoprenanzüge, packen Proviant in Beutel, pusten Sicherheitsbojen auf und testen ein letztes Mal, ob die Schwimmbrille richtig sitzt. Sie alle haben heute ein großes Ziel: die etwa elf Kilometer lange Strecke schwimmend zu bewältigen. Bodensee-Openwater-Querung nennt sich die Veranstaltung.

Die Idee dazu hatten die Freiwasserfans Patrick Boche und Jörg Baumann, die das Schwimm-Event zum dritten Mal organisieren. Das Ziel: mehr Menschen fürs Freiwasserschwimmer zu begeistern. Und das ist ihnen gelungen. Denn mit so vielen Teilnehmern hatten die beiden laut Pressemitteilung nicht gerechnet.: „Wir haben 2015 das erste Mal zu dritt aus Spaß den See durchquert. Das hat uns so begeistert, dass wir daraus ein Event für mehr Leute machen wollten. Im letzten Jahr haben wir die Querung dann zum ersten Mal angeboten und hatten zehn Teilnehmer. Dass wir heute so viele Teilnehmer schwimmend über den See bringen dürfen, ist natürlich klasse“, freut sich Jörg Baumann.

Die beiden haben die Querung professionell organisiert. Fünf Boote der DLRG begleiten die Schwimmer, die in unterschiedlichen Gruppen – je nach Geschwindigkeit – den See queren. Sie haben Verpflegung an Bord, weisen den Weg und stehen auch im Notfall für medizinische Betreuung zur Verfügung. Doch die werden sie heute nicht brauchen, denn alle Teilnehmer haben sich bestens für das Abenteuer Bodenseequerung vorbereitet.

Pünktlich mit dem Sonnenaufgang gleiten die Teilnehmer ins 26 Grad warme Wasser. Einige wagen in diesem Jahr die Querung ohne Neoprenanzug. Eine zusätzliche Herausforderung. Noch ist es windstill, die Wasseroberfläche ist glatt. Ideale Bedingungen, um vier bis fünf Stunden im Wasser unterwegs zu sein. „Wichtig ist“, weiß Patrick Boche, „dass man sich die Kräfte gut einteilt. Denn zehn Kilometer im Wasser sind wie ein Marathon auf der Straße.“

In vier Gruppen mit unterschiedlichen Leistungsniveaus schwimmen die Athleten. Zwischendurch wird gemeinsam Pause gemacht. Wer seine Kraftreserven aufgebraucht hat, kann sich von den Helfern der DLRG Kraftriegel, Bananen oder isotonische Getränke reichen lassen. Die Verpflegung findet selbstverständlich schwimmend statt. Ausruhen auf dem Boot gilt nicht. Ein kurzer Blick über den noch leeren See in Richtung Sonnenaufgang, einen Moment die Besonderheit des Augenblicks genießen, dann geht es weiter: Armzug, Beinschlag, Atemzug, Armzug, Beinschlag, Atemzug.

Zwischendurch müssen sich die Schwimmer orientieren: Wo sind die Boote, wo sieht man in der Ferne das Ziel? „Den Rhythmus zu finden und gleichzeitig die Orientierung zu behalten, braucht viel Konzentration und Kraft. Und schließlich muss man auch mental fit sein, denn eine so lange Zeit allein mit sich, seinem Körper und dem Kopf unter Wasser, das muss man schon aushalten können, sagt Patrick Boche lachend während einer Pause. Er schwimmt in diesem Jahr selbst auch wieder mit.

Nach rund zwei Stunden haben sich die Gruppen auseinandergezogen. Einige brauchen ein paar mehr Pausen, andere schwimmen durch, um den Rhythmus beizubehalten. Jetzt haben die Helfer der DLRG mit ihren Begleitbooten alle Hände voll zu tun. Das Feld im Blick behalten, schauen, dass alle Athleten den Weg finden, auf den Bootsverkehr achten, auf Strömungen im Wasser hinweisen, den Zustand der Athleten beobachten, um im Notfall eingreifen zu können. Denn für einige Schwimmer beginnt jetzt die harte Phase der Querung. Wenn die Muskeln müde werden, Krämpfe in den Waden am Weiterschwimmen hindern, heißt es kämpfen. Doch aufgeben will und wird hier keiner. Zu groß ist die Faszination und der Gedanke, durch reine Muskelkraft den Bodensee zu bezwingen. Und so steigen nach knapp drei Stunden die ersten drei Schwimmer in Romanshorn aus dem Wasser. Jeanette Seitz aus Ulm ist als erste Frau dabei, begleitet von Klaus Liedtke aus Endingen und Jörn aus München. Für Jürgen Müller-Wolff aus Fridewald dauert das Rennen noch gute zwei Stunden länger. Er ist mit 73 Jahren der älteste Teilnehmer und erklimmt unter tosendem Applaus in Romanshorn das Ufer. „Freischwimmen ist eben ein Sport, der keine Grenzen kennt – weder die eigenen, noch Altersgrenzen noch Grenzen zwischen Ländern.“ erklärt Jörg Baumann, der sich freut, dass alle ihr Ziel gesund erreicht haben: einmal schwimmend den Bodensee durchqueren.

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