Freuen sich auf die Zukunft (von links): Harald Dämpfle (ZF), Landrat Lothar Wölfle, Philipp Braunsdorf (NOW GmbH, Bundesverke
Freuen sich auf die Zukunft (von links): Harald Dämpfle (ZF), Landrat Lothar Wölfle, Philipp Braunsdorf (NOW GmbH, Bundesverkehrsministerium), Matthias Benz (Senior Vice President und Leiter Vertrieb ZF) und Moderator Bernhard Schultes (Netzwerk Oberschwaben). (Foto: Thomas Kapitel)
Schwäbische Zeitung
Thomas Kapitel

Weitere Informationen gibt es im Internet unter

www.emobil-im-sueden.de

Im Jahr 2021 könnte schon jede zweite Neuzulassung keinen Fahrer mehr brauchen: Wenn es nach den aktuellen Marktprognosen aus China geht, gehört den autonom fahrenden Autos die allernächste Zukunft. Auch wenn es beim zweiten E-Mobility-Forum des Bodenseekreises am Dienstag in Friedrichshafen vornehmlich um Akku- und Hybridtechnik ging: Die Vision von kostenfreien Robotaxis, die bald unsere Innenstädte beherrschen, war zum Greifen nahe.

Nun liegt der Bodenseekreis bei E-Mobilität ja schon gut im Rennen: mit 34 Ladestationen, 442 zugelassenen E-Fahrzeugen und 838 Hybriden. Angesichts von 175 278 konventionellen Fahrzeugen sei da aber „noch Luft nach oben“, fand Landrat Lothar Wölfle bei der Begrüßung der 150 Teilnehmer im neuen ZF-Forum in Friedrichshafen. Matthias Benz, Senior Vice President und Leiter Vertrieb im ZF-Konzern, leitete über zu Harald Dämpfle, der für ZF die Nutzer der E-Mobilität schult. Und das mit steigendem Bedarf und Anspruch: Die Qualifikation der Zielgruppen, etwa bei Rettungskräften, schafft jetzt schon neue Trainingsangebote und Geschäftsmodelle.

Reichweite der Batterie steigt

Nach wie vor bleibt die Wasserstoff- und Brennstoffzelle eine Alternative zum E-Antrieb, erklärte Philipp Braundorf von der NOW GmbH: Besonders, wenn es um längere Reichweiten und kürzere Lade-/Tankzeiten gehe, sei Wasserstoff im Moment noch die bessere Wahl. Währenddessen wird die Packdichte der Batteriespeicher von Jahr zu Jahr höher: Laut Markus Michelberger von der Ravensburger Niederlassung der Akasol GmbH, hätten die neu entwickelten Akkus für Busse, Nutz- und Schienenfahrzeuge nicht nur deutlich mehr Energie und Reichweite zu bieten, sondern auch mehr Sicherheit und Umweltfreundlichkeit. Die neuen Lithium-Ionen-Akkus kämen mit wesentlich weniger Rohstoffen aus Seltenen Erden aus.

Was tun, wenn’s doch mal knallt und brennt? Schnell reagieren und mit viel Wasser kühlen, rät Rainer Wenke. Der Feuerwehr-Fachberater aus Reutlingen zeigte feurige Einsatz- und Versuchsvideos von Lithium-Ionen-Akkus, die durchgehen und gab Tipps zur Prävention direkt an den Ladestationen im Betrieb und zu Hause, denn auch E-Bikes sind hiervon betroffen.

Derzeit sind weltweit 1,2 Millionen Autos bereits mit dem Internet vernetzt. Wenn es im Jahr 2020 rund 190 Millionen Autos sein werden, wie ZF-Experte Gilberto de Oliveira prophezeit, dann ist es nicht mehr weit zum Durchbruch des Autonomen Fahrens. In Silicon Valley seien bereits 80 Start-Up-Unternehmen in diesem Bereich tätig, in China weitere 50 der „New Automotive Companies“. So seien es auch die Chinesen, die Voraussagen, dass 2021 weltweit jede zweite Neuzulassung ein autonom fahrendes Modell sei. Die Vision sei lohnend: Wenn der Fahrer wegfalle, der bislang 60 Prozent der Betriebskosten ausmache, dann würden Taxis wesentlich billiger und der Markt unvergleichlich größer. Schon in naher Zukunft könne man dann am Stadtrand sein Auto ins Parkhaus stellen und mit Robotaxis individuell in die abgasfreien Innenstädte fahren.

Friedrichshafen ist vorne dabei, die ersten Prototypen fahren bereits autonom (aber mit einem „Fahrer“ zur Sicherheit an Bord) auf einer Teststrecke. David Pietsch von IWT-Bodensee führte mit einem Video vor, dass die 5,5 Kilometer durch Friedrichshafen alles aufweisen, was im Stadtverkehr vorkommen kann – von Radspuren über Kreisverkehre bis zum Tunnel. Über Mittag konnten sich die Teilnehmer in fünf Referaten über Landes-Förderprogramme und Geschäftsfelder in Sachen E-Mobilität, E-Carsharing und Sicherheit informieren.

Das Fazit des zweiten E-Mobility- Forums: Die Technologie zum E-Antrieb entwickelt sich rasant und Autonomes Fahren wird sich wohl früher durchsetzen, als von vielen angenommen. Der Bodenseekreis wird dabei unter den Vorreitern sein. Philipp Braunsdorf bedankte sich im Namen des Bundesverkehrsministeriums bei Landrat Lothar Wölfle und ermutigte den Landkreis, auch weiterhin die Vorreiterrolle im Süden einzunehmen.

Das dritte Forum ist für Herbst 2019 geplant, 2020 soll die vierte Auflage im Rahmen der E-Mobilitätstage auf der Landesgartenschau in Überlingen folgen. Wenn die Prognosen stimmen, könnten dann schon einige Teilnehmer „autonom“ angefahren kommen.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter

www.emobil-im-sueden.de

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