Vierjährige verschwindet im Museum und löst Polizeieinsatz aus

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Die vierjährige Laura wird nach über zwei Stunden von der Polizei zurück zum Museum gebracht.
Die vierjährige Laura wird nach über zwei Stunden von der Polizei zurück zum Museum gebracht. (Foto: Konrad Kaufmann)

Ein Ausflug an den Bodensee endete in der vergangenen Woche für die Familie Kaufmann beinahe in einem Drama. Die vierjährige Tochter Laura war im Zeppelin-Museum plötzlich verschwunden. Museums-Mitarbeiter und Polizei suchten mit der Familie, bis nach über zwei Stunden einer Studentin der Zeppelin-Universität das Kind an der Olgastraße auffiel und sie die Polizei verständigte. Jetzt will Laura Polizistin werden.

Es sollte ein Familienausflug werden, wie ihn die Familie schon oft unternommen hat. Ziel ist diesmal Friedrichshafen und das Zeppelin-Museum. In dem Museum verschwindet die vierjährige Laura jedoch plötzlich, die Familie beginnt, das Museum zu durchsuchen. Nach 45 Minuten wenden sich die Eltern an das Museums-Personal und bitten um Hilfe.

Annette Pomesny, Oberaufsicht im Museum, hat in diesem Moment alle Hände voll zu tun mit einem Notfall. Der Rettungsarzt ist bereits auf dem Weg zu einem ihrer Kollegen, dem es sehr schlecht geht. „Ich habe mitbekommen, dass die Kollegen den Eltern sofort geholfen haben, das Kind zu suchen“, sagt sie heute und erinnert sich an die dramatische Situation damals. Die Mitarbeiterin an der Kasse, Ingrid Müller, verständigt sofort die Polizei, die auch gleich einen Streifenwagen schickt.

Die Direktorin des Zeppelin-Museums, Claudia Emmert (rechts), bedankt sich bei ihrem Team und der ZU-Studentin Mira Weber (links
Die Direktorin des Zeppelin-Museums, Claudia Emmert (rechts), bedankt sich bei ihrem Team und der ZU-Studentin Mira Weber (links), die das vermisste Kind gefunden hat. Im Bild Annette Pomesny, Elisabeth Schmidt, Elfriede Ludwig, Ingrid Müller und Ursula Eibler (Museums-Personal), Clemens Horn (Studentischer Senator der ZU) und Charlotte Ickler (Volontärin im Museum). (Foto: Ralf Schäfer)

„Wir haben das Museum förmlich auf den Kopf gestellt“, sagt Ingrid Müller. In jedem Schrank, hinter jedem Regal, vom Turm bis in die Katakomben, habe man jeden Winkel durchsucht. Ohne Erfolg. Als dann der Rettungswagen zum Museum kommt, fährt den Museums-Mitarbeiterinnen, die noch nichts von dem Notfall des eigenen Kollegen wissen, der Schreck gewaltig in die Glieder. „Wir haben uns Gedanken gemacht, ob das Kind in den See gefallen sein könnte, ob es gar mit einem anderen Menschen mitgegangen sein könnte. Als dann zwei ältere Damen laut darüber nachdachten, ob das Kind mit der Fähre gefahren sein könnte, dachten wir, sie nicht wieder zu sehen“, erzählt Ingrid Müller. Doch dann kommt der zweite Polizeiwagen und bringt das Kind zurück.

Laura hatte das Museum verlassen und war in der Stadt umher gelaufen. Die Eltern vermuten, dass „sie der Meinung war, dass wir bereits herausgegangen sind“.

Laura läuft weiter, die Vierjähige kommt bis zum Graf-Zeppelin-Haus und will dort über die Straße gehen, als eine Studentin der Zeppelin-Universität auf sie aufmerksam wird. Mira Weber ist seit zwei Wochen in Friedrichshafen und beginnt hier ihr Master-Studium. Sie ist auf dem Weg zum Zeppelin-Museum zu einer Veranstaltung für die Erstsemester.

Polizei schickt Streifenwagen

„Das Kind war völlig verwirrt, es kannte nur seinen Vornamen und wusste auch nicht wo es wohnt“, erinnert sich die Studentin. Sie hat die kleine Laura bis zum nächsten Spielplatz begleitet, weil dort angeblich die Eltern seien. Als Mira Weber dort aber niemanden sieht, der ein Kind vermisst, wendet sie sich an zwei Frauen, die auf einer Bank sitzen. Ihr eigenes Handy ist defekt und sie ruft die Polizei an.

Das Kind war völlig verwirrt, es kannte nur seinen Vornamen und wusste auch nicht wo es wohnt“

Dort ist nach dem zweiten Hinsehen auch die Vermisstenmeldung bekannt und ein weiterer Streifenwagen macht sich auf den Weg ans Bodensee-Ufer. Dort wird das Mädchen eingesammelt und zum Museum gebracht. Die guten Nachrichten konnte die Studentin selbst überbringen, sie kommt mit dem Fahrrad schneller bei der Familie an und kann die Eltern beruhigen.

Zweieinviertel Stunden hat das Drama gedauert, dann löst sich die Spannung auf. Als erstes bricht der Bruder von Laura, der achtjährige Lukas vor Erleichterung in Tränen aus. „Und als alle weg waren, sind auch bei uns die Tränen gelaufen“, erzählt Annette Pomesny.

Das Zeppelin-Museum hat Post von den Eltern bekommen, sie schicken Bilder und bedanken sich herzlich bei den Mitarbeitern und der Studentin. Und der studentische Kanzler der Zeppelin-Universität, Clemens Horn, bescheinigt der neuen Kommilitonin ein überaus erfreuliches soziales Engagement. Eine Eigenschaft, die die Studenten der ZU immer wieder auszeichne. Nicht umsonst seien fast 60 sozial engagierte Gruppen an der Uni unterwegs.

Museumschefin Claudia Emmert dankt ihren Mitarbeitern: „Ich bin stolz, ein solch tolles Team zu haben, das viel mehr gegeben hat, viel mehr getan hat, als es die Vorschriften besagen.“

Laura will heute Polizistin werden und anderen Kindern so helfen, wie ihr geholfen wurde.

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