Vier Millionen Euro hat die Stiftung „Gutes mit Schönem verbinden“ für caritative Zwecke gesammelt und damit rund 120 Projekte unterstützt. Beim 25. Gartenfest im Schloss Friedrichshafen zeigten sich die etwa 250 Gäste erneut spendabel und legten 200 000 Euro drauf – für Organisationen, die schon 1985 bedacht wurden.

Von unserem Redakteur  Anton Fuchsloch

Nachhaltige Hilfe, Kontinuität und Transparenz – mit diesen Stichworten umschrieb Carl Herzog von Württemberg die Intention, unter der die Stiftung Projekte im In- und Ausland fördert. Das Geld wird jedes Jahr beim Gartenfest gesammelt, wobei mindestens 300 Euro pro Gast erbeten sind. Die Geladenen sind Freunde des Hauses Württemberg, Geschäftspartner, Unternehmer, Politiker, Vertreter der Kirchen – kurzum Menschen, die „gnug hend, was hergebe kennet und es trotzdem zum Roschtbrate reicht“, wie der Chef der Schwäbischen Bank, Peter Linder, sagte. Er ist neben Herzog Carl seit 25 Jahren Spiritus Rektor und Motor der Stiftung. 7500 Gäste haben seither daran teilgenommen, darunter die Bundespräsidenten Herzog und Köhler und zweimal Königin Silvia von Schweden.

Was 1985 im kleinen Kreis mit rund 30 Gästen und einem Erlös von 36 000 Mark begann, habe sich zu einer Tradition, ja Institution entwickelt, sagte Carl Herzog von Württemberg. Was die Benefiz-Gartenfeste „Gutes mit Schönem verbinden“ von anderen Charity-Events unterscheide, sei vor allem das „Mit- und Füreinander, basierend auf unserer christlichen Wertegemeinschaft“.

Nicht von ungefähr beginnen die Gartenfeste jedesmal mit einem ökumenischen Gottesdienst, den meist die höchsten Repräsentanten der Landeskirche und der Diözese zelebrieren. Am Samstag standen Landesbischof Frank O. July und Diözesanbischof Gebhard Fürst gemeinsam vor dem Altar, musikalisch begleitet vom Onnen-Chor aus Stuttgart und einer Musikgruppe aus Bolivien. Die von der Stiftung geförderten Projekte seien „Hoffnungszeichen auf Erfüllung inmitten aller Unerfülltheit, Brücken inmitten vieler Abbrüche“, sagte July in seiner Predigt. Ob MS-Kranke oder Schmerzpatienten hierzulande, Straßenkinder in Bolivien oder sozial Benachteiligte in Guatemala, „unsere Hilfe ist Ausdruck der Sehnsucht, Hoffen und Bitten, dass nicht alles so bleibt wie es ist“.

Pragmatischer drückte es der Schwäbische-Bank-Chef mit Jean Anouilh aus: „Die Dinge sind nie wie sie sind. Sie sind immer das, was man aus ihnen macht“. EU-Kommissar Günther Oettinger, der sich abends unter die Gäste mischte, sprach von einer „grandiosen Aktion“. Jeder Einzelne werde künftig noch mehr mithelfen müssen, die wachsenden sozialen Aufgaben zu finanzieren. Im Klartext heiße das: „Wer nicht spendet, wird mit höheren Steuern bestraft“, sagte Oettinger. Mit dem Erlös des Jubel-Gartenfestes werden diesmal vier Organisationen untersützt: IGER, ein von Pater Franz Graf von Tattanbach SJ 1979 ins Leben gerufenes Bildungsprojekt in Guatemala, das sich vor allem um die arme Landbevölkerung kümmert und 45 000 Schüler zählt.

Von Anfang an gehört der AMSEL-Förderkreis Ursula-Späth-Stiftung zu den Begünstigten. Die Gattin des ehemaligen Ministerpräsidenten hatte 1985 mit großem persönlichen Einsatz die Selbsthilfeorganisation von Multiple-Sklerose-Erkrankten aus einer prekären Finanzlage gerettet. Heute unterstützt ihre Stiftung die rund 13 000 MS-Kranken im Land.

Pfarrer Josef Neuenhofer kümmert sich seit 18 Jahren um die Ärmsten der Armen in Bolivien: Straßenkinder, die ihrer Kindheit beraubt ohne emotionale Stabilität aufwachsen und keine Zukunft haben. Ein Weltverbesserer sei er nicht, und er bedaure, dass er die Strukturen des Landes nicht ändern könne. Er halte sich an Mutter Theresa: Wenn auf unserer maroden Erde nur ein Kind weniger leidet, ist die Welt ein bisschen besser“. Der Vierte im Bunde ist die Palliativmedizinische Station am Paul-Lechler-Krankenhaus in Tübingen. Hier werden nicht nur Krebspatienten im Endstadium behandelt, sondern immer mehr alte Menschen mit unheilbaren Beschwerden. In „normalen“ Krankenhäusern haben sie keinen Platz mehr, Vergütungspauschalen grenzen sie aus. Um eine langfristige Behandlung und Pflege dieser Patienten zu ermöglichen, sei Hilfe von außen unabdingbar, sagte Johannes-Maria Hahn.

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