„Vieles wird greifbar, wenn man sich engagiert“

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Die Studenten Lara Kroesen und Wolf-Michael Dieter haben Spaß beim Räder reparieren.
Die Studenten Lara Kroesen und Wolf-Michael Dieter haben Spaß beim Räder reparieren. (Foto: Felix Kaestle)
Schwäbische Zeitung

Lara Kroesen und Wolf-Michael Dieter haben sich beim Informatik-Studium am Technikcampus Friedrichshafen der DHBW Ravensburg kennengelernt. Sie engagieren sich in der 2015 gegründeten Fahrradwerkstatt, einer Initiative im Helferkreis Asyl St. Columban, in der gemeinsam mit Geflüchteten gebrauchte Fahrräder wieder flott gemacht werden. Wolf-Michael Dieter arbeitet inzwischen bei Airbus und macht seinen berufsbegleitenden Master, Lara Kroesen sattelt mit Freizeitwirtschaft ein zweites DHBW-Bachelorstudium drauf, heißt es in einem Schreiben der Universität.

„Als 2015 viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen, haben wir uns gefragt, wie wir helfen können und was wir tun können“, sagt Kroesen. Dieter hat damals eine Infoveranstaltung des DRK besucht und ist so zur Fahrradwerkstatt gekommen, die Flüchtlingen hilft, Räder wieder fahrtüchtig zu machen. Beide sind fahrradbegeistert, die Kombination passte, seitdem sind sie dabei. „Vieles wird greifbar, wenn man sich engagiert“, sagt die Studentin. „Die Fahrradwerkstatt bietet eine gute Möglichkeit, bei der großen Herausforderung der Flüchtlingssituation mitzuhelfen. Außerdem macht das Reparieren von Fahrrädern Spaß und vermeidet unnötigen Müll. Fahrradfahren ist sowieso eine gute Sache“, sagt Dieter.

„Wir erleben in der Fahrradwerkstatt viele verbindende Momente“, sagt Kroesen. „Dorthin kommen Geflüchtete und Asylbewerber aus unterschiedlichen Ländern, da gibt es keine Berührungsängste.“ Mit den Kindern erleben die beiden die wenigsten Sprachbarrieren. „Die Kinder wollen nach anfänglicher Schüchternheit meistens mit anpacken, das Werkzeug in die Hand nehmen, sich schmutzig machen, Fragen stellen, etwas lernen“, sagt Dieter.

Bei den Erwachsenen müssen die Helfer hin und wieder das Missverständnis ausräumen, „dass wir keine Dienstleister sind. Manche Kulturen kennen kein Ehrenamt, weil die Menschen sich dort eher in großen Familienverbänden einbringen“, sagt der Student. Immer wieder erlebten sie auch Menschen, die Hilfe bei einer Reparatur brauchen und dann woanders mitanpacken. „Das ist genau das Prinzip der Fahrradwerkstatt. Ein Beispiel ist unser Freund und Kollege Abdul. Er hat ein ganzes Jahr lang mitgeholfen, jetzt ist er im Job, zum Glück für ihn“, sagt Dieter.

Die meisten anderen Engagierten in der Fahrradwerkstatt sind älter – die beiden Studenten fühlen sich dennoch rundum wohl. „Alle haben uns gut aufgenommen und wir profitieren von ihrer Erfahrung. Ich glaube sogar, die Älteren freuen sich über uns Jüngeren“, sagt Kroesen. Einige der gespendeten Fahrräder haben ein Baujahr vor ihrer Geburt, echte Liebhaberstücke. „Da ist die Technik manchmal eine ganz andere. Aber wenn man einen Kollegen fragt, dann macht das richtig Spaß, das zusammen auszutüfteln und zu reparieren“, sagt Dieter. Und bei der Digitalisierung ist das genau andersrum. Ein Beispiel ist die WhatsApp-Gruppe der Fahrradwerkstatt, einige der Engagierten sind dadurch vielleicht sogar erstmals digital unterwegs. Ein echter Wissenstransfer.

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