Viele Orte am Bodensee haben immer noch schlechtes Internet

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Glasfaserkabel an einem Verteilknoten für schnelles Internet: Nicht überall im Bodenseeraum kommen Bits und Bytes schnell genug
Glasfaserkabel an einem Verteilknoten für schnelles Internet: Nicht überall im Bodenseeraum kommen Bits und Bytes schnell genug ans Ziel. (Foto: Daniel Reinhardt)
Schwäbische Zeitung
Heinz Kelvin Esser

Schnelles Internet steht im Bodenseekreis immer noch nicht allen Bewohnern flächendeckend zur Verfügung. Mittlerweile sollten 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) Standard sein. Aber in einigen Fleckchen im Kreis gibt es nicht einmal einen Zugang mit mageren 16 Mbit/s. Es trifft vor allem die ländlichen Gebiete.

Zuerst die gute Nachricht: Der Ausbau schnellen Internets in den ländlichen Gebieten schreitet immer mehr voran. In einzelnen, früher vom Internet fast abgeschnittenen Gebieten der Region hat sich schon etwas getan. Anfang 2017 hat zum Beispiel der Breitbandausbau per Glasfasertechnik in Meersburg, Unteruhldingen-Mühlhofen, Stetten und Daisendorf begonnen. Der Ausbau soll laut Verbandsvorsitzenden Martin Brütsch zwischen 3,5 und vier Millionen Euro kosten.

Auch die Gemeindeverwaltung von Kressbronn plant den Internet-Ausbau für ländliche Ortschaften der Gemeinde ab Herbst 2018. So soll es von Gottmannsbühl bis Gattnau und weiter von Poppis bis Kümmertsweiler den Turbo fürs Internet geben. Auch für Gohren ist ein Ausbau geplant.

Laut Bundesregierung hat der Bund mit Förderprogrammen für schnelles Netz bislang 75 Prozent aller Haushalte der Republik mit mindestens 50 Mbit/s versorgen können. Bis Ende 2018 sollten eigentlich alle Haushalte schnelles Internet nutzen können - doch das dürfte trotz vier Milliarden Euro an Fördermitteln kaum machbar sein.

Das 2016 von der Bundesregierung verabschiedete „Gesetz zur Erleichterung des Ausbaus digitaler Hochgeschwindigkeitsnetze“ stellt immerhin schon sicher, dass mittlerweile moderne Glasfaserleitungen bei der Erschließung von Neubaugebieten verlegt werden müssen.

Außerdem hat die von der Bundesregierung initiierte „Netzallianz Digitales Deutschland“, ein Zusammenschluss von Telekommunikationsunternehmen, vor, bis 2025 rund 100 Milliarden Euro in den bundesweiten Ausbau des Breitbandnetzes zu investieren.

Laut dem neuen Koalitionsvertrag der Großen Koalition soll das Gigabit-Netz mit Glasfasern bis 2025 flächendeckend in ganz Deutschland ausgebaut werden. Vor allem Schulen, Gewerbegebiete und soziale Einrichtungen in der Trägerschaft der öffentlichen Hand sollen an das Glasfasernetz angebunden werden.

Trotz dieser Bemühungen gibt es aber immer noch zahlreiche weiße Flecken auf der Karte des Glasfasernetzausbaus. Schwäbische.de hat deshalb einmal alle Ortschaften des Bodenseekreises zusammengestellt, die Stand jetzt noch mit weniger als 16 Mbit/s surfen können (die Liste gibt folglich auch keine Ausbaupläne an).

Die Informationen stammen weitgehend aus dem Breitbandatlas des Verkehrsministeriums, enthalten aber auch Korrekturen und Angaben aus weiteren Quellen. Es kann an einzelnen Orten zu Abweichungen kommen, wenn der Breitbandatlas noch nicht alle notwendigen Informationen enthält.

Hier der komplette Überblick:

In den folgenden Orten stehen weniger als zehn Prozent der Haushalte 16 Mbit/s zur Verfügung: Auf dem Gebiet der Gemeinde Friedrichshafen liegt eine Unterversorgung vor allem im Gebiet nördlich von Ettenkirch vor. Zu den betroffenen Ortschaften gehören Krehenberg, Blankenried, Wannenhäusern, Batzenweiler, Bettenweiler, Ellenweiler, Lempfriedsweiler und Appenweiler. Auch die Haushalte der Ortschaft Weilermühle nördlich von Ittenhausen und des Eichenmühlewegs sind davon betroffen.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Meckenbeuren tritt das Problem zum Beispiel im Westteil der Gemeinde zwischen Ettenkircher Straße und Zanderweg, im Nordteil zwischen Schenkendorfstraße und Schillerstraße, im Ostteil zwischen Karl-Maybach-Straße und Dieselstraße, im Westteil von Kehlen und in den Ortsteilen Gerbertshaus, Lochbrücke, Sammletshofen und Sibratshaus auf, sowie in der benachbarten Ortschaft Kau mit den Teilen Walchesreute und Pfingstweid, die zur Gemeinde Tettnang gehört.

Tettnang, Neukirch, Oberteuringen

In den Höfen, Weilern und Dörfern im Ostteil der Gemeinde Tettnang haben die meisten Gemeinden keinen Zugang zu 16 Mbit/s. Dazu gehören zum Beispiel die Weiler Biggenmoos, Obereisenbach, Krumbach und Siggenweiler und die Dörfer Tannau, Laimnau und Hiltensweiler.

In Neukirch und in den Ortschaften Goppertsweiler, Bernried, Elmenau, Matzenweiler, Uhetsweiler, Oberrussenried, Mehetsweiler, Unterrussenried, Wittenberg, Bechenhütten, Vorder- und Hinteressach gibt es bereits schnelles Internet ab 16 Mbit/s. In Wildpoltsweiler, Unterlangensee, Summerau, Flunau, Reisenbronn, Lustensbach, Blumegg, Gunzenweiler, Ebersberg, Schnaidt, Zannau, Landolz, Hinterburg, Oberlangensee und Aberlingsbühl allerdings nicht.

Während Oberteuringen fast flächendeckend versorgt ist, haben weniger als zehn Prozent der Haushalte im Ortsteil Unterteuringen Zugang zu 16 Mbit/s.

Eriskirch, Langenargen, Kressbronn

In der Gemeinde Eriskirch sind die Ortsteile Wolfzennen, Gmünd und Moos betroffen. Auf dem Gebiet der Gemeinde Langenargen trifft es vor allem die Ortschaft Oberdorf und die Haushalte zwischen Oberdorfer Straße und Kanalstraße. In Kressbronn sind der Ortsteile Tunau, Poppis, Kümmerstweiler, Hüttmannsberg, Gottmannsbühl, Nitzenweiler, der Westteil von Gattnau und Schleinsee betroffen.

Meersburg, Markdorf, Immenstaad, Hagnau, Stetten

In der Gemeinde Meersburg ist das Netz für Breitbandinternet ab 16 Mbit/s nur in den Haushalten zwischen der Steigstraße und der Uferpromenade schlecht ausgebaut. Die Mehrzahl der Bewohner der Ortschaften Baitenhausen, Schiggendorf und Riedetsweiler muss bis heute auf schnelles Internet verzichten.

In der Gemeinde Markdorf sind die Ortschaften Wangen, Riedern, Reute, Bergheim, Stehlinsweiler bei Ittendorf und Bürgberg betroffen, sowie die südlichen Teile der Ortschaft Riedheim.

Immenstaad und seine Ortsteile Kippenhausen und Frenkenbach sind größtenteils gut versorgt. In Hagnau ist die Situation ähnlich gut. In der Gemeinde Stetten ist das Netz an der Schulstraße und am Haslacher Weg ausbaufähig - andere Ortsteile sind mittlerweile gut versorgt.

Daisendorf, Unteruhldingen-Mühlhofen, Salem

In der Gemeinde Daisendorf ist es dagegen umgekehrt. Der größte Teil der Haushalte zwischen Schützenstraße und Höhenweg hat keinen Zugang zu Breitbandinternet ab 16 Mbit/s.

In Unteruhldingen-Mühlhofen hängt der Zugang zum schnellen Internet davon ab, wo man wohnt: In Oberuhldingen wird man selten Probleme bekommen, während in Mühlhofen und im südöstlichen Teil von Unteruhldingen der Zugang zu schnellem Breitbandinternet ausgebaut werden sollte.

Das Netz in der Gemeinde Salem ist unterschiedlich gut ausgebaut. Während die Haushalte in Beuren, Stefansfeld, Weildorf, Buggensegel, Grasbeuren, Mimmenhausen, Leutkirch, Mittelstenweiler und Oberstenweiler Zugang zu schnellem Internet haben, sollte es in Neufrach, Binzwangen, Wespach, im Schloss Salem und in den östlichen Teilen von Stefansfeld ausgebaut werden.

Deggenhausertal, Bermatingen, Heiligenberg

Die Situation im Deggenhausertal ist ähnlich der der Ortschaften in der Gemeinde Tettnang. Während die Dörfer Wittenhofen, Homberg und Urnau gut versorgt sind, sind die Dörfer Lellwangen, Deggenhausen, Obersiggingen, Untersiggingen, Limpach, Mennwagen, Grünwangen, Wendlingen, Harresheim und Roggenbeuren schlecht versorgt.

Sowohl in Bermatingen als auch in Ahausen ist das Netz für 16 Mbit/s gut ausgebaut. Nur in Autenweiler und Wiggenweiler muss das Netz auf dem Gebiet der Gemeinde ausgebaut werden.

In Heiligenberg ist der Ausbau größtenteils abgeschlossen. Die kleineren Ortschaften der Gemeinde wie Wintersulgen, Röhrenbach, Betenbrunn, Echbeck, Rickertsreute und Ober- und Unterrhena haben nur langsames Internet.

Überlingen, Frickingen, Owingen, Sipplingen

Fast im gesamten Stadtgebiet von Überlingen von Goldbach bis Nussdorf und in den Ortsteilen Lipperstreute, Ernatsreute und im Ostteil von Deisendorf ist der Zugang zu schnellem Internet verfügbar. In den Ortsteilen Bonndorf, Nesselwangen, Hödingen, Aufkirch, Andelshofen, Bambergen, im Westteil von Deisendorf, Walpertsweiler und im Überlinger Stadtteil Rengoldshausen sollte das Netz ausgebaut werden.

Auf dem Gebiet der Gemeinde Frickingen ist schnelles Internet fast im gesamten Ortsteil Altheim verfügbar. Im Ort Frickingen hingegen sollte das Netz von der Leutstetter Straße bis zur Riedstraße eingerichtet werden. Nur in den südlichen Teilen des Ortsteils Leustetten fehlt es noch an einem Zugang zu schnellem Internet.

Sowohl in Owingen als auch in den Gemeindeortschaften Taisersdorf, Billafingen und Hohenbodman steht schnelles Internet zur Verfügung. Nur in Weilern wie Hedertsweiler, Homberg und Wälde sollte es ausgebaut werden.

Schnelles Internet ist fast auf dem gesamten Gemeindegebiet von Sipplingen vorhanden.

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