„Viel erlebt, viel gehört und viel gesehen“

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 Jubilar Hans Meichle (sitzend) mit Tochter Dorothea Pohl und Gratulant Erich Habisreuther.
Jubilar Hans Meichle (sitzend) mit Tochter Dorothea Pohl und Gratulant Erich Habisreuther. (Foto: Renate Habermaas)
Renate Habermaas

Hans Meichle hat am Donnerstag seinen 90. Geburtstag mit seiner Familie und Freunden gefeiert und sich über die Glückwünsche des Bürgermeisters gefreut, die von Erich Habisreuther überbracht wurden. Im Haus, das der Jubilar bewohnt, wurde er auch geboren und freut sich, dass er trotz gesundheitlicher Einschränkungen weiterhin hier wohnen kann. Ein Haus mit Garten und einem Seegrundstück, das er nicht mehr pflegen kann, mit dem er aber wertvolle Erinnerungen verbindet. Auf dem Seegrundstück hätte er schon viele Jahrgangstreffen und Geburtstage gefeiert, erzählte Meichle. Neben dem Wohnzimmer, in dem er an seinem Jubeltag mit einem Gläschen Jägermeister saß und hinaus auf den schönen Bodensee blickte, der sein Leben in vielerlei Hinsicht geprägt hat, ist die Küche. In dieser haben er und seine Frau Gisela die Fische, die er als Berufsfischer jeden Tag gefangen hat, ausgenommen, filetiert und für den Verkauf vorbereitet. Ein eiserner Meisterbrief, der 65 Jahre als Fischermeister bescheinigt, ist der Stolz von Hans Meichle. „Diese Urkunde bekommt nicht jeder“, sagte Dorothea Pohl, eine von den zwei Töchtern. Bis zum 80. Lebensjahr habe er auf dem Bodensee gefischt, und seine Ehefrau habe immer mitgeholfen und ihn unterstützt. „Die Fischerei war eine Leidenschaft“, erzählte der 90 jährige, der zeitweise auch ein Taxiunternehmen betrieb. „Mit dem Taxifahren habe ich viel erlebt, viel gehört und viel gesehen“, sagte Meichle, der kein Mann der großen Worte ist, sondern eher ruhig und zurückhaltend und der dennoch immer wieder einen Schuss trockenen Humor dazwischen schiebt. In seinem Berufsleben kam der Aufbau eines Kleinbusunternehmens hinzu, der ebenfalls viel Arbeit war, doch das Fischen blieb über die Jahre immer präsent. Nur während der Schonzeit, in der das Fangen verboten war, gönnte sich Hans Meichle einen Urlaub, blieb aber meistens am Bodensee. „Am liebsten ist er zu Hause“, sagte Tochter Dorothea Pohl. Die Fischerkunst, die Hans Meichle von seinem Vater erlernt hatte, gab er seinem Sohn Jürgen weiter, doch durch einen Bootsunfall auf dem Bodensee kam der Sohn ums Leben, und dieser harte Schicksalsschlag unterbrach die Fischerdynastie der Familie Meichle. 61 Jahre war Johann Meichle verheiratet und mit seiner Gisela durch Dick und Dünn gegangen, Unternehmen aufgebaut und viel gearbeitet, wie er selbst erzählte. „Mit 80 ist es in meinem Leben ruhiger geworden“, sagte der Jubilar, der sich in seinem Leben nur noch eins gewünscht hätte: Mehr Zeit zum Lieben und das Leben zur rechten Zeit mehr zu genießen.

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