Verkauft: Intersky-Maschine fliegt in Zukunft über den Malediven

Lesedauer: 5 Min
Von den Alpen zum indischen Ozean: Eine maledivische Airline kauft Intersky eine Maschine ab – natürlich ohne Schriftzug und Log (Foto: pr)
Schwäbische Zeitung
stellv. Regionalleiterin

„Wir haben unser viertes Flugzeug an eine maledivische Gesellschaft verkauft. Es ist seit Dienstag auf dem Weg dorthin“, bestätigt Marketingchef Roger Hohl. Den Plan, eine Maschine zu veräußern und nur noch einen Flug am Tag zwischen Friedrichshafen und Wien anzubieten, hatte Intersky Anfang November veröffentlicht.

„Diese Entscheidung ist uns nicht leicht gefallen“, betonte die geschäftsführende Gesellschafterin Renate Moser damals. Ausschlaggebend sei unter anderem die starke Konkurrenz auf dieser Strecke gewesen.

Jetzt dürfte sich die Entscheidung besser anfühlen: Es gab gleich mehrere Angebote, und das Geschäft mit der Airline von den Malediven lässt die Intersky-Kasse klingeln. Den genauen Betrag will Roger Hohl zwar nicht nennen, darüber sei Stillschweigen vereinbart worden, doch: „Wir haben einen guten Preis erzielt, der weit über dem Marktwert liegt.“

Die Erklärung, wie der Treffer gelingen konnte, klingt einleuchtend: „Turboprop-Maschinen wie die von uns genutzte Dash 8/300 verbrauchen vergleichsweise wenig Kerosin und sind deshalb sehr beliebt“, sagt der Marketingchef der Fluglinie mit Sitz in Bregenz und Basis am Bodensee-Airport in Friedrichshafen. Dass die Produktion der Flieger mittlerweile eingestellt ist, dürfte Intersky beim Verkaufspoker ebenfalls in die Karten gespielt haben.

Zudem weiß die maledivische Fluggesellschaft, was sie erhält: „Das Unternehmen hat bereits eine Maschine des Typs in Betrieb und wollte eine weitere“, berichtet Roger Hohl. Dringend habe die Sache gemacht, dass im einmaligen Inselstaat inmitten des indischen Ozeans gerade Hochsaison herrsche. Die Folge: Der inzwischen in neutralem Weiß lackierte Flieger ist schon unterwegs. Die Route führt zwei Piloten und einen Techniker über Kairo, Saudi-Arabien, Oman und Indien auf die Malediven. „Wegen der zu geringen Reichweite“ sei die Strecke nicht am Stück zu machen.

Die Ankunft ist am heutigen Donnerstag geplant. Und jetzt kommt’s: Die beneidenswerte Crew fliegt nicht sofort zurück. „Weil die Fluggesellschaft nicht so schnell neues Personal rekrutieren kann, haben wir ein Mitarbeiterabkommen geschlossen, dass Intersky zwei Piloten für je drei Monate auf den Malediven stationiert“, erläutert Roger Hohl. Freiwillige für den Job zu finden, habe übrigens keine große Schwierigkeit dargestellt, „im Gegenteil: Wir mussten eine Warteliste erstellen“.

Schöne Aussichten für die Flugkapitäne. Für Intersky bedeute der Verkauf, dass das Programm von vier zukünftig mit drei Maschinen zu stemmen sei – abzüglich zweier Wien-Flüge pro Tag. Deshalb ist von Personalkürzungen wohl auch nicht die Rede: „Es wird keine Stelle abgebaut.“ Wenn es nach dem Marketingchef geht, heißt das Thema, mit dem sich sein Unternehmen viel eher auseinanderzusetzen hat: „Konsolidierung“. Diese sei im vergangenen Jahr geglückt, jedenfalls zeigten die Fluggastzahlen, die demnächst veröffentlicht werden sollen, „keinen großartigen Passagierrückgang“.

Intro Aviation bleibt Topfavorit

Apropos Konsolidierung: Die Suche nach einem Teilhaber, der 50 Prozent der Fluglinie übernimmt, läuft noch. Roger Hohl: „Wir sind auf einem sehr guten Kurs.“ Wie dieser aussieht, verrät er nicht. Der Marketingchef bestätigt aber, dass nach wie vor aktuell ist, was die Schwäbische Zeitung im Dezember 2011 berichtete: Die Intro Aviation GmbH mit ihren Gründern Hans Rudolf Wöhrl und Peter Oncken gilt als Top-Favorit für den Einstieg bei Intersky. Einen Namen machte sich das Unternehmen unter anderem mit dem Aufbau der Airline NFD (Nürnberger Flugdienst), heute Eurowings, und mit dem Erwerb der Fluglinie LTU International Airlines.

Ihr Kommentar wird nach einer kurzen Prüfung durch unsere Redaktion veröffentlicht.
Kommentare werden geladen
Mehr Themen