Flöten klingen wie Schlaginstrumente und Klassik wird zu Rockmusik. Spark kennen keine Grenzen.
Flöten klingen wie Schlaginstrumente und Klassik wird zu Rockmusik. Spark kennen keine Grenzen. (Foto: Harald Ruppert)

Bei der „Langen Nacht der Geschwindigkeit“ im Zeppelin-Museum gab das Quintett Spark einst sein erstes Konzert in Friedrichshafen. Ein besseres Motto hätte es nicht geben können – das zeigte am Mittwoch auch ein Auftritt der Crossover-Formation im Bahnhof Fischbach.

Spark stehen über weite Strecken für rasende Tempi. Dabei dabei befreien sie insbesondere die Flöten von der gängigen Vorstellung, sie seien bloße Melodieinstrumente. Natürlich beherrscht das Flötisten-Duo Andrea Ritter und Daniel Koschitzki das getragene Spiel mit langem Atem, aber es spielt auch äußerst perkussiv. In schnellstmöglicher Taktung jagen die Beiden kurze Luftstöße in ihre Instrumente. Die Münder werden gleichsam zu Kompressoren und weil ihre Taktungen wie Zahnräder ineinander greifen, ergibt sich die Wirkung maschinenhafter Akkuratesse. Wie im Zeitraffer ereignet sich ein Pingpong der Klänge, aus dem sich wiederum eine mit Anspannung erfüllte räumliche Wirkung ergibt.

Inspiriert wurden Ritter und Koschitzki dazu sicherlich von der Minimal Music, insbesondere von der unverwechselbaren Handschrift Michael Nymans, dessen Stücke auch im Bahnhof Fischbach wieder mit dabei sind.

Eine Band von Solisten

Diese besondere Spielart der Flöten ist der „Kleber“, der Spark zusammenhält, und das Quintett vertraut seiner Bindungskraft inzwischen ganz entspannt. Zumindest war diese Atemlosigkeit in den Anfangstagen dominanter als heute. Inzwischen ist Spark auch ein Kollektiv von Solisten, die aus dem Schatten der Flöten heraustreten. Das zeigt Pianist Christian Fritz mit zwei Preludes von George Gershwin, der an der Schnittstelle von Klassik und Jazz seine Handschrift fand.

Cellist Victor Plumettaz wiederum spielt einen Auszug aus der Cello-Suite von Gaspar Cassado – mit dem leidenschaftlichen Ingrimm eines Rockmusikers. Cassado war ein Zeitgenosse Gershwins und beider Kompositionen sind der Kunst der Klassischen Moderne zuzurechnen. Damals weichten Genregrenzen zusehends auf und es wurden neue Wege gegangen.

Auch Spark scheren sich nicht um Grenzen. Barock, Jazz, brasilianische Tanzmusik, mit akustischen Instrumenten gespielte Techno-Varianten, ein ausgiebiges Mozart-Medley und schließlich gar die Popschnulze „Dancing Queen“ von Abba – Spark machen vor nichts Halt. Warum auch, wenn die besagte Schulze ganz unschnulzig daherkommt, weil die Flöten eben nicht in süßer Ekstase schwelgen, sondern die Melodie zu weiten Teilen dem äußerst sparsamen Klavier überlassen?

Auch an anderer Stelle sind Spark originelle Arrangeure bekannter Stücke. So hüllen sie die für Cembalo geschriebene Komposition „Les Barricades Mystérieuses“ von Francous Couperin in eine schwebende Klangwolke, aus der sich das Motiv allmählich herausschält, um sich wieder in den Nebel zurückzuziehen und erneut daraus hervorzutreten. So entziehen Spark die Musik dem Reflex des schnellen Erkennens, um sie dadurch zu schützen. Das rasch Erkannte wird rasch auch langweilig.

Nicht anders gehen sie mit der berühmten herrschaftlichen Sarabande von G.F: Händel um, die erst erkennbar wird, als endlich die Streicher das charakteristische majestätische Thema spielen. So bleiben Spark auch im dreizehnten Jahr ihres Bestehens ein Funke, der überspringt, weil er das Überraschende zündet. Erst nach drei ausgiebigen Zugaben lassen die rund 180 Zuhörer die Musiker gehen.

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