Verein „Radler helfen Radler“ zieht die Reißleine

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Susanne Backmeister

Weil es jüngst an engagiertem Nachwuchs fehlte, die Besucher bei den Veranstaltungen ausblieben und folglich weniger Spendengelder zusammenkamen, hat „Radler helfen Radler“ nun die Reißleine gezogen. Elf Jahre nach Vereinsgründung beschlossen die anwesenden Mitglieder bei der Hauptversammlung nun die Auflösung des Vereins.

Dabei lag durchaus Wehmut in der Luft. „Was sollen wir machen, wenn schon keiner den Vorsitz übernehmen will?“, erklärt Peter Nocker, der letzte amtierende Vorsitzende des Vereins, dessen Durchschnittsalter bei etwa 72 Jahren liegt. In den zwölf Jahren hat „Radler helfen Radler“ knapp 40 000 Euro Spendengelder eingesammelt und damit unter anderem zehn verunglückten Radfahrern helfen können.

Eine von ihnen ist Marta Carsteanu-Dombi. Sie ist 32 Jahre alt und verunglückte vor zwei Jahren bei einem Triathlon in Frankreich. Die Folge: ihre Wirbelsäule war durch einen Sturz mit dem Fahrrad gegen einen Baum komplett gebrochen. Carsteanu-Dombi ist seitdem auf den Rollstuhl angewiesen. In ihrer Reha lernte sie einen Leidensgenossen kennen, der das gleiche Schicksal durchgemacht hatte und bereits 2009 finanzielle Unterstützung von „Radler helfen Radler“ erfahren hatte. Marta Carsteanu-Dombi wollte weiterhin aktiv bleiben und dazu war ein sogenanntes Handbike notwendig. Das ist ein Vorbau an den Rollstuhl, der genau angepasst werden muss, und sehr kostenintensiv ist, teilt der Verein mit. Da die Krankenkasse eine finanzielle Unterstützung abgelehnt hat, halfen die Maybach-Radler aus. Sie unterstützten Marta Carsteanu-Dombi mit 5000 Euro. „Die Übergabe war sehr berührend für mich. Man darf die emotionale Seite nicht unterschätzen, wenn man solch’ eine Hilfe erfährt. Wir Betroffenen müssen jetzt unsere Stimmen laut machen und diese Kraft und Unterstützung, die wir erfahren durften, der Welt zurückgeben“, wird Carsteanu-Dombi zitiert.

Genau in diesem Punkt lag die Idee bei der Gründung des Vereins „Radler helfen Radler“, der aus den Maybach-Radlern entstanden ist. Die Maybach-Radler gründeten sich vor 32 Jahren. Sie waren damals begeisterte Rennradfahrer und arbeiteten alle bei MTU, die Fortsetzung der Maybach Motorenbau. Im Laufe der Jahre wurde aus den ehemaligen Maybach-Lehrlingen Mitarbeiter in verantwortungsvollen Positionen bei der MTU.

Bei einer Ausfahrt 2008 können sie so viele Spenden sammeln, dass es notwendig wurde, einen Verein zu gründen, um Spendenquittungen schreiben zu können. „Radler helfen Radler“ waren geboren. In ihre Satzung schreiben sie: „Zweck des Vereins ist die Förderung und Unterstützung von Sportlern und Bürgern, die den Radsport ausüben oder ausübten und infolge ihrer körperlichen, geistigen, gesundheitlichen und seelischen Zustandes, hervorgerufen durch Unfälle mit dem Fahrrad, der Hilfe anderer bedürfen.“

Der letzte Akt

Die erste Unterstützung ging im gleichen Jahr noch an das Mitglied Jürgen Vogel der Maybach Radler. Er wurde bei einer Fahrradtour von einem Auto angefahren und war dadurch vom Hals ab gelähmt. „Wir haben damals seine Frau unterstützt, zu Hause alles barrierefrei zu gestalten und es brauchte ein spezielles Bett und all diese Dinge“, erinnert sich Peter Nocker.

Zum Abschluss wurden bei der letzten Hauptversammlung die traditionellen, geweihten restlichen Christopherusmünzen an alle Anwesenden verteilt. Auch sie hatten immer wieder Spendengelder eingebracht. „Das war der letzte Akt einer großartigen Vereinigung, die am Donnerstagabend nun ihr Ende fand.

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