„Urban Gardening“ schlägt Wurzeln in Friedrichshafen

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„Urban Gardening“ schlägt Wurzeln in Friedrichshafen

Während der Wartezeit an der Fußgängerampel eben schnell eine Tomate frisch vom Strauch naschen – sogenanntes „Urban Gardening“ macht’s möglich.

Schwäbische Zeitung
crossmedia Volontärin

Während der Wartezeit an der Fußgängerampel eben schnell eine Tomate frisch vom Strauch naschen – sogenanntes „Urban Gardening“ macht’s möglich. Eine Gruppe von Studenten der Zeppelin Universität hat gemeinsam mit Mitarbeitern des Friedrichshafener Fairkaufs ihren grünen Daumen entdeckt und in der Paulinenstraße ein „Urban Gardening“-Projekt gestartet.

In Großstädten ist die gärtnerische Nutzung von städtischen Flächen längst im Trend. Ob auf Dächern öffentlicher Gebäude, auf Grünflächen oder in Pflanzkübeln: Viele Großstädter haben Freude am gärtnern und fragen sich, warum man öffentliche Flächen in Städten nicht sinnvoll für den Anbau von Gemüse nutzen soll. Die selbe Idee hatte auch Nicole Dodek, soziale Leiterin des Friedrichshafener Fairkaufs. Für die Umsetzung holte sie eine Gruppe engagierter ZU-Studenten hinzu.

Eine lange Reihe von mit Blumen bestückten Pflanztöpfen schmückte bislang den Parkplatzbereich vor dem Gebrauchtwarenkaufhaus der Caritas in der Paulinenstraße. Doch seit Mittwoch schlagen hier Basilikum, Grünkohl und Erdbeeren Wurzeln. Ernten darf jeder, der möchte: „Einfach mitnehmen und sich freuen“, sagt Julius Palm und Mirko Dechow ergänzt: „Es soll wirklich für alle sein. Das ist ja das schöne, dass das so viele unterschiedliche Menschen zusammenbringt.“ Die beiden Studenten haben in Fallenbrunnen auf dem Campus bereits an einem ähnlichen Projekt gearbeitet. „Wir sitzen sonst viel am PC, hier hat man die Gelegenheit, sich die Hände dreckig zu machen, das macht einfach Spaß“, erklärt Mirko Dechow.

Kräuter, Kohlrabi, Mangold, Grünkohl oder Kürbis setzen die Studenten gemeinsam mit Fairkauf-Praktikant Denny Jacobson in die aufgelockerte Gartenerde. Damit die Pflänzchen gedeihen, muss täglich jemand mit der Gießkanne anrücken. „Dafür suchen wir noch weitere Ehrenamtliche“, sagt Nicole Dodek. Auch ein paar Geflüchtete aus der angrenzenden Gemeinschaftsunterkunft hätten ihre Beteiligung angekündigt. „Vielleicht finden sich ja noch mehr Interessierte aus dem Quartier, die am Wochenende mal gießen“, fügt sie hinzu. Die Pflänzchen hat die Caritas angeschafft, die Gartenerde bekamen die Studenten vergünstigt beim Baumarkt. Ansonsten soll das Projekt komplett ehrenamtlich betreut werden.

Projekt soll Bewusstsein schärfen

„Wir machen das nicht, um möglichst hohe Erträge zu erzielen, es geht vor allem um den Spaß und die Gemeinschaft“, betont Julius Palm. „Das ist ein Stück weit auch ein Begegnungsort. Da stehen dann plötzlich ein Student und ein Rentner zusammen und unterhalten sich darüber, was sie gegen Blattläuse machen“, sagt Mirko Dechow und lacht. Darüber hinaus sei auch der Bildungsaspekt entscheidend. Das Gartenprojekt soll einen engeren Bezug zu Lebensmitteln schaffen. „Das wird gerne auf Kinder abgewälzt, aber auch viele Studenten und Erwachsene wissen heute gar nicht mehr, wie ein Mangold aussieht oder wie Brokkoli wächst“, meint Julius Palm. So könne man sehen, wie viel Arbeit hinter einem Produkt steckt, das man sonst ohne groß nachzudenken in den Einkaufswagen legt.

Wer mitgärtnern möchte, meldet sich unter Telefon 07541 / 378 08 10 oder in der Paulinenstraße 33.

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