Ungewohnt viel Wind und Welle: Friedrichshafener segeln in der Champions League

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 Das WYC-Team (Dennis und Kevin Mehlig, Lukas Ammon, Yannick Hafner) segelte im Qualifier 1 der Sailing Champions League in Palm
Das WYC-Team (Dennis und Kevin Mehlig, Lukas Ammon, Yannick Hafner) segelte im Qualifier 1 der Sailing Champions League in Palma de Mallorca auf Rang neun. (Foto: WYC/Renedo)
Schwäbische Zeitung

Als Dritter der Segel-Bundesliga 2018 war der Württembergische Yacht-Club in der Sailing Champions League startberechtigt. Über 80 Spitzenvereine aus ganz Europa sowie eingeladene Teams aus Übersee segeln dieses Jahr in drei Qualifier-Events um den Einzug ins Finale der Champions League im August in St. Moritz. Beim ersten Qualifier am vergangenen Wochenende in Palma de Mallorca haben Dennis und Kevin Mehlig, Lukas Ammon und Yannick Hafner den WYC vertreten. Das Team kam bei starker Konkurrenz (26 Teams aus 16 Nationen) auf Rang neun. Der Einzug ins Finale wurde damit aber knapp verpasst.

Mit den noch frischen Erfahrungen aus dem vorausgehenden Bundesliga-Event in Starnberg war die Mannschaft am Mittwoch nach Mallorca geflogen. Im ersten Rennen am Donnerstag musste das Team erst mit der großen Welle zurechtkommen, doch dann folgte ein Laufsieg in der zweiten Wettfahrt. „Wir waren echt schnell“, so Kevin Mehlig über den Start-Ziel-Sieg der Häfler. Ein dritter Platz folgte noch an diesem Tag.

Mit einem weiteren ersten Platz startete das WYC-Team bei traumhaften Segelbedingungen in den zweiten Tag. „Wir waren morgens als Erste dran und konnten uns gut einsegeln“, berichtete Lukas Ammon. Im zweiten Rennen legte der Wind zu, aus acht bis zehn Knoten wurden bis zu 18 Knoten. „Da hatten wir zu kämpfen, da kamen auch taktische Fehler dazu.“ Trotz eines guten Speeds verhaspelte sich das WYC-Team einmal mit Dejan Presen, dem Matchrace-Profi aus Slowenien, einmal mit einer italienischen Crew. Die Plätze sechs und zweimal fünf warfen das Team zurück. „Wir haben uns zusammengesetzt, uns auf unsere Stärken besonnen und sind konzentriert ins nächste Rennen“, so Lukas Ammon weiter. Und siehe da: Bei wieder etwas weniger Wind gelang ein Superlauf. Ein weiterer erster Platz kam aufs Konto des WYC-Teams. Nach sieben Flights an den ersten beiden Tagen stand das WYC-Team auf Rang elf. An der Spitze positionierten sich Teams aus Dänemark, der Schweiz und auch der Hamburger Bundesligameister NRV.

Fehler in der Vorstartphase

Bei relativ wenig Wind segelte das WYC-Team am Samstag zunächst die Plätze zwei und eins. Dann drehte der Wind um 180 Grad auf Nordost und legte in Böen bis an die 20 Knoten (fünf Windstärken) zu, bei mehreren Wettfahrten durfte der große Gennaker auf Vorwindkursen nicht gesetzt werden. „Das war für uns eine Premiere, aber wir sind auch ohne Gennaker relativ gut zurechtgekommen“, blickte Yannick Hafner auf den Samstag zurück. Im letzten Rennen am Abend unterlief dem Team ein Fehler in der Vorstartphase. „Wir haben unseren Strafkringel gesegelt“, so Hafner. Doch der Schiedsrichter war nicht zufrieden, ließ noch einen Kringel segeln. Eine Fehlentscheidung, wie er später zugab. Das Feld war weg, Mehlig und Co nahmen die Verfolgung auf, konnten aber nur ein Boot noch einholen. Das Team hatte sich danach noch einmal zusammengesetzt und den Fehler analysiert. „Wie können wir künftig solche Fehler vermeiden, um ohne einen Penalty aus so einer Situation rauszukommen“, war zu besprechen. Für den NRV war der Samstag ein genialer Lauf: Mit fünf ersten Plätzen eroberten die Hamburger die Tabellenspitze. Das WYC-Team lag nach insgesamt 13 Flights auf Rang neun.

Zwei Wettfahrten standen am Sonntag in Palma de Mallorca noch aus. Nach einem dritten Platz ging es für das WYC-Team um alles oder nichts. Im letzten Rennen riskierten sie im Kampf gegen die direkten Konkurrenten, ein finnisches und ein russisches Team, einen ultraknappen Start am Ende der Startlinie, kehrten angesichts der auf dem Startschiff hochgehenden Frühstartflagge hinter die Linie zurück – und trieben das Feld vor sich her. Zwei Boote konnten sie noch einholen, mehr aber nicht. Insgesamt 52 Punkte standen am Ende auf dem Konto des WYC, Rang neun. Das waren 1,6 Punkte zuviel für den angepeilten achten Rang.

„Es war ein super Event. Wir waren technisch und vom Speed her sehr gut. Erste, zweite und dritte Plätzen waren immer drin. Aber wir haben zu viele Ausrutscher eingefahren“, analysierte Steuermann Dennis Mehlig abschließend. „Einmal hatten wir auch Schiedsrichterpech. Am Ende war es extrem knapp.“ Ungewohnt war für das WYC-Team auch das häufige Segeln bei Wind und großer Welle. „Das haben wir am Bodensee ja nicht so“, sagte Mehlig – „aber es hat viel Spaß gemacht!“

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