Der Experte der Konstanzer Polizei bescheinigt der 78-jährigen Häflerin, sich bei dem Übergriff auf sie instinktiv richtig verh
Der Experte der Konstanzer Polizei bescheinigt der 78-jährigen Häflerin, sich bei dem Übergriff auf sie instinktiv richtig verhalten zu haben: nicht zu selbstbewusst, aber auch nicht devot. (Foto: imago stock&people)
Sportredakteur

Schreck in der frühen Abendstunde für eine 78-jährige Frau aus Friedrichshafen: Als sich die Dame am Montag gegen 17 Uhr nach einem Spaziergang am Hafen auf den Nachhauseweg machte, wurde sie in einer Seitenstraße der Paulinenstraße plötzlich von einem etwa 30-jährigen Mann bedrängt. „Er kam auf mich zu und verlangte unvermittelt und in äußerst aggressivem Ton Geld von mir“, berichtete die Frau der Schwäbischen Zeitung.

Als sie dem Aggressor erwiderte, kein Geld bei sich zutragen, habe dieser darauf gedrängt, sie nach Hause zu begleiten, um ihm dort Geld auszuhändigen. „Ich habe ihm dann aber gesagt, dass ich auch zuhause kein Geld aufbewahre.“

So schnell wie er gekommen war, sei der Mann daraufhin wieder verschwunden – und ließ die Dame mit einem gehörigen Schreck in den Knochen zurück: „Zum Glück ist es mir gelungen, ganz ruhig zu bleiben. Wer weiß, was sonst passiert wäre“, berichtete die Frau einen Tag später, noch immer sichtlich emotionalisiert von ihrer unheimlichen Begegnung mit dem Unbekannten, der zumindest äußerlich keinem Kleinganoven-Klischee entspricht: „Er sah sehr gepflegt aus, war auffallend gut gekleidet und sprach akzentfreies Hochdeutsch“, erinnert sich die Häflerin, die den Quasi-Überfall tags darauf beim Häfler Polizeirevier meldete. Anzeige wurde dort indes nicht erstattet, wie die Polizei mitteilt. Da die Frau den Unbekannten nicht genau beschreiben und zum exakten Tatort keine Angaben machen konnte, zudem schon geraume Zeit verstrichen war, verzichteten die Beamten auch auf gezielte Fahndungs- und Überprüfungsmaßnahmen. Die 78-Jährige berichtete aber, dass die Polizisten ihr zugesagt hätten, auf den Sektor zwischen Paulinenstraße und Hafen in den kommenden Tagen zumindest ein besonderes Augenmerk zu richten. Die Frau, die in der Paulinenstraße wohnt, werden die Streifenpolizisten dort allerdings nicht mehr antreffen: „Zumindest bei Dunkelheit gehe ich dort jetzt erstmal nicht mehr entlang. Da hätte ich zuviel Angst.“

Experte: „Richtige Reaktion“

Dass der Vorfall nicht weiter eskaliert ist, hat nach Ansicht von Hans Hunger, kriminalpolizeilicher Fachberater vom Referat Prävention beim Polizeipräsidium Konstanz, auch damit zu tun, dass die Frau weder mit extremer Angst, noch mit Aggressivität auf den Übergriff reagierte: „Das war wohl die richtige Reaktion.“ Grundsätzlich rät Hunger in solchen Situationen, zu versuchen, „den Aggressor freundlich aber bestimmt auf Distanz zu halten.“ Oft stünden Angreifer selbst unter Druck, nicht selten durch Alkohol oder Drogen. „Man sollte deshalb selbst möglichst nicht aggressiv sein, aber eben auch nicht zu devot. Das hat die Dame offenbar richtig gemacht.“

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