Umweltfreund hält vom Aussterben bedrohte Schafe

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 Alle fünf Schafe von Roland Storch tragen einen Namen: Louise, Selma, Ella, Rica und Wolle.
Alle fünf Schafe von Roland Storch tragen einen Namen: Louise, Selma, Ella, Rica und Wolle. (Foto: Marcus Fey)
crossmediale Volontärin

„Ella ist die Neugierigste“, sagt Roland Storch. „Die Luise ist eher zurückhaltend.“ Ella und Luise tragen schwarze und weiße Locken und sind etwas ganz Besonderes. Sie sind zwei von insgesamt fünf Exemplaren des Montafoner Steinschafs. Die Art ist vom Aussterben bedroht. Im österreichischen Vorarlberg – wo die Schafe ursprünglich beheimatet sind – und Deutschland gibt es nur noch 846 Individuen. Im Panorama-Obstgarten in Berg hat eine kleine Herde vor rund eineinhalb Jahren ein neues Zuhause gefunden.

Roland Storch hat sie dort hin gebracht. Der 59-Jährige ist eigentlich Rehatechniker, engagiert sich aber auch beim Arbeitskreis Umwelt, der sich für die Pflege des Panorama-Obstgartens einsetzt. Im Panorama-Obstgarten in Berg hat Storch seit einigen Jahren mitgeholfen, Schafe zu versorgen. 2016 hat er dann beim Streuobstfest in der Weilermühle die Bekanntschaft von Maria Schlegel gemacht. Und – fast ebenso prägend – auch die von Max und Moritz. „Das waren die Montafoner Steinschafe von Maria Schlegel“, sagt Storch. Die Tiere seien sehr zutraulich gewesen, Storch habe sich augenblicklich in sie verliebt.

„Ich habe dann den Kontakt zu Steinschafzüchtern aus Montafon aufgenommen“, erzählt der Familienvater. In dem Tal in Vorarlberg leben Züchter, die die alte Rasse vor dem Aussterben bewahren wollen. Ihr Pionier ist der Biobäcker Markus Stadelmann. Er nahm sich der Tiere Ende der 1980er Jahre an, als die Bestände des Montafoner Steinschafes schon stark geschrumpft waren. In der NS-Zeit wurden die eher kleinen Tiere als minderwertig erachtet. Züchter nutzten andere Hausschafe, die mehr Fleisch, Milch und eine bessere Wolle lieferten.

Mit einem strengen Zuchtplan gelang es Stadelmann, die Steinschafe zu vermehren, ohne dass es zu Inzucht kam. 2001 untersuchte die Wissenschaftlerin Roswitha Baumung dann das Montafoner Steinschaf im Auftrag der Österreichischen Nationalvereinigung für Genreserven (ÖNGENE). Sie stellte fest, dass es sich genetisch um eine eigenständige und daher „besonders erhaltenswürdige“ Rasse handelt. Seither geht es der Art zunehmend besser: Die Züchter sind untereinander vernetzt und stehen sich mit Rat und Tat zur Seite.

Widerstandsfähige Tiere

Auch von der Ortschaft Berg erhalte er viel Unterstützung, seit er die Schafe dort halte, sagt Roland Storch. „Die werden immer bekannter.“ In Zukunft möchte er Kindern die Besonderheiten der Montafoner Steinschafe erklären – von denen gibt es nämlich so einige. „Die Tiere sind sehr zutraulich“, sagt Storch. Wenn er sie ruft, folgen sie ihm meist. Wegen ihres kleinen Körperbaus und Gewichts verursachen die Schafe keine Trittschäden auf dem Boden. Zur Beweidung der etwa einen Hektar großen Obstgarten-Fläche eignen sie sich daher ideal, zumal sie beim Füttern ziemlich anspruchslos sind. Brombeersträuche gehören zu den Leibgerichten der Tiere, ebenso wie Brotkrumen. „Die gibt es aber nur manchmal, damit sie nicht zu dick werden“, sagt Storch.

Steile Hänge machen den widerstandsfähigen Tieren nichts aus. Fast ganzjährig halten sie sich im Freien auf. Nur bei Regen werden sie in den Stall gesperrt – als Vorsichtsmaßnahme, damit die Klauen nicht beschädigt werden. Zweimal im Jahr lässt Robert Storch seine Schafherde scheren. „Das mögen sie nicht so gerne. Danach sind sie immer etwas beleidigt“, schmunzelt er. Die Wolle kauft ihm unter anderem der Campus Galli in Meßkirch ab. Milch geben die Schafe keine. Dafür soll ihr Fleisch von erstklassiger Qualität sein. Doch essen möchte in Berg die Montafoner Steinschafe natürlich niemand. Storch sind sie ans Herz gewachsen. „Jedem aus unserer Familie gehört ein Schaf“, sagt er. Seines ist Selma. In der Herde leben ausschließlich weibliche Tiere. Das sei der Normalfall, sagt Storch. An Zucht denke er vorerst nicht.

Es wäre vermutlich auch sehr aufwendig: Schon für die jetzige Haltung muss Roland Storch viel Papierarbeit erledigen. Unter anderem musste er den Bestand seiner Schafe der Tierseuchenkasse nennen, damit diese im Falle eines Seuchenausbruchs weiß, wo sich die Tiere befinden. Dass es dazu kommt, will Storch natürlich nicht. „Die Tiere können bis zu zehn Jahre alt werden“, sagt er. Damit sie dieses Alter erreichen, lege er viel Wert auf eine artgerechte Haltung. „Ich denke, so schlecht haben die Schafe es hier nicht.“

Diesen Eindruck machen auch Selma, Luise und die anderen nicht. Gemütlich kauend stehen sie auf der Weide – und stürmen neugierig zum Gatter, wenn sich Roland Storch nähert.

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