Typisierungsaktion: Lions Club Friedrichshafen hat bereits 80 Leben gerettet

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Anna-Lena Herold

Jedes Jahr erkranken in Deutschland mehr als 10 000 Menschen an Leukämie. Der Lions Club Friedrichshafen organisiert seit 15 Jahren Typisierungsaktionen.

Für viele Patienten ist eine Transplantation von Blutstammzellen die einzige Überlebenschance, weiß Friedrich Büg, Präsident des Lions Clubs Friedrichshafens. Immer wieder lasse sich der Lion -Club für die Typisierung etwas Besonderes einfallen, bei denen sich potentielle Spender registrieren lassen können.

So fand die jüngste Aktion am Mittwoch im Klinikum Friedrichshafen statt, um besonders dessen Mitarbeiter anzusprechen. Rund 60 Teilnehmer nahmen das Angebot dann auch wahr.

Kurz erklärt: Wie funktioniert eine Stammzellenspende?
Wer an Blutkrebs erkrankt, für den gibt es oft nur noch eine Möglichkeit, geheilt zu werden: Eine Stammzellenspende. Diese ist nicht kompliziert, die Suche nach dem genetischen Zwilling aber schon. Das müssen Sie über die Typisierung wissen.

Bisher ließen sich beim Lions Club Friedrichshafen 6500 Menschen per Wattestäbchen Mundschleimhautproben entnehmen. 80 von ihnen wurden tatsächlich zum Spender, freut sich Büg über diese Erfolgsbilanz: „Wir haben bereits 80 Menschen das Leben retten können. Man kann sagen, dass wir hier am Bodensee eine besonders hohe Effizienz haben“, sagt der Präsident des Lions-Club. „Im Vergleich zu ganz Deutschland haben wir hier ungefähr das Drei- bis Vierfache an Treffern.“

In 15 Jahren seien etwa ein Prozent der Typisierten für eine Transplantation geeignet. Am Bodensee seien es zwei Prozent sein, sagt Kathrin Roßdeutscher von der Deutschen Stammzellenspenderdatei, die bei der Aktion dabei war. Deshalb sei es umso wichtiger, dass sich so viele Menschen wie möglich registrieren lassen, um einen passenden Spender zu finden.

Erwartungen nicht ganz erfüllt

Bei der Aktion am Mittwoch blieben die Teilnehmerzahlen zwar etwas hinter den Erwartungen zurück, aber Büg geht davon aus, dass bereits viele Mitarbeiter des Klinikums bereits registriert sind. Damit war er mit dem Ergebnis dann doch zufrieden. So kamen nicht nur Klinikangestellte, sondern andere.

Bei der Typisierung mitgemacht hat auch Klinik-Mitarbeiterin Sylvia Metztdorff: „Die Entscheidung mich typisieren zu lassen, habe ich mir schon länger durch den Kopf gehen lassen“, sagt sie. „Ich habe schon immer gerne Menschen geholfen. Außerdem würde man sich, wenn man in der Situation eines Patienten stecken würde, genau das Gleiche für sich wünschen.“

Als weitere Klinik-Mitarbeiterin ließ sich auch Laura Benthaus registrieren. Sie habe sich bereits vor einiger Zeit über die Sendemöglichkeiten informiert und jetzt die Gelegenheit genutzt. Durch ihre Arbeit in der Klinik sei sie mit dem Thema vertraut und gehe auch regelmäßig zum Blutspenden. „Es ist toll, Menschen zu helfen“, sagt sie. „Sehr praktisch, dass die Typisierung im Klinikum stattgefunden hat.

So konnte man zwischen den Arbeitszeiten kurz vorbei gehen. Das Wichtigste ist, sich zu trauen“, meint sie. „Es ist wichtig zu erkennen, dass es in Deutschland wirklich viele Leukämiefälle gibt. In den meisten Fällen ist eine Stammzelltransplantation notwendig“, sagt Büg und betont: „Wenn keine Spender zur Verfügung stehen, bedeutet das oftmals das Todesurteil.“

Einem Menschen zu helfen und sogar das Leben zu retten, sei eine sehr besondere Erfahrung. Wichtig sei es, so viele Menschen wie möglich in die Spenderdatei aufzunehmen. Deshalb plane der Lions-Club bereits die nächste Aktion zusammen mit dem Deutschen Roten Kreuz (DRK). Fest im Blick: Die 7000. Typisierung zu erreichen. Der Club übernimmt die Kosten pro Typisierung von jeweils 40 Euro und hat damit in den vergangenen 15 Jahren bereits 340 000 bis 400 000 Euro in die Aktionen investiert, schätzt Büg.

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