Trotz Rekordumsatz: Die ZF Friedrichshafen AG verdient weniger als im Vorjahr

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ZF verzeichnet Rekordumsatz für 2012. (Foto: dpa/Felix Kästle)
Martin Hennings

Neuer Rekordumsatz, aber weniger Gewinn als im Jahr zuvor: Obwohl die Geschäfte gut gelaufen sind, ist die Führung der ZF Friedrichshafen AG mit 2012 nicht rundum zufrieden. Die Gründe für den Ertragsrückgang sind vielfältig: hohe Kosten für den Bau neuer Fabriken, nachfragebedingte Unter- aber auch Überauslastung einzelner Werke, die Sanierung einer 2011 zugekauften Gusstechnikfabrik, Verluste im Windkraftgeschäft. „Wir werden 2013 weiter wachsen – allerdings weniger dynamisch als in den Vorjahren“, sagte der ZF-Vorstandsvorsitzende Stefan Sommer am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz in Stuttgart. „Dabei werden wir unser Augenmerk noch stärker auf die Ergebnisqualität richten.“

Mit fast 17,4 Milliarden Euro stieg der Umsatz des Konzerns, der zum größten Teil der Friedrichshafener Zeppelin-Stiftung gehört, im Jahr 2012 um zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Er lag damit so hoch wie noch nie zuvor in der fast 100-jährigen Geschichte der ZF. Das operative Ergebnis ist um 19 Prozent auf 687 Millionen Euro zurückgegangen (Vorjahr: 850 Millionen Euro). Der Gewinn nach Steuern lag bei 364 Millionen Euro (minus 36 Prozent). Die Zahl der Beschäftigten weltweit stieg im abgelaufenen Jahr um fünf Prozent auf 74 775 Menschen.

„Besonders dynamisch sind wir in der Region Nordamerika gewachsen – hier haben wir wie schon 2011 auch 2012 um über 40 Prozent zugelegt“, sagte ZF-Chef Sommer. „Im Unterschied zum Jahr 2011, in dem wir noch in allen Marktregionen gewachsen sind, gab es 2012 neben Regionen mit deutlichen Zugewinnen auch solche mit Umsatzverlusten.“

Während die Regionen Asien-Pazifik um 21 Prozent und Westeuropa um sechs Prozent gewachsen seien, habe es in Osteuropa mit einem Prozent leichte und in Südamerika marktbedingt mit 14 Prozent sogar kräftige Rückgänge gegeben, so Sommer. Unterschiedlich haben sich auch die Produktsegmente entwickelt: Einem Wachstum im Pkw-Premiumsegment stand ein stagnierender, teilweise rückläufiger Pkw-Volumenmarkt gegenüber. Der Markt für Nutzfahrzeugtechnik war insgesamt rückläufig, der für Industrietechnik entwickelte sich sehr unterschiedlich.

Die Mitarbeiterzahl im ZF-Konzern stieg um gut 3000 oder rund fünf Prozent auf nahezu 75 000 zum Jahresende 2012. Mehr als die Hälfte des zusätzlichen Personals fand dabei an deutschen ZF-Standorten Beschäftigung – eine Verteilung, die sich nach Unternehmensangaben in den nächsten Jahren umkehren wird. „Wie der Umsatz werden auch die Belegschaftszahlen weiter steigen – aber stärker im Ausland als im Inland“, erklärte Sommer. Für 2013 rechnet ZF mit einem Zuwachs von rund 3500 Mitarbeitern weltweit, davon über 1000 in Deutschland.

„Die anhaltend hohe Nachfrage nach ZF-Produkten vor allem für Pkw-Technik hat uns erneut auf hohem Niveau in neue Werke und den Ausbau unserer Produktionsanlagen investieren lassen“, sagte Sommer zu den Sachinvestitionen im Wert von annähernd 1,2 Milliarden Euro. „Die größte Investition mit allein im Jahr 2012 knapp 200 Millionen Euro haben wir dabei in unser 2011 begonnenes Getriebewerk in den USA getätigt.“ In South Carolina ist ein Produktionswerk für Pkw-Automatikgetriebe entstanden, aus dem in wenigen Wochen die weltweit ersten Neungang-Automatikgetriebe ausgeliefert werden.

Als „nicht zufriedenstellend“ bezeichnete ZF-Finanzvorstand Konstantin Sauer das operative Ergebnis von 687 Millionen Euro. Die Umsatzrendite des Konzerns ist damit auf vier Prozent gesunken. „Neben enormen Vorleistungen für höhere Produktionskapazitäten haben auch die nachfragebedingten Unter- und Überauslastungen einiger Werke hohe Mehrkosten verursacht“, sagte Sauer. „Einfluss genommen haben auch die Sanierung der 2011 übernommenen Gusstechnik-Aktivitäten und die schwierige Marktsituation im Windkraftgeschäft.“

Für 2013 erwartet ZF eine Stabilisierung und vor allem im ersten Halbjahr nur moderate Zuwachsraten. „In einem eher schwachen wirtschaftlichen Umfeld werden wir uns stärker als der Markt entwickeln und rechnen mit einem Umsatzwachstum von etwa zehn Prozent oder rund 1,5 Milliarden Euro“, prognostiziert ZF-Chef Sommer. „Die schwache Marktentwicklung in Europa und bei der Windenergie können wir nicht völlig in den Überseemärkten ausgleichen.“

Neu konstituiert hat sich der Aufsichtsrat des Konzerns. Für die Kapitalseite sitzen künftig der ehemalige ZF-Chef Hans-Georg Härter, Weidong Xu (Geschäftsführerin der Bilfinger Gerber GmbH) und Jürgen Otto (Vorsitzender der Geschäftsführung der Brose GmbH) im Kontrollgremium. Sie ersetzen den Häfler Ex-OB Josef Büchelmeier, den ehemaligen LBBW-Vorstandsvorsitzenden Hans Dietmar Sauer und den früheren Leiter des Aachener Instituts für Kraftfahrzeugwesen, Henning Wallentowitz. Der Vorsitzende des Aufsichtsrats, Giorgio Behr, wurde im Amt bestätigt.

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