Trotz Absturz mit 20 Toten: Weitere „Tante Ju“ kommt zu den Do Days

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Neun Mal wird die „Tante Ju“ der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung am Wochenende in Friedrichshafen zu Rundflügen starten.
Neun Mal wird die „Tante Ju“ der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung am Wochenende in Friedrichshafen zu Rundflügen starten. (Foto: Joe Rimensberger © Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung)

Die Rundflüge mit der legendären „Tante Ju“, der „Grande Dame“ der Luftfahrt, gehören zweifelsohne zu den besonderen Attraktionen der Do Days des Dornier-Museums. Und das sollen sie auch nach dem Absturz einer Maschine des gleichen Typs am Samstag in den Schweizer Alpen bleiben. „Wir haben keinen Grund finden können, warum wir an unseren Flügen etwas ändern sollten“, sagt Wolfgang Servay, Pressesprecher der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung (DLBS), die die Rundflüge am kommenden Wochenende in Friedrichshafen anbietet.

Dieses von der Kantonspolizei Graubünden zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Absturzstelle der JU-52, die am Samstagnachmitta
Dieses von der Kantonspolizei Graubünden zur Verfügung gestellte Foto zeigt die Absturzstelle der JU-52, die am Samstagnachmittag aus unbekannten Gründen abgestürzt ist. (Foto: CANTONAL POLICE OF GRISONS/Keystone/dpa)

Während die Ju-Air, zu deren Flotte die am Piz Segnas im Schweizer Kanton Graubünden abgestürzte Maschine gehörte, ihren Flugbetrieb bis auf Weiteres eingestellt hat, läuft jener der DLBS ganz normal weiter. Am Montag war die Ju-52 der DLBS in Nürberg unterwegs.

Bei der Maschine, die auch in Friedrichshafen für Rundflüge eingesetzt werden soll, handelt es sich um den gleichen Typ. Sie ist allerdings noch drei Jahre älter. Ihren Jungfernflug hatte die „Tante Ju“ der DLBS 1936. Seit einer aufwändigen Restaurierung Mitte der 1980er-Jahre wird sie für Rundflüge eingesetzt – mit rund 10 000 Passagieren pro Jahr. Die Flüge mit der Ju-52 gelten als Hauptattraktion im Flugangebot der Stiftung.

Einen Grund, den Betrieb einzustellen oder vorübergehend auszusetzen, sieht man bei der DLBS aktuell nicht. „Wir fliegen seit über 30 Jahren und sind uns trotz des schrecklichen Unglücks in der Schweiz sehr sicher, dass wir das auch weiterhin gut bewältigen können“, sagt Wolfgang Servay. Dass nach dem Absturz vereinzelt Nachfragen von Passagieren und auch Stornierungen eingegangen sind, dafür zeigt Servay aber durchaus Verständnis.

Auf Stornierungsgebühren will die DLBS aus Kulanzgründen verzichten. Dass während der Do Days in der Maschine Plätze unbesetzt bleiben werden, ist aber auch eher unwahrscheinlich. Die Nachfrage ist ungebrochen groß. „Wenn ein Platz frei wird, ist der sofort wieder besetzt“, berichtet Servay. Die Hompage der DLBS wies am Montagnachmittag für alle neun am Wochenende geplanten Flüge den Status „ausgebucht“ aus.

Wir fliegen seit über 30 Jahren und sind uns trotz des schrecklichen Unglücks in der Schweiz sehr sicher, dass wir das auch weiterhin gut bewältigen können."

Volles Vertrauen in die DLBS hat David Dornier, Direktor des Dornier-Museums, das die Do-Days veranstaltet. „Die Verantwortlichen haben ihre Hausaufgaben gemacht“, sagt er. Anzeichen für technische Mängel an der Maschine oder dafür, dass die Piloten nicht ausreichend geschult seien, gebe es nicht. Deshalb bereitet der Gedanke an die Rundflüge am Wochenende David Dornier auch keine Bauchschmerzen.

„Es ist natürlich extrem traurig, wenn ein solches Unglück passiert. Und als Pilot macht mich das sehr betroffen. Trotzdem würde ich ohne Bedenken selber in die Ju-52 einsteigen. Es gibt keinen Grund, Angst zu haben“, sagt er. Flugunfälle seien immer auf die Verkettung unglücklicher Umstände zurückzuführen. Generell sei die Ju-52 ein extrem sicheres Flugzeug, außerdem sei das Flugterrain am Bodensee sehr einfach im Vergleich zum Hochgebirge.

Die Ju-52 der DLBS:

Die Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung bezeichnet die Ju-52 auf ihrer Homepage als „Herzstück“ ihrer historischen Flotte. Nach dem Jungfernflug im Jahr 1936 sei die Maschine zunächst bei der Lufthansa eingesetzt worden und habe danach fast 20 Jahre abwechselnd in Deutschland und Norwegen verbracht. 1955 sollte sie in Norwegen außer Dienst gestellt werden. Weil sie zu groß für ein Museum in Oslo war, sei sie nach Südamerika verkauft worden. Von 1957 bis 1963 flog sie in Ecuador. Später sei die „Tante Ju“ dann auf Flugschauen quer durch die USA zu bewundern gewesen, bevor die Lufthansa sie 1984 erworben und unter großem Aufwand restauriert habe. Seit 1986 wird sie für Rundflüge genutzt. Laut Angaben der DLBS bietet die knapp 19 Meter lange Maschine Platz für vier Besatzungsmitglieder und 16 Passagiere.

Neun Mal wird die „Tante Ju“ der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung am Wochenende in Friedrichshafen zu Rundflügen starten.
Neun Mal wird die „Tante Ju“ der Deutsche Lufthansa Berlin Stiftung am Wochenende in Friedrichshafen zu Rundflügen starten. (Foto: Joe Rimensberger © Deutsche Lufthansa Berlin-Stiftung)
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