Traumpaar am Ende: Häfler Beachvolleyballerin Laboureur verliert Partnerin Sude

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 Fünf Jahre lang bildeten sie ein Team und waren Weltranglisten-Erste: die Friedrichshafenerinnen Chantal Laboureur und Julia Su
Fünf Jahre lang bildeten sie ein Team und waren Weltranglisten-Erste: die Friedrichshafenerinnen Chantal Laboureur und Julia Sude (am Ball). (Foto: Herbert Pfarrhofer)

Manchmal ist es in Beziehungen nach Jahren so, dass der eine Partner nicht mehr ganz so glücklich und zufrieden ist und zuweilen auch latente Andeutungen macht, die der andere Partner allerdings nicht versteht, weil er ja glücklich und zufrieden ist – mit sich. Dann bedarf es nur etwas Zufalls und eines Menschen Nr. 3, und schon ist eine scheinbar glückliche Beziehung jäh im Unfrieden beendet, und eine neue beginnt.

So ähnlich liest sich das, was sich dieser Tage im deutschen Beachvolleyball zugetragen hat bei einem Duo, das nach den Verletzungen der Olympiasiegerinnen Laura Ludwig/Kira Walkenhorst 2017 schon als neues Traumpaar vom Bodensee gefeiert wurde und zur Nr. 1 der Weltrangliste aufgestiegen war. Am 4. Januar teilte Julia Sude ihrer Partnerin Chantal Laboureur im Beisein der Sportpsychologin der Friedrichshafenerinnen mit, dass sie künftig neue Wege gehe. „Ich habe in unserem Team nicht die Weiterentwicklung gesehen, die ich mir für die bevorstehende Qualifikation der Olympischen Spiele vorgenommen habe. Deshalb habe ich den Entschluss gefasst, das Ziel Olympia mit Karla Borger ins Visier zu nehmen“, sagt die 31-Jährige – viel mehr will sie nicht preisgeben. „Ich weiß, viele Menschen verstehen das nicht, doch die kennen auch nicht die Hintergründe, aber die werden teamintern bleiben. Das letzte Jahr war sehr inkonstant, es war nur noch ein harter Kampf, also hab ich für mich die Entscheidung getroffen, das zu ändern. Wenn du das Gefühl hast, dass es nicht mehr vorangeht, wird es schwierig. Wenn man ein Ziel verfolgt, muss man manchmal handeln.“

Laboureur, 2018 zur Beachvolleyballerin des Jahres gekürt, war wie vor den Kopf gestoßen, als sie ausgerechnet an ihrem 29. Geburtstag plötzlich wieder sportlicher Single war. „Mir hat es den Boden unter den Füßen weggezogen, als Julia mir ihre Entscheidung mitgeteilt hat. Ich kann die Trennung nicht wirklich nachvollziehen. Ich hatte nie das Gefühl, dass sie so unzufrieden wäre, dass es irreparable Probleme gäbe. Die gab es für mich nicht. Wenn mein Freund einen Teller nicht abwäscht – ein Beispiel –, mache ich ja nicht gleich Schluss. Ich hatte kurz vor Weihnachten von Gerüchten gehört, aber niemals geglaubt, dass sie real werden könnten. Wir waren Weltranglisten-Erste, haben Medaillen auf der World Tour gewonnen und sind immer noch Sechste. Riesenschritte sind in der Weltspitze kaum möglich, aber wenn das für Julia keine Entwicklung ist, dann kann ich nichts machen.“

Burkhard Sude wird Trainer

Der Eindruck, dass Sude sie vor vollendete Tatsachen stellte und ihre Trennungsgedanken nicht früher klarer kommunizierte, ist hart für Laboureur, doch der Wechsel hat auch mit einer vorangegangenen Rochade zu tun. Durch die Verletzung von Walkenhorst brauchte Ludwig eine neue Partnerin und fand sie in Margareta Kozuch. Also brauchte Karla Borger eine Spielgefährtin – und fand sie in Sude. „Karla hat mich kontaktiert, wir haben geredet und freuen uns auf den Neustart“, sagt Sude. Ihr Vater Burkhard werde sie als Sportlicher Leiter zumindest zuweilen trainieren – am Olympiastützpunkt Stuttgart, aber auch in der Beachhalle in Singen und in Ailingen. Sude war einst der Beachvolleyball-Pionier in Deutschland und mit Borgers Mutter Cordula Pütter, der Europameisterin von 1995, gemeinsam auf Turnieren. Damals lernten sich auch die Töchter kennen. „Unsere Eltern waren abends immer zu müde und wollten nicht mehr mit uns spielen. Also haben wir allein gespielt – so lange, bis einer den Ball fallen ließ. Der musste dann eine Strafrunde laufen“, sagt Sude, die an Borger „ihre Schlitzohrigkeit und ihren Spielwitz“ schätzt.

Laboureur, die in Tübingen im 8. Semester Medizin studiert, dürfte für so viel Romantik nicht viel übrig haben, auch Solidaritätsbekundungen auf Facebook trösten sie kaum. In 18 Monaten beginnen die Spiele in Tokio. „Ich werde nicht so einfach den Traum von den Olympischen Spielen 2020 aufgeben“, sagt sie, doch die Qualifikation hat bereits begonnen, und sie steht allein da. Die gibt es im Gegensatz zum Untergrund der Spielerinnen eben nicht wie Sand am Meer, im Gegenteil: Fast alle Kandidatinnen, die das Potenzial für die erweiterte Weltspitze haben, sind bereits vergeben. Sie bilden vier, fünf olympiafähige Teams – nur zwei dürfen nach Tokio –, und Laboureur hat nun den Druck. Auch sie muss womöglich ein bereits existierendes Paar auseinanderdividieren, auch die Kielerin Leonie Körtzinger (21), derzeit Solistin, und ein eventueller Umzug an den Stützpunkt Hamburg kämen theoretisch infrage. „Ich sortiere gerade meine Gedanken und muss mich zunächst mit einigen Menschen austauschen. Ich hoffe, dass der Verband mich weiter unterstützt“, sagt Laboureur und kündigt kämpferisch an: „Das Rennen um die Olympia-Quali ist offen.“

Sowohl für Sude als auch für Laboureur wäre Tokio die erste Olympia-Teilnahme, der größte Traum eines Sportlers überhaupt. Seit 2013 verbrachten die beiden fast 340 Tage lang im Jahr miteinander, aßen zusammen, warteten in Flughafenhallen, übernachteten gemeinsam in einem Hotelzimmer. Auch künftig werden sie sich des Öfteren im Stuttgarter Stützpunkt begegnen. Dass die eine der anderen nicht mehr zutraute, den großen Traum zu erreichen, wird aber von nun an in den Köpfen sein.

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