Tolle Stimmung wie bei einem Klassentreffen

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Aufs 50-jährige Jubiläum ein kräftiges „Ali-Gero“: Tolle Stimmung beim Geburtstagsfest, zu dem die Narrenzunft Ailingen alle Grü
Aufs 50-jährige Jubiläum ein kräftiges „Ali-Gero“: Tolle Stimmung beim Geburtstagsfest, zu dem die Narrenzunft Ailingen alle Gründungsmitglieder eingeladen hat. Vorne links Zunftmeister Michael Boch. (Foto: Wilfried Geiselhart)
Wilfried Geiselhart

„Ach, waren das herrliche Zeiten.“ Keine Frage, dieser Abend hat allen Beteiligten so richtig Spaß gemacht: Auf den Tag genau 50 Jahre nach ihrer Gründung hat die Narrenzunft Ailingen ihre Gründungsmitglieder zu einem Geburtstagsfest in die ehemalige Zunftstube in der Tobelstraße eingeladen – und dabei konnte man wunderbar in unvergesslichen Erinnerungen schwelgen. „Tolle Stimmung wie bei einem Klassentreffen“, stellte auch Zunftmeister Michael Boch zufrieden fest.

„Bei den Narren war halt immer was los“, wissen Bruno Wilhelm und Wilfried Wesener noch genau. Als junge Kerle gehörten sie schon vor der eigentlichen Gründung der Narrenzunft zu den umtriebigen „Waldhexen“. Unter den Ailinger Narren seien in den Anfangsjahren auch viele Mitglieder des Turnvereins gewesen, wie sich Ehren-Hexenmeister Franz Lorch erinnerte. Also war es selbstverständlich, dass man bei vielen Umzügen mit Überschlägen und gelaufenen Handständen auch in turnerischer Hinsicht etwas zu bieten hatte.

„Wir waren damals noch nicht volljährig“, plauderten Brigitte Bucher, Adeltraud Zoller und Helga Frick ein wenig aus dem Nähkästchen. Bei den Umzügen waren sie von Anfang an dabei. Doch an einen Ballbesuch sei leider nicht zu denken gewesen und man habe gut aufgepasst, dass sie jeweils Punkt 22 Uhr zuhause gewesen seien. Und heute? Wenn die drei Damen auch selbst nicht mehr aktiv an Umzügen beteiligt sind, so „juckt es doch jedes Jahr“, wie Brigitte Bucher lachend zugab. „Und man fühlt sich gleich viel jünger.“

Nach dem viel beklatschten Geburtstagsständchen der Schalmeien blickten Michael Boch, Ehrenzunftmeister Bruno Knapp und Irmgard Seyfried auf die Ailinger Narrengeschichte, die in ihrem Ursprung schon weit mehr als 100 Jahre zurückreicht. So wurde im „Seeblatt“ vom 16. Februar 1882 bereits für eine Veranstaltung mit anschließender „Tanzbelustigung“ geworben. In den 20er-Jahren waren die Bürgerbälle im „Adler“ das gesellschaftliche Ereignis. Nach dem Zweiten Weltkrieg traf sich 1950 eine Gruppe an der „warmen Wand“ – gemeint ist die Backstube des Bäckermeisters Bernhard Amann in der Hirschlatter Straße – um nach entbehrungsreichen Jahren wieder etwas Frohsinn und Abwechslung ins Leben zu bringen, wie der Chronist damals vermerkte.

Die ersten Masken traten bei einem Kaffeekränzchen in der „Gerbe“ auf. Die Anfänge der Narrengruppe Ailingen, die schnell als „Ailinger Großkopfete“ bekannt wurden, waren gemacht. Bald wurde die Maske des „Gehrenmännle“, das der Sage nach im „Gehrenmännlesloch“ an der Rotach gelebt haben soll, aus der Taufe gehoben und in Anlehnung daran der Narrenruf „Ali – Gero“. Eine große Anziehungskraft übten auch die „Waldhexen“ aus, die 1960 als weitere Maske hinzukamen. Mit der Gründung der „Narrenzunft Ailingen e.V.“ am 22. November 1969 – initiiert von Bernhard Amman, Georg Wieland, Georg Matzenmüller, Jupp Bergmüller und Armin Hildebrand – wurde dann die organisatorische Basis für das weitere Narrenleben in Ailingen geschaffen.

Dass die Ailinger Narren nichts von ihrer Attraktivität verloren haben, das belegen auch die Zahlen: „Mit rund 540 Mitgliedern haben wir uns in den vergangenen 50 Jahren nahezu verzehnfacht“, kann Michael Boch mit berechtigtem Stolz verkünden.

„Die Fasnet nicht für uns selbst, sondern für die anderen gestalten“, fasst Bruno Knapp als „Grundgedanke des Brauchtums“ zusammen. Dieser Grundsatz soll insbesondere auch fürs große Jubiläumswochenende am 1. und 2. Februar 2020 gelten. Dann will es die Narrenzunft mit Jubiläumsparty in der Rotachhalle und großem Jubiläumsumzug so richtig krachen lassen.

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