Joachim Coers, Vorstandsvorsitzender der Tognum AG, lehnt eine Vertragsverlängerung ab. (Foto: pr)
Gunnar Flotow
Redakteur
Gunnar M. Flotow

Seit einigen Wochen macht auf dem Werkshof von Tognum/MTU ein Gerücht die Runde: Der Vorstandsvorsitzende Joachim Coers plane, das Unternehmen im Herbst zu verlassen. In den vergangenen Tagen verdichtete sich dieses Gerücht. Wie die Schwäbische Zeitung aus zuverlässigen Quellen erfahren hat, wird Coers tatsächlich seinen Posten zum 30. September aufgeben.

Ein Angebot zur Vertragsverlängerung, das ihm der Aufsichtsrat vorgelegt hatte, lehnte er offenbar ab. Begleitet werden die Gerüchte von Spekulationen, warum der Chef nicht mehr weitermachen will: Hat er einen anderen Job in Aussicht? Hat er vielleicht keine Lust mehr, ein Unternehmen zu führen, das von Daimler und Rolls-Royce beherrscht wird?

Was seine Karriere angeht, war der 47-Jährige in den vergangenen Jahren auf der Überholspur unterwegs – ein Sabbatical könnte sich Joachim Coers durchaus leisten, denn er ist ein wohlhabender Mann. Gut fürs Konto war vor allem der Börsengang der Tognum AG, der 2007 die damaligen vier Vorstandsmitglieder zu Multimillionären machte. Der schwedische Finanzinvestor EQT hatte den Fab Four aus Friedrichshafen damals dicke Aktienpakete zum Schnäppchenpreis verkauft. Wieviel sie dafür bezahlten, wurde nie bekanntgegeben. Unwidersprochen steht seitdem die Zahl von 2,50 Euro pro Aktie im Raum – bei einem späteren Ausgabepreis von 24 Euro. 2011 sammelte die Engine Holding die Tognum-Aktien zum Preis von 26 Euro ein.

Coers war einer der „bunten Hunde“

Joachim Coers ist in den vergangenen 20 Jahren weit herumgekommen. Nach dem Studium an der Universität Bonn steigt er 1993 bei Daimler-Benz ein. Als Controller macht er sich bei den Daimler-Töchtern Debis und Freightliner in Portland (USA) einen Namen, bevor er die kaufmännische Leitung bei der Adtranz Daimler Chrysler Rail Systems in Berlin übernimmt. 2001 folgt er seinem Chef Rolf Eckrodt auf eine heikle Mission nach Fernost: Ein Team von 20 jungen und hungrigen Daimler-Managern, die Eckrodt „meine bunten Hunde“ nennt, soll den schwächelnden Autoriesen Mitsubishi in Fahrt bringen. Die Mission erweist sich nicht nur als heikel, sondern als unmöglich – das Engagement von Daimler in Japan scheitert grandios. Im April 2004 verweigert die Stuttgarter Konzernzentrale erst weitere Finanzspritzen, wenig später werden dann die Mitsubishi-Anteile verkauft. Auch für Joachim Coers heißt es „Sayonara Tokio“. Im September 2004 fängt er bei der MTU in Friedrichshafen an, wo er 2005 zum Geschäftsführer aufsteigt und mit der Gründung der Tognum AG zum „Chief Financial Officer“ wird. Am 1. Oktober 2011 nimmt Joachim Coers auf dem Chefsessel Platz, wo zuvor sieben Jahre lang Volker Heuer saß - ein Volkswirt führt fortan den Laden, nicht mehr ein Ingenieur.

Wie es heißt, soll ein interner Kandidat die Nachfolge von Joachim Coers antreten. Das Unternehmen lehnt eine Stellungnahme ab: „Wir kommentieren grundsätzlich keine Gerüchte“, heißt es aus der Presseabteilung. Es gebe weder harte Informationen, noch habe man irgendwelche Gerüchte oder Spekulationen aufgeschnappt, lassen die Kommunikationsfachleute wissen.

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