Romantischer Klangzauber und Tiefe lagen im A-cappella-Konzert der Camerata Serena unter Nikolaus Henseler. (Foto: Christel Voith)
Schwäbische Zeitung
Christel Voith

Mit seinem Konzert „In stiller Nacht“ hat Chorleiter Nikolaus Henseler mit der „Camerata Serena“ den Blick auf den wahren Sinngehalt der Tage um Allerheiligen gelenkt. Romantische Gesänge von Max Reger und Johannes Brahms betrachteten im A-cappella-Konzert am Sonntagabend in der St. Magnus-Kirche in großer Eindringlichkeit die Themen Tod, Vergänglichkeit und Frieden.

Frieden bestimmte auch die Orgelwerke, mit denen der Konstanzer Kirchenmusiker Martin Weber das Konzert subtil umrahmte. Besinnlich und tröstlich leitete er mit Johann Sebastian Bachs Präludium c-Moll BWV 546 das Konzert ein und schloss nach einem ersten Reigen geistlicher Gesänge die zugehörige Fuge an. In lichtem Orgelspiel nahm er die Stimmung auf, die Max Reger in seinen acht geistlichen Gesängen op. 138 anschlägt.

„Werke, die einfach gut tun“

„Werke, die einfach gut tun“, nannte sie Pfarrer Dieter Kramer und zitierte das bekannte Matthias Claudius-Gedicht „Der Mensch lebt und bestehet nur eine kleine Zeit“, mit dem der Chor anhob. Die Hell-Dunkel-Zeichnung des Chorwerks beschreibt die Ambivalenz zwischen Tod und Vergehen einerseits und dem tröstlichen „Es ist nur einer ewig und an allen Enden und wir in seinen Händen“. Still verklang das Lied, machte im „Morgengesang“ einem freudigen Gruß an das Licht Platz. Eine Freude war der kultivierte Gesang der Camerata, die geschmeidigen Übergänge, die klare Diktion, die transparenten Stimmen, die von Henseler sensibel gesetzten Akzente. Auch im engen thematischen Rahmen war Platz für ganz unterschiedliche Stimmungen vom vertrauensvollen Nachtlied, das selige Ruhe erwartet, zum hellen und tröstlichen „hat er uns alle erlöst“. Voller Dynamik erklang das Kreuzfahrerlied, innig der Anruf an Maria. Aufbruch, Lob und Dank kennzeichneten die an die Liturgie angelehnten Reger-Gesänge.

Mit einem innigen Choralvorspiel von Brahms leitete der Organist zu dessen Liedern über, mit einem zweiten Vorspiel ließ er die ersten beiden Gesänge nachklingen.

Gerne gab man sich der romantischen Stimmung der weltlichen Brahms-Gesänge hin, die ihrerseits von Leid wie von Trost, von herbstlicher Todesahnung und vom Frieden sangen. Welch ein purer Klangzauber lag über dem „In stiller Nacht“, welch unwirkliche Stimmung über dem scheuen, die Enttäuschung fürchtenden „Odem der Liebe“ oder der „Unruhe des Herzens“. Melancholie und stilles Ergeben lag im Betrachten fallender Blätter. Mit einem letzten Schwelgen in romantischem Wohlklang, einem Eintauchen in den Frieden der Waldesnacht kam mit Brahms jedes „wilde Herz“ zur Ruhe. Nichts hätte als Zugabe besser gepasst als Rheinbergers Abendlied.

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